Wenn Pastorin, Imam und Bischof gemeinsam für Frieden beten

In der St. Martins-Kirche in Dornbirn kamen am Sonntag Vertreter von zehn Glaubensgemeinschaften zum „Multireligiösen Gebet um den Frieden“ zusammen.
Es kommt nicht allzu oft vor, dass eine evangelische Pastorin in einer katholischen Kirche ein Gebet spricht. Noch seltener dürfte es sein, dass nur wenige Minuten später ein Imam mit einem islamischen Gebet folgt. Beinahe außergewöhnlich ist es, wenn die Feier von einem alt-katholischen Bischof geleitet wird.

So ungewöhnlich diese Szene auf den ersten Blick wirken mag, am Sonntagabend wurde sie in der St. Martins-Kirche in Dornbirn Wirklichkeit. Rund 120 Menschen versammelten sich gegen sechs Uhr abends im Gotteshaus am Marktplatz. Mit dabei waren zahlreiche Christen, aber auch Mitglieder der islamischen Glaubensgemeinschaft sowie Vertreter kleinerer Religionsgemeinschaften in Vorarlberg, darunter des Buddhismus, der Baháʼí und der Israelitischen Kultusgemeinde.

Anlass war das „Multireligiöse Gebet um den Frieden“, veranstaltet von der Friedensplattform der Religionen Vorarlberg. Dabei handelt es sich um einen interreligiösen Zusammenschluss, der vor mehr als zehn Jahren von Bischof Benno Elbs ins Leben gerufen wurde. Auslöser waren damals die Anschläge des Bataclan in Paris. Ziel der Arbeitsgruppe ist es laut der katholischen Kirche, „frühzeitig Probleme an religiös-sozialen Brennpunkten zu erkennen und gemeinsam handlungsfähig zu werden“. Der Plattform gehören derzeit zehn unterschiedliche Glaubensgemeinschaften an.
Gerechtigkeit, Frieden, Gemeinschaft, Glück und Vergebung
Zusätzlich werden regelmäßig gemeinsame Gebete abgehalten, sei es in Moscheen, Kirchen oder anderen Gotteshäusern. Am Sonntag fand das Treffen in der St. Martins-Kirche statt. Vertreter aller zehn Glaubensgemeinschaften kamen an diesem Abend zu Wort. Gemeinsam wurde für Gerechtigkeit, Frieden, Gemeinschaft, Glück und Vergebung gebetet. Die NEUE war vor Ort und sprach nach der rund 45-minütigen Feier mit einigen Anwesenden.

“Tatsächlich bin ich heute eher zufällig dazugestoßen, weil ich als Bäcker die Veranstaltung mit Brot versorgt habe. Als ich dann erfahren habe, worum es geht, habe ich beschlossen, doch einmal vorbeizuschauen. Ich fand die Veranstaltung sehr angenehm und wichtig, weil es meiner Meinung nach entscheidend ist, miteinander zu reden und nicht nur übereinander. Gerade heute, wo sich viele Menschen durch das Internet und andere Einflüsse in ihren eigenen Bubbles bewegen, sind solche Aktionen besonders wertvoll. Es ist wichtig, mit Menschen anderer Glaubensrichtungen, Interessen oder Gruppen ins Gespräch zu kommen — gerade auch dann, wenn man sonst vielleicht nicht automatisch miteinander in Kontakt treten würde.”
Markus Stadelmann, Besucher

“Im Baha‘i-Glauben stehen die Einheit der Religionen und die Einheit der Menschheit im Mittelpunkt. Eine Veranstaltung wie diese bringt genau diese friedvolle Haltung gegenüber allen Menschen und allen Religionen zum Ausdruck. Was mich motiviert hat, heute dabei zu sein, ist der Wunsch, ein Zeichen für diese Einheit der Religionen zu setzen und gemeinsam mit anderen Menschen zu beten.”
Melanie Bitschnau, Mitglied Bahá’i

“Ich finde, dass das Friedensgebet gerade in der derzeitigen Lage eine ganz entscheidend wichtige Initiative ist. Weltweit steht momentan vielfach das Trennende im Vordergrund. Umso wertvoller ist es, hier das Verbindende sichtbar zu machen. Dieses gemeinsame Gebet ist ein wunderbares Zeichen der wichtigsten Religionsgemeinschaften in Vorarlberg und zeigt, dass es gemeinsam viel besser geht — so, wie wir es auch in der Stadt Dornbirn politisch leben.”
Markus Fäßler, Besucher und Bürgermeister von Dornbirn

“Meiner Meinung nach ist es äußerst bereichernd, wenn verschiedene Religionsgemeinschaften zusammenkommen und für einen gemeinsamen Zweck, in diesem Fall für den Frieden, gemeinsam eine Position einnehmen und ein Statement abgeben, wie hier in Dornbirn.
Halil Calim, Besucher
Heute war das in Form eines Gebets. Als Moslem, also Angehöriger der islamischen Glaubensgemeinschaft, ist das eine Zusammenarbeit, die ich sehr zu schätzen weiß.”

“Das erste Friedensgebet fand vor elf Jahren statt und wurde von Bischof Benno initiiert. Anlass dafür waren die Bataclan-Anschläge in Paris. Gleichzeitig war dies auch der Gründungsmoment für die Plattform. Seither gab es in regelmäßigen und unregelmäßigen Abständen Friedensgebete. Diese fanden jeweils auf Einladung einer bestimmten Religionsgemeinschaft statt — in Kirchen, Moscheen oder an anderen passenden Orten. Vor drei Jahren wurde beschlossen, das Friedensgebet in den öffentlichen Raum zu verlegen. Dafür bot sich der Marktplatz in Dornbirn besonders an. In diesem Jahr sind wir wetterbedingt nach innen ausgewichen. Besonders spürbar ist, dass von Jahr zu Jahr mehr Menschen mitfeiern. Das Friedensgebet spricht sich also immer weiter herum.”
Katharina Weiss, Veranstaltungsorganisation

“Das Gebet um den Frieden hat mich heute sehr berührt. Alleine schon zu sehen, dass alle diese Religionen, diese Gemeinschaften und Konfessionen, die gleiche Gebetsgrundlage haben. Wie ähnlich wir uns schlussendlich doch sind. Ich finde dies sehr gut und um ehrlich zu sein, hätte ich sogar beinahe angefangen, innerlich zu weinen. So tief hat mich dies berührt. Das war wirklich schön zu sehen.”
Johannes Okoro, alt-katholische Kirche
Gebetet haben:
Alt-katholische Kirche
Bahá’i
Buddhistische Gemeinschaft
Evangelische Kirche
Frei-Aleviten
Islamische Glaubensgemeinschaft
Israelitische Gemeinschaft
Katholische Kirche
Neuapostolische Kirche
Orthodoxen Kirchen