Hinter den Kulissen: So funktioniert der neue Schlachthof in Rankweil

Es war ein steiniger Weg bis dahin, doch jetzt läuft der Betrieb im Schlachthof der “Zämma Schlacht- und Zerlege GmbH” in Rankweil auf Hochtouren. Die NEUE bekam Einblicke in die hochmodernen Anlagen.
Fünf Jahre nach der Schließung in Dornbirn hat Vorarlberg wieder einen großen Schlachthof. Die “Zämma Schlacht- und Zerlege GmbH” betreibt seit Sommer den neuen Betrieb in Rankweil-Brederis, der vergangenes Wochenende offiziell eröffnet wurde. Geschäftsführer ist der Koblacher Bio-Landwirt Reinhold Kräutler, der die NEUE gemeinsam mit Gerhard Fruhauf, Obmann der Ländle-Vieh-Vermarktung, durch den Betrieb führte.

Vom lebenden Tier bis zum Abtransport des Fleisches erfolgen dabei mehrere Schritte, die rundum überwacht werden. Schlachttage sind immer Dienstag und Freitag, dazwischen wird das Fleisch bearbeitet und für die Auslieferung bereit gemacht. „Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb. Wir nehmen die Tiere an und schlachten sie, für Vermarktung und Verkauf des Fleisches wir nicht zuständig“, sagt Fruhauf, der mit Ländle-Vieh-Vermarktung einer der Gesellschafter des Schlachthofes ist.
„Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb. Wir nehmen die Tiere an und schlachten sie, für Vermarktung und Verkauf des Fleisches wir nicht zuständig.“
Gerhard Fruhauf
Die Anlage ist zweigleisig konzipiert, um kleinere und größere Nutztiere schlachten zu können. So können Bauern Rinder, Schweine, Schafe und Pferde zur Schlachtung bringen. Fruhauf bezeichnet die Anlage als „eierlegende Wollmilchsau“, da auf vergleichsweise kleinem Raum – etwa 6000 Tiere sollen pro Jahr in Rankweil geschlachtet werden – alle Auflagen und Bedürfnisse erfüllt werden müssen.

Das beginnt bereits beim Stall, wo die lebenden Tiere abgegeben werden. Mittels Triebwand sollen sie möglichst stressfrei durch die Stallungen zur Betäubung gebracht werden, ehe sie getötet werden. „Zwischen Betäubung und Entblutung dürfen maximal 60 Sekunden vergehen“, erklärt Kräutler. Die Auflagen sind streng: So muss etwa die Betäubungsanlage in doppelter Ausführung vorhanden sein, damit das Tier bei einem technischen Ausfall nicht unnötig leidet. Dem Zufall überlässt man am Rankweiler Schlachthof nichts, die Infrastruktur ist auf modernstem Stand. „Wir haben eine High-Tech-Anlage einbauen lassen und an nichts gespart, denn hier geht es um das Tierwohl“, verdeutlicht der Geschäftsführer. Zum Beispiel hat man in eine sogenannte Grandin-Kurve investiert: „Indem die Tiere vor der Betäubung um eine Kurve und über eine Steigung gehen, bleiben sie neugierig, was den Stress vermindert“, erklärt Kräutler.

Nach der Entblutung werden die Tiere in einem genau getakteten Prozess enthäutet und schrittweise zerlegt. Ein amtlicher Tierarzt führt bei der Anlieferung eine Lebendbeschau der Tiere und nach dem Prozess eine Totbeschau des Schlachtkörpers durch und schreitet bei etwaigen Auffälligkeiten ein. So wird bei jedem einzelnen Tier geprüft, ob das Fleisch für den menschlichen Verzehr tauglich ist.

Nach bestandener Prüfung erfolgt die Klassifizierung und Kühlung des Fleisches. Mitarbeitende des Schlachthofes zerlegen schließlich die einzelnen Fleischstücke, verpacken sie im Vakuum und etikettieren das Produkt, ehe es im Kühlraum auf die Auslieferung wartet. Der gesamte Arbeitsbereich ist in einen rot und einen grün gefärbten Teil getrennt. „Rot steht für unrein, grün für rein“, führt Kräutler aus. Auch das dient der Erfüllung der Hygienestandards und verhindert die Keimübertragung von lebenden Tieren oder Schlachtabfällen auf das Fleischprodukt. Zusätzlich gibt es einen Raum für Privatschlachtungen, in dem die Anlage in kleinerer Form vorhanden ist.

Stichwort Vorgaben: Die EU-weite Umstellung der Identitätskennzeichen auf den Etiketten der Fleischprodukte hat 2024 begonnen, bis 2028 haben Schlachthöfe eine Übergangsfrist. In Rankweil hat man den Betrieb direkt mit dem neuen EU-Nummern-System aufgenommen. „Wir haben als erster Betrieb in Österreich die EU-Nummern“, erzählt Fruhauf. „Wenn jemand im Geschäft ein Stück Fleisch mit der Nummer AT 86651 EU sieht, weiß er, dass es in Rankweil geschlachtet wurde.“

Der Weg bis zur ersten Probeschlachtung Ende Juni war ein steiniger: Landwirte mussten ihre Tiere nach dem Aus des Schlachthofs Dornbirn übergangsweise in kleineren Betrieben schlachten lassen, während parallel auf Hochtouren an einem tauglichen Konzept für einen Neubau gearbeitet wurde. Am Ende setzte sich das Gesellschaftermodell mit Beteiligung verschiedener Organisationen, Vereine und Verbände, die an regionale Schlachtung gebunden sind, durch. In der Bauphase seien viele Überlegungen „über den Haufen geworfen worden“, erklärt Fruhauf und fügt hinzu: „Wir mussten das Projekt verkleinern, um die Baukosten von fünf Millionen Euro einzuhalten.“ Kräutler ergänzt: „Wenn nicht alle Firmen, Gesellschafter und das Land an einem Strang gezogen hätten, dann hätten wir das nicht gepackt. Das Projekt war durch großen Zusammenhalt geprägt.“ Das Motto sei gewesen: „Geht nicht, gibt’s nicht.“

Das Land unterstützte den Bau mit drei Millionen Euro Förderung, um die regionale Fleischverarbeitung mit kurzen Transportwegen für die Tiere zu sichern. „Der Transport ist immer eine Diskussion, aber selbst fliegen die Leute auch um die ganze Welt in den Urlaub, obwohl es nicht sein müsste“, wirft Kräutler ein. „Es ist ein Anliegen der Bauern und des Handels, die Tiere zur Schlachtung nicht weit fortschicken zu müssen. Diese Möglichkeit ist jetzt da.“
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)