Vorarlberg

Gratis-Leitungswasser in der Gastro? Das sagen Vorarlberger Wirte

11.09.2026 • 16:11 Uhr
Gratis-Leitungswasser in der Gastro? Das sagen Vorarlberger Wirte
Was darf ein Glas Leitungswasser im Gasthaus kosten? Die Meinungen gehen auseinander. Canva/APA, Mayer, Hartinger, Privat

SPÖ-Vorstoß: Leitungswasser sollte in der Gastronomie kostenlos sein. Zu einer möglichen gesetzlichen Regelung hat sich die NEUE bei Vorarlberger Wirten umgehört.

Sollen Gastronomen für ein Glas Leitungswasser Geld verlangen dürfen? Diese Frage wurde in den letzten Wochen heiß debattiert. Grundlage für die Diskussion ist eine Erhebung der Arbeiterkammer Wien, wonach in den touristisch geprägten Gegenden in der Bundeshauptstadt nur drei von 30 geprüften Lokalen Wasser aus der Leitung gratis servierten, auch bei Speisen- oder anderweitigen Getränke-Bestellungen. Für einen halben Liter Wasser wurden laut der Studie zwischen 0,80 und 3,60 Euro verrechnet. SPÖ-Nationalrätin Julia Herr forderte daraufhin eine entsprechende gesetzliche Regelung: “Wasser ist ein Grundbedürfnis und darf kein Luxus werden. Leitungswasser muss gratis sein!” Die NEUE hat sich in der Vorarlberger Gastronomie zu diesem Ansinnen umgehört.

“Fixkosten decken”

Der Lustenauer Gastronom Marcel Lerch, der mehrere Lokale in Dornbirn und Lustenau betreibt – darunter das “Azzurra” am Blauen Platz, das “Rio” am Marktplatz und das “Taco Taco” an der Schweizer Grenze – handhabt das Thema Leitungswasser in allen Betrieben einheitlich. “Zum Kaffee, Wein oder anderen Spezialitäten gehört das kostenlose Glas Wasser dazu”, erklärt er. “Wenn jemand nur ein Leitungswasser konsumiert, verrechnen wir einen Euro”, ergänzt Lerch – Personal, Miete und andere Fixkosten müssen schließlich abgegolten werden.

Trinkgeld nach US-Vorbild: Lust Café Bar Bregenz Stefan Köb und Rio Dornbirn Marcel Lerch
Marcel Lerch handhabt die Leitungswasser-Thematik in allen seinen Bars und Restaurants gleich. vol.at/Mayer

Einen gesetzlichen Anspruch auf gratis Leitungswasser, wie von der SPÖ vorgeschlagen, hält der Lustenauer nicht für notwendig: “Das ist Sache der Gastronomen. Man kann doch genauso wenig vorschreiben, ob ein Schnitzel 15 oder 25 Euro zu kosten hat. Am Ende ist es die Entscheidung der Gäste, wo sie einkehren wollen.” Lerch sieht aber auch Grenzen: “Drei Euro oder mehr für Leitungswasser ist unverschämt. Das kostet dann gleich viel wie ein Produkt im Einkauf.”

“Dienstleistung darf etwas kosten”

Matthias Lins, Wirt des Hotel-Gasthaus Löwen in Feldkirch-Nofels, serviert das Glas Wasser ebenfalls obligatorisch zu Getränken wie einem Kaffee mit dazu. “Das gehört quasi zum Gesamtpaket”, erklärt er. Ansonsten kostet ein Glas stilles Wasser (0,25l) in seinem Lokal einen Euro. “Nicht das Wasser wird verrechnet, sondern die Dienstleistung, und die darf etwas kosten. Dafür bleiben mir bei 20 Prozent Mehrwertsteuer effektiv 80 Cent”, zeigt Lins auf und führt an: “Man findet überall im Land – auch in den Lokalen – einen Wasserhahn, aus dem man Leitungswasser trinken kann, ohne dafür zu bezahlen. Zum Vergleich: Auf vielen Autobahnraststätten wird für die WC-Nutzung auch eine Gebühr verrechnet, obwohl der Toilettengang auch ein Grundbedürfnis ist.”

Gratis-Leitungswasser in der Gastro? Das sagen Vorarlberger Wirte
Löwen-Wirt Matthias Lins zieht den Vergleich zur WC-Gebühr auf Autobahnraststätten. Privat

“Eingriff in freie Marktwirtschaft, daher No-Go”

Stefan Köb, der unter anderem das “Pier69” und die “LuSt Cafe/Bar” in Bregenz betreibt, fordert ebenfalls, dass die Entscheidung über die Verrechnung von Leitungswasser den Wirten überlassen wird: “Die Forderung ist aus meiner Sicht ein No-Go, denn das wäre ein Eingriff in die freie Marktwirtschaft. Der Gast hat immer die Wahl, woanders einzukehren, wenn er nicht bereit ist, den Euro für das Glas Wasser zu bezahlen. Wenn sich SPÖ und Arbeiterkammer für eine Senkung der Lohnnebenkosten einsetzen, können wir über einiges reden. Aber aktuell zeigt die Entwicklung in die andere Richtung.”

Gastronom Stefan Köb bei der LuSt Bar in Bregenz
Stefan Köb ist gegen einen gesetzlichen Eingriff in das Thema. vol.at/Mayer

Als stellvertretender Obmann der Gastronomie-Sparte in der Wirtschaftskammer Vorarlberg kennt Köb “verschiedene Herangehensweisen”, wie die Wirte im Land mit der Leitungswasser-Frage umgehen. In den eigenen Betrieben handhabt er die Thematik ähnlich wie Lerch und Lins: Zum Wein oder Kaffee ist das Wasser gratis, trinkt der Gast sonst nichts, wird ein kleiner Betrag für den Serviceaufwand verrechnet. “Die Mitarbeiter müssen das Wasser an der Schankanlage abfüllen, servieren, abräumen, das Glas abwaschen und am Ende polieren”, verdeutlicht er. Allerdings gebe es auch Betriebe, die über das Ziel hinausschießen: “Letztens war ich in Lindau, da wurde das Sodawasser in eine schöne Karaffe abgefüllt und serviert. Als dafür aber sieben Euro verrechnet wurden, musste ich schon ein wenig schlucken”, erzählt Köb.

Die SPÖ-Idee ist nicht neu: In Frankreich und Spanien gibt es entsprechende Regelungen für den Anspruch auf kostenloses Leitungswasser in der Gastronomie bereits. In Vorarlberg wird der Vorstoß – zumindest in der Gastronomie – nicht mit Gegenliebe aufgenommen.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)