„Man ist nie zu alt, um was Neues zu probieren“

Kornelia Koch ist die „Manga-Oma“. Um sich von ihrer chronischen Schmerzerkrankung abzulenken, malt die Dornbirnerin Figuren im Stil der japanischen Comics.
Ich war froh, überhaupt etwas auf den Zettel zu bringen“, erzählt Kornelia Koch mit einem Schmunzeln. Als die heute 63-Jährige vor zwei Jahren von ihrem Sohn überredet wurde, einen Manga-Zeichenkurs in der Dornbirner Stadtbibliothek zu besuchen, hätte sie nicht damit gerechnet, dass sie später einmal ihre eigenen Kunstwerke auf Comic-Messen ausstellen würde.

Ein Trend aus Japan
„Manga“ ist das japanische Wort für „Comic“. Hierzulande kennen vorwiegend die Jüngeren die Bücher oder Hefte aus Japan, in denen Geschichten erzählt werden, deren Protagonisten durch groß gezeichnete Augen auffallen. In den 1990er-Jahren breitete sich dieses Phänomen auf die ganze Welt aus, Mangas wurden zum Trend. Damals hatte Kornelia Koch noch keinen Bezug zu diesem popkulturellen Trend. Sie leidet seit nunmehr 25 Jahren an einer Schmerzerkrankung, die vor 15 Jahren als chronisch diagnostiziert wurde. „Das schlägt sehr auf die Psyche“, erzählt die Dornbirnerin. Sie hat immer wieder schubweise Schmerzattacken an ihrem ganzen Körper. Eine Selbsthilfegruppe, die sie besucht, hilft ihr nicht weiter. „Dort haben die Leute hauptsächlich von negativen Erfahrungen erzählt. Das hat mich nur weiter runtergezogen“, berichtet sie. Bereits als Jugendliche hat die zweifache Oma gern gezeichnet, doch später das Hobby nicht mehr weiterverfolgt. Durch den Manga-Zeichenkurs entdeckt sie die Kunst aufs Neue für sich.

„Wenn ich male, bin ich sehr konzentriert und kann mich entspannen. Ich verliere dabei oft jedes Zeitgefühl. Das lenkt mich von meinen Schmerzen ab“, erzählt Koch. Die Manga-Figuren mit ihren großen Augen gefallen ihr als Motiv gut, und so hat sie mittlerweile rund ein Dutzend Bilder auf Leinwänden unterschiedlicher Größen angefertigt. „Ich suche immer ganz lange nach dem richtigen Motiv. Zuerst zeichne ich die Figur mit Bleistift auf die Leinwand. Dann lehne ich die Zeichnung ein paar Tage an meinen Schrank und ändere im Vorbeigehen immer wieder ein paar kleine Details. Erst wenn alles passt, trage ich die Farbe auf“, erklärt Koch den Entstehungsprozess ihrer Bilder. Zusätzlich hat sie einige Kunstwerke aus Epoxidharz angefertigt: Untersetzer mit Motiven aus Star Wars, Handyhalter in Form eines Teddybärs und Kerzenschalen sind nur einige ihrer handgemachten Arbeiten.

Visitenkarten
Kornelia Koch ist kritisch mit ihren Kunstwerken. Als ihr Sohn Mario sie bittet, mit ihm auf eine Comicmesse zu gehen, schlägt er vor, dass sie ihre Bilder doch auch mitnehmen und ausstellen könne. „Nein“, antwortete sie erst, „da schäme ich mich dafür“. Nach etwas Überredungskunst ihres Sohnes nahm sie ihre Kunstwerke doch mit. Mario Koch ließ für die Comicmesse auch Visitenkarten für seine Mutter anfertigen, im Zuge dessen kamen sie auch auf den Spitznamen „Manga-Oma“. Manga-Comics als solche interessieren die Dornbirnerin nicht. „Die Comics selbst sprechen mich gar nicht an, aber die Figuren sind als Motive schön“, meint sie. „Mir gefallen Science-Fiction-Filme viel besser.“ Sie führt aus: „Wenn man sich mit Filmen, Technik oder Popkultur beschäftigt, geht man mit der Zeit und bleibt jung. Das ist auch mein Motto: Man ist nie zu alt, um was Neues zu probieren!“

Gemischte Reaktionen
Bereits vier Messen besuchte die Dornbirnerin mit ihrem Sohn. „Die Reaktionen auf mich und meine Bilder waren ganz unterschiedlich. Einmal meinte einer zu mir, was das denn für ein Kitsch sei. Da war ich ein bisschen sauer“, berichtet sie. Es gab aber auch viel Zuspruch für ihre Werke. „Auf einer anderen Messe kam ein riesig großer Mann zu mir, der eine Figur von mir entdeckte. Ich dachte mir, was der denn wohl sagen würde. Mit ganz freudiger Stimme rief er: ,Oh mein Gott, die Figur muss ich haben!‘“, lacht die 63-Jährige.

Eine neue Freundschaft
Eine besondere Bindung hat die pensionierte Einzelhandelskauffrau zu einem Mädchen aus Lustenau aufgebaut. „Eines Tages hatte ich eine Nachricht von einem unbekannten Absender auf meinem Handy, die lautete: Hallo, wie zeichnet man Mangas? Ich fragte die Person erst, ob man sich denn kennen würde.“ Wie sich herausstellte, hatte das Mädchen eine Vistenkarte von Kornelia Koch von einer Messe mitgenommen und sich bei ihr gemeldet, weil sie auch solche Bilder malen möchte. „Über die Zeit haben wir Kontakt aufgebaut und sind mittlerweile gut befreundet“, freut sich Koch.

Malen als Hobby
Als Künstlerin würde sich Kornelia Koch selbst nicht bezeichnen. Doch als die Dornbirner Stadtbibliothek, wo die 63-Jährige einst den Zeichenkurs besuchte, anfragte, ob sie ihre Werke dort ausstellen will, dachte sie sich: „So wild können die Bilder dann doch nicht sein“, und willigte ein. Vom 14. bis zum 24. November kann man die Kunstwerke von Kornelia Koch in der Stadtbibliothek bewundern. Dennoch bleibt sie bescheiden: „Malen wird für mich immer nur ein Hobby bleiben.“ In Zukunft will Kornelia Koch weitere Bilder malen. „Airbrush interessiert mich, das würde ich gerne mal ausprobieren“, sagt sie auf die Frage, welche Ziele sie künstlerisch noch verfolgt. Anderen chronisch kranken Schmerzpatienten rät die Manga-Oma: „Wenn man nichts tut, ist man im Loch. Am besten sucht man sich eine Beschäftigung, bei der man sich von den Schmerzen ablenken und sich darin vertiefen kann.“
