Von Strafmündigkeit bis Bildungssystem: Fragen der NEUE-Leser an die Landeshauptleute

Die NEUE hat sich vor dem Treffen der Landesspitzen auf der Straße umgehört: Diese Fragen und Anliegen stellen die Menschen in Vorarlberg an die Politiker.
Von Lena Bertsch und Tobias Holzer
Wenn am Freitag die Hauptleute aller neun Bundesländer über Reformen diskutieren, dann schaut wohl ganz Polit-Österreich in den Bregenzerwald. Als Höhepunkt des Vorarlberger Vorsitzes lädt Markus Wallner (ÖVP) nach Mellau, wo beim zweitägigen Treffen der Landeshauptleutekonferenz ein bunter Blumenstrauß an Themen diskutiert wird: von der Verlängerung des Grundwehrdienstes über schnellere Genehmigungsverfahren und die Reformpartnerschaft bis hin zum Umgang mit strafunmündigen Kindern.
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Noch vor dem zweitägigen Treffen hat sich die NEUE in Dornbirn und in Bludenz auf der Straße umgehört. Welche Themen brennen den Menschen auf der Seele? Was möchten die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger von den neun Landeschefs unbedingt wissen? Und welche Erwartungen haben sie an die Politiker vor dem Treffen in Mellau?
Strafmündigkeit

“Die Straftaten durch eine immer jüngere Täterschaft sind eine Belastung. Ich bin dafür, dass das Strafmündigkeitsalter auf mindestens zwölf Jahre heruntergesetzt wird. Die Jugendlichen sollten meiner Meinung nach nicht ins Gefängnis müssen, aber dafür Sozialstunden ableisten oder etwas Vergleichbares machen. Was könnte man da tun?”
Roswitha (80) aus Dornbirn
Mehr Mitbestimmung für die Jugend

“Das Bildungssystem sollte verbessert werden, besonders im Hinblick auf einen Schwerpunkt auf Berufsbildung nach der Matura. Schüler wissen oft nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Sie müssen dabei unterstützt werden. Ich wünsche mir zudem mehr psychologische Betreuung und Schulsozialarbeiter. Schüler sollten lernen, deren Hilfe anzunehmen. Es gibt seit der Corona-Zeit zu viele Schüler mit psychischen und mentalen Problemen. Generell sollte man Jugendlichen mehr zuhören und ihre Ideen annehmen oder zumindest Kompromisse finden, sodass auch unsere Ideen eingearbeitet werden können.”
Nick Klein (18) aus Gaschurn
Migration und Integration

“Die Anzahl an Migranten hat stark zugenommen. Sie sollten aus unserer Sicht die Möglichkeit bekommen, die Sprache besser zu lernen und eine gute Ausbildung bekommen. Man muss sie fördern, aber auch fordern, und man muss ihnen eine Perspektive aufzeigen, sodass sie nicht zu Straftätern werden.”
Brunhild (72) und Ernst Koblbauer (73) aus Bludenz
Arbeit und Familie als Mutter
“Mutter zu sein, wird nicht als ‘richtige’ Arbeit entlohnt. Die Kinderbetreuung für Unter-Zweijährige ist viel teurer als für Über-Zweijährige. Aber man muss ja als Frau arbeiten gehen, um Geld zu verdienen, um sich für die Pension abzusichern und wegen der steigenden Lebenshaltungskosten.”
Christine M. (34) aus Dornbirn
Hohe Lebenshaltungskosten

“Die Mieten sind enorm, es gibt mehr Privatärzte als Kassenärzte und die generellen Lebenshaltungskosten sind als Pensionist zu hoch. Was wird gegen diese starke finanzielle Belastung unternommen?”
Egmont Zink (64) aus Dornbirn
Gleichberechtigung von Frau und Mann
“Die Gleichberechtigung von Frau und Mann ist in Vorarlberg gefühlt gar nicht fortgeschritten. Frauen werden bei uns zu wenig wertgeschätzt. Was kann getan werden, damit sich das verbessert? Und wurde überhaupt schon irgendetwas dafür getan?”
Charlotte (75) aus Dornbirn
Herausforderungen für junge Menschen

“In der Schule sollte man mehr über künstliche Intelligenz lernen, und zwar am besten in der Mittelschule oder noch früher, nicht erst in der Berufsschule. Ich finde zudem, dass die Jobsuche für junge Menschen herausfordernd ist. Es ist schwierig, an eine Stelle zu kommen. Außerdem hat Vorarlberg meiner Meinung nach zu wenige Freizeitmöglichkeiten. Die Klubs haben zu wenig lange offen.”
Luis Zech (21) aus Frastanz
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)