Vorarlberg

“Ich hätte keine Lust, länger im Heer zu dienen”

07.02.2026 • 17:00 Uhr
"Ich hätte keine Lust, länger im Heer zu dienen"
Die NEUE hat sich bei Schülerinnen und Schülern in einer Maturaklasse in Bregenz umgehört. canva/steurer, holzer

Bundeskanzler Stocker will das Volk zu einer Verlängerung des Grundwehrdienstes befragen. Doch was denken diejenigen darüber, die davon betroffen sind? Eine Umfrage im BG Gallus in Bregenz.

Geht es nach der Wehrdienstkommission, soll der Grundwehrdienst in Österreich von sechs auf acht Monate verlängert werden. Hinzu kämen zwei Monate mit verpflichtenden Wehrdienstübungen. Außerdem ist eine Verlängerung des Zivildienstes auf zwölf Monate angedacht. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) möchte nun eine Volksbefragung zur Wehrdienstreform initiieren. Auch die Diskussion, ob Frauen für Grundwehr- bzw. Zivildienst verpflichtet werden sollten, ist in solchen Zeiten allgegenwärtig. Die NEUE hat sich dazu bei Schülerinnen und Schülern in der Maturaklasse des Bundesgymnasiums Gallus in Bregenz umgehört.

"Ich hätte keine Lust, länger im Heer zu dienen"
Gabriel Fischnaller

“Die Wehrdienstkommission hat sich sehr lange damit beschäftigt und wenn sie sich dafür ausspricht, ist es sicher sinnvoll, die Verlängerung vorzunehmen. In Zeiten einer globalisierten Welt ist es sicher keine schlechte Idee. Wie heißt es so schön in dem Sprichwort: Wenn du Frieden möchtest, rüste zum Krieg.
Ich habe vor, nach der Matura zum Bundesheer zu gehen. Mit der Militärmusik kann ich mein Hobby mit meinem Grundwehrdienst zu verbinden. Das dauert ohnehin zwölf Monate, also würde mich die Verlängerung gar nicht betreffen.”
Gabriel Fischnaller (17)

Umfrage längerer Wehrdienst
Selina Harg

“Die aktuelle Dauer ist lange genug, denn für junge Menschen ist der nächste Schritt nach der Schule oft das Studium und ich fände es blöd, wenn das nach hinten geschoben wird. Gut finde ich, dass man das Volk miteinbezieht, denn uns betrifft es ja auch. Frauen sollten nicht zum Wehrdienst verpflichtet werden, denn meiner Meinung nach sollte Gleichstellung woanders beginnen. Durch die Schwangerschaft verbringen Frauen ja auch eine gewisse Zeit zuhause. In Sachen Gleichstellung könnte man stattdessen zum Beispiel bei großen Themen wie der Beseitigung des Gender Pay Gap beginnen.”
Selina Harg (17)

"Ich hätte keine Lust, länger im Heer zu dienen"
Raol Tomovski

Das Konzept der Wehrpflicht bzw. des Zivildienstes halte ich für etwas veraltet. Ein Berufsheer wäre eine viel effektivere Möglichkeit zur Verteidigung des Landes, denn dann sind die Menschen tatsächlich motiviert, diesem beizutreten.
Rein logisch betrachtet muss ich sagen, dieses Thema ist nicht das beste, um das Volk zu befragen. Es geht dabei um die Sicherheit Österreichs und der Bevölkerung. Ich finde auch, dass die Idee zur Volksbefragung von Kanzler Stocker möglicherweise eine politische Aktion, um Auseinandersetzungen mit seinen Koalitionspartnern zu verhindern. Die Initiative kam ja praktisch aus dem Nichts für SPÖ und Neos. Es ist durchaus möglich, dass das Mittel der Volksbefragung ein Way-Out ist, um eine Krise innerhalb der Koalition oder ein Problem im Nationalrat zu umgehen, indem man wie bei einer vorherigen Volksabstimmung darauf hofft, dass die ältere Bevölkerung für einen längeren Wehrdienst stimmt. Ich selbst bevorzuge auf jeden Fall den Zivildienst. Wie gesagt, glaube ich nicht, dass der österreichische Staat in dieser Form effektiv eine Verteidigungskraft aufbauen kann und daher will ich lieber der Bevölkerung gemeinnützig helfen.
Raol Tomovski (18)

Umfrage längerer Wehrdienst
Julian Thoma

“Allgemein wäre es angesichts sicherheitspolitischer Bedenken wichtig, darüber nachzudenken. Wobei es für mich dennoch nicht die Lösung ist, den Wehrdienst zu verlängern, sondern mehr mit anderen Staaten zusammenzuarbeiten – in Form einer stärkeren EU oder einer stärkeren Nato.
Persönlich bin ich pro Zivildienst und denke, wenn man den auf zwölf Monate verlängert, verliert er an Attraktivität. Sicher keine schlechte Idee ist es, das Volk zu befragen. Den Aspekt, den ich dabei negativ sehe: Wir haben viele alte Menschen, die wahlberechtigt sind und die eine Entscheidung für die Jungen treffen.”
Julian Thoma (17)

"Ich hätte keine Lust, länger im Heer zu dienen"
Paul Schallenberg

“Ich finde, die Wehrdienstverlängerung ist keine notwendige Maßnahme, weil sechs und neun Monate ausreichen. Bei einer Verlängerung müssten diejenigen, die studieren gehen, noch länger auf ihre Einschreibung warten. Selbst habe ich mich für den Zivildienst entschieden, weil ich vom Militär eher Negatives gehört habe. Außerdem finde ich, beide Geschlechter sollten den Zivildienst bzw. den Wehrdienst verpflichtend abhalten müssen.”
Paul Schallenberg (18)

Umfrage längerer Wehrdienst
Magdalena Reichart

“Österreich fehlen Zivildiener. Daher ist es der falsche Ansatz, den Zivildienst zu verlängern. Ich kann mir vorstellen, dass viele nur zum Heer gehen, weil der Dienst dort kürzer ist, anstatt zum Zivildienst, der aus meiner Sicht wichtiger ist.
Gut finde ich, dass der Wehrdienst für Frauen freiwillig ist, da wir in vielen anderen Bereichen benachteiligt sind. Frauen fehlt eine Zeit des Lebens, wenn sie eine Familie gründen und in einem gewissen Alter werden sie daher in der Berufswelt weniger oft eingestellt.”
Magdalena Reichart (18)

"Ich hätte keine Lust, länger im Heer zu dienen"
Zoltan Ban

“Es gibt immer weniger Jugendliche und immer mehr alte Menschen, daher würde es nicht schaden, wenn mehr Zivildiener aushelfen. Ich selbst werde nach der Schule eine Zivi-Stelle beim Roten Kreuz annehmen, weil ich später Medizin studieren will und denke, dass das eine gute Praxiserfahrung ist.
Die Volksbefragung unterstütze ich grundsätzlich. Vielleicht wäre es besser, wenn man junge Leute befragt, die direkt betroffen sind, statt der Älteren, die nicht mehr einberufen werden.”
Zoltan Ban (18)

Umfrage längerer Wehrdienst
Max Hofherr

Ich selbst hätte keine Lust, länger dabei zu sein. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man in zwei zusätzlichen Monaten viel besser ausgebildet wird. An sich finde ich es gut, wenn man das Volk befragt. Ein Problem ist nur: Stellt sich die Wehrdienstverlängerung als schlecht heraus, können die Politiker die Verantwortung abschieben und sagen, dass es die Entscheidung der Bevölkerung war.
Max Hofherr (18)

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