Warum ein Südafrikaner und eine Litauerin in Hohenems ein Café eröffneten

Brunch, hausgemachte Speisen und wechselnde Tagesgerichte machen das Bardeli zu einem Café für jede Pause.
Mit dem Café Bardeli wollten sich Morné Castelyn und Aina Kleveckaite einen Ort schaffen, an dem sie ihre Leidenschaft für die Gastronomie ausleben können und an dem sich auch die Gäste wohl und willkommen fühlen. „Die Menschen hier nennen uns auch das Wohnzimmer von Hohenems“, erzählt Castelyn. Wer hier Platz nimmt, soll entspannen und gerne eine Weile bleiben.

Eine neue Heimat
Castelyn stammt aus Südafrika, Kleveckaite aus Litauen. Kennengelernt hat sich das Paar in Irland, wo sie viele Jahre in der Gastronomie arbeiteten – sie im Service, er in der Küche. 2019 kamen sie nach Vorarlberg: „Wir sind für einen Urlaub hergekommen und haben es wirklich geliebt.“ Die Berge, die Lebensart und die Menschen hätten sie überzeugt. Ursprünglich wollte Castelyn nur für eine Saison hier arbeiten, aber aus einer Saison wurden nun über sechs Jahre. Als sie das Lokal in der Marktstraße entdeckten, stimmte die Verbindung mit dem Besitzer des Hauses gleich. Auch Hohenems überzeugte sie: Die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren sehr entwickelt. „Wir wollten Teil dieses Prozesses sein.“
Vor rund eineinhalb Jahren eröffnete das Bardeli. Das Haus sei nicht nur ein Café, sondern ein Familienprojekt. Kleveckaite arbeitet im Service und ist das Gesicht des Hauses, Castelyn gehört die Küche. Gemeinsam mit einem kleinen Team führen sie den Betrieb. „Wenn man im eigenen Wohnzimmer ist, fühlt man sich entspannt“, erklärt Castelyn. So sollten sich auch die Gäste im Bardeli fühlen.

Aromen von nah und fern
Zum Konzept gehört auch, möglichst viel selbst zu machen: Rund 90 Prozent der Speisen entstehen im Café selbst. Auch Kuchen, Pesto, Hummus und Sirupe werden vor Ort hergestellt. Die Küche orientiert sich an saisonalen Produkten und, wo möglich, an Zutaten aus der Region. Klassische österreichische Speisen stehen allerdings nicht im Mittelpunkt. „Wir sind nicht aus Österreich und wollen das zu unserem Vorteil nutzen“, so Castelyn. Österreichische Gerichte gebe es bereits an vielen Orten. Stattdessen verbindet das Bardeli frische Zutaten mit Gewürzen und Aromen aus anderen Teilen der Welt. So entstehe eine Küche, die vertraut aussehen könne und doch anders schmecke.

Das Bardeli ist vor allem ein Tagescafé. Beide haben ihr ganzes Berufsleben in der Gastronomie verbracht. Mit dem Café wollten sie auch ihren Alltag anders gestalten. Der Brunch gehört zu den Schwerpunkten: Unter der Woche gibt es ihn von neun bis elf Uhr, samstags den ganzen Tag. „Wir nennen es Brunch und nicht Frühstück, weil man die Gerichte auch gut zu Mittag essen kann.“ Zum Brunch gibt es etwa Eggs Benedict, belegtes Sauerteigbrot und French Toast. Mittags stehen unter anderem Bowls mit verschiedenen Zutaten, Flammkuchen und Sandwiches auf der Karte. Die Mittagsgerichte sind bis 17 Uhr erhältlich – Castelyn versteht sie deshalb eher als Tagesgerichte. Wer später kommt, kann also auch noch eine frühe Abendmahlzeit essen.

Beliebt seien die Bowls. Sie richten sich nach dem, was gerade Saison hat. Eine Herbst-Bowl wird etwa mit hausgemachtem Kimchi, getrockneten Feigen, Feta und geröstetem Gemüse serviert. Dazu wählen die Gäste zwischen Huhn oder Falafel. Viele Gerichte seien zunächst vegetarisch gedacht, erklärt Castelyn. Mit kleinen Anpassungen lassen sie sich auch vegan zubereiten – das Eiweiß kommt nach Wahl dazu. So sollen auch vegetarische und vegane Gäste ein vollwertiges Gericht finden.

Abwechslung am Tisch
Die Karte ändert sich fast jeden Tag. Stammgäste wissen, dass sie im Bardeli etwas Gutes bekommen – was genau, sei aber nicht immer vorhersehbar. Rund 85 Prozent der Gäste sind Stammkunden, schätzt Castelyn. Das gefällt dem Paar: Man lernt die Menschen kennen, weiß, was sie mögen und was nicht. Auch wenn ein Gericht einmal nicht zum eigenen Geschmack passt, ist das in Ordnung. „Wir wollen uns selbst treu bleiben.“
Trotz des großen Andrangs bei der Eröffnung wollten sie klein beginnen. Lieber wenige Dinge anbieten und diese ordentlich machen, als ein großes Versprechen abzugeben und Gäste zu enttäuschen. Dieser Gedanke gilt auch für den kleinen Laden nebenan: „Bardeli to go“. Dort gibt es Take-away und lokale Zutaten. Der Laden ist ein erster Schritt in Richtung eines größeren To-go-Angebots, das das Paar ausbauen möchte. Castelyn und Kleveckaite denken dabei an Menschen, die ihr Mittagessen vorbestellen und mitnehmen möchten. Auch Speisen für das Abendessen daheim werden dazukommen – nach denselben Rezepten wie im Café, aber so vorbereitet, dass sie zu Hause rasch fertig werden. Die Idee komme aus dem eigenen Alltag: „Wir arbeiten viel und wissen, wie es ist, wenn man trotzdem eine gute Mahlzeit zu Hause haben möchte.“ Somit kann man am Abend Zeit sparen.

Was wirklich zählt
Eine besondere Bestätigung für die Arbeit war die Bewertung durch Falstaff: Im ersten Jahr erhielt das Bardeli 92 Punkte, im Folgejahr 93. Am meisten bedeutet ihnen aber eine andere Rückmeldung: „Wenn jemand zur Küche kommt und sagt: ,Danke, das war großartig!’, das ist das Schönste.“ Was ein gutes Gericht ausmacht, lasse sich nicht allein an den Zutaten festmachen. Entscheidend sei auch, wie sorgfältig es zubereitet und angerichtet werde. „Wenn man sich wirklich darum kümmert, wie man alles macht, gibt man dem Essen einen zusätzlichen Wert.“ So soll das Café Bardeli sein: Ein unkomplizierter Ort mit persönlichem Empfang und einer saisonalen Küche ohne Abkürzungen.