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Drachenzähmen leicht gemacht: Neues Projekt von Tech-Bro aus Vorarlberg

26.09.2026 • 09:00 Uhr
Drachenzähmen leicht gemacht: Neues Projekt von Tech-Bro aus Vorarlberg
Jodok Batlogg zählt zu den schillerndsten Köpfen in der Vorarlberger Digitalbranche. Stiplovsek

„Here be dragons“: „Serial Entrepreneur” Jodok Batlogg (ehemals studiVZ, Crate Data oder Tree.ly) gründet in der Campus Väre neu.

NEUE am Sonntag: Was steht hinter Ihrem neuen Projekt?

Jodok Batlogg: Wir wollen ein Forum schaffen, in dem wir uns firmenunabhängig mit den Themen beschäftigen können, die uns gerade beschäftigen. Dazu gehören Künstliche Intelligenz, Software, neue Modelle und die Frage, was damit tatsächlich möglich ist. Wir schauen uns zum Beispiel an, wie man Modelle mit 36 oder 28 Milliarden Parametern betreiben kann, wie man sie auf einem Mac Mini zum Laufen bringt oder was bei Entwicklungen rund um Hugging Face passiert. Zuerst geht es darum, zu lernen. Wir begeben uns auf Neuland. Daher rührt auch der Name „Here be dragons“. Früher wurden unkartografierte Gebiete mit „Hic sunt dracones“, also „Hier leben Drachen“, skizziert, um vor Gefahren zu warnen. Vergleichbar mit dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

Drachenzähmen leicht gemacht: Neues Projekt von Tech-Bro aus Vorarlberg
Die NEUE am Sonntag traf Jodok Batlogg und Bettina Steindl in der Campus Väre. Stiplovsek

NEUE am Sonntag: Sie sehen darin also auch wirtschaftliches Potenzial?

Batlogg: Absolut. Ich überlege gerade, was man heute alles machen kann, wofür früher zehn, 20 oder 50 Leute notwendig gewesen wären. Spezifikation, Software-Entwicklung, Testen, das sind Dinge, bei denen diese Systeme mittlerweile extrem gut sind. Für mich ist das wie ein Candy Shop. Ich sehe Möglichkeiten und muss schauen, was daraus entsteht. Ich arbeite sehr gerne offen und mit totaler Transparenz. Mein Vorteil ist die Geschwindigkeit. Ideen und Sachen können andere gerne kopieren, weil ich ohnehin immer schon beim nächsten Schritt bin. Ich komme auch aus der Open-Source-Community und glaube, dass solche Sachen öffentlich und frei zugänglich sein sollten. Was ich kommerziell mache, setze ich darüber.

NEUE am Sonntag: Wie sieht das kommerziell aus?

Batlogg: Derzeit arbeite ich als freiberuflicher Berater und Umsetzer für größere Firmenkunden. Das sind meist Industrieunternehmen, auch aus dem Pharma- oder Energiebereich. Ich bringe Prototypen in die Produktion und arbeite dabei mit agentischem Engineering. Im Moment verwende ich ungefähr zwei Tage in der Woche dafür. Drei Tage beschäftige ich mich mit neuen Produktideen und damit, was als Nächstes kommt.

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Jodok Batlogg hat sich für ein Büro im neuen Dornbirner Kreativzentrum entschieden. Stiplovsek

NEUE am Sonntag: Warum haben Sie sich für die Campus Väre entschieden?

Batlogg: Für mich ist das hier mehr als ein digitaler Hub. Ich wollte von Anfang an einen Ort, der eine Geschichte hat. Mich haben schon immer Brownfield-Projekte und geschichtsträchtige Gebäude interessiert. Hier sehe ich jetzt einen Platz, an dem Kreativität, Toleranz und Innovation zusammengehören. Für mich ist das ein moderner Vorarlberger Mix. Handwerkskunst und moderne Dinge, zusammengebracht mit einer gewissen Einfachheit.

NEUE am Sonntag: Ihr Projekt beschäftigt sich stark mit Künstlicher Intelligenz. Wie wichtig ist dabei die Frage der Datensicherheit?

Batlogg: Elementar. Wir beschäftigen uns deshalb auch mit souveränen Modellen. Die Frage ist immer: Wo setzt du die Grenzen und wie hart trennst du sie? Man kann solche Systeme aber auch entsprechend designen. Europa hat hier eine besondere Herausforderung, weil viele Modelle aus Amerika kommen und China stark mit Open-Source-Modellen arbeitet.

Drachenzähmen leicht gemacht: Neues Projekt von Tech-Bro aus Vorarlberg
Der IT-Experte spricht mit der NEUE am Sonntag über Gefahren und Potenzial der neuen Technologie. Stiplovsek

NEUE am Sonntag: Genau da wollen Sie ansetzen?

Batlogg: Ja. Ich will Lösungen für Unternehmen anbieten, die sagen: Ich will meine Daten nicht einfach in eine Cloud schicken. Gleichzeitig wollen sie aber auch nicht von einem Modell abhängig sein, bei dem sie nicht wissen, was damit passiert. Ich war dabei, als das Internet entstanden ist, beim ersten Personal Computer und beim Cloud Computing. Jetzt beginnt für mich eine neue Phase mit einer enormen Intensität.

NEUE am Sonntag: Sie sprechen dabei auch über die Abhängigkeit Europas von großen Technologiekonzernen.

Batlogg: Das ist für mich eines der Hauptprobleme. Wir sind extrem abhängig von großen Tech-Konzernen. Es geht nicht nur um Software oder Hardware. Es geht auch um unsere digitale Identität. Wenn dir dein Instagram- oder Facebook-Profil weggenommen wird, verlierst du einen Teil deiner digitalen Identität. Und diese Systeme werden von Unternehmen kontrolliert, die nicht in Europa sitzen.

NEUE am Sonntag: Was wäre ein gangbarer Weg für Europa?

Batlogg: Ich glaube, Europa muss einen Weg dazwischen finden. Wir brauchen eigene Lösungen, die gut genug sind. Bei ganz alltäglichen Dingen wie Textverarbeitung muss man nicht zwingend von einem amerikanischen Konzern abhängig sein. Entscheidend ist, dass Europa seine eigene technologische Souveränität stärkt.

Drachenzähmen leicht gemacht: Neues Projekt von Tech-Bro aus Vorarlberg
Jodok Batlogg gründet wieder neu, dieses Mal in der Campus Väre. Stiplovsek

NEUE am Sonntag: Und welchen Beitrag kann Ihr Projekt dazu leisten?

Batlogg: Für mich geht es darum, Dinge auszuprobieren, Wissen zu teilen und Netzwerke aufzubauen. Der Verein und die Menschen, die dort zusammenkommen, sind der Teil, der Bewegung hineinbringt. Gleichzeitig kann daraus etwas Kommerzielles entstehen. Ich glaube, dass gerade diese Verbindung interessant ist. Die Campus Väre soll ein Ort sein, an dem etwas passiert.

(NEUE am Sonntag)