Messe Dornbirn: Nilly Nail ist gekommen, um zu bleiben

Kommende Woche steht für den Dornbirner Messechef mit der Frühjahrsmesse „Schau!“ die nächste Bewährungsprobe an – ein Porträt.
Nilly Nail sitzt beim Treffen mit der NEUE am Sonntag im Büro der Dornbirner Messe. Wenige Tage vor der Frühjahrsmesse „Schau!“ herrscht für ihn „Crunchtime“, eine Situation, mit der sich der erfahrene Messemanager aber bestens auskennt. Und deswegen auch noch Zeit für ein Treffen findet.
Der 55-Jährige spricht schnell, präzise, mit klarer Linie. Einer, der weiß, wo er hinwill. Einer, der nicht lange zögert. „Ich bin da, um die Messe neu auszurichten. Und das ist ein langfristiges Projekt“, sagt er. Seit Oktober ist der Branchenspezialist im Amt. Auf Stationen wie Salzburg, Wien, Graz oder Stuttgart folgt Dornbirn. Und dies ist kein Zwischenstopp oder ein Experiment: „Ich habe in meinem Leben nie einen Job gemacht, wo ich kurz wohin bin und dann wieder weiter.“

Ein Manager, der auf Qualität setzt
Nail denkt Messe neu. Weg von der klassischen Universalmesse, hin zu klaren Themen, klarer Positionierung. „Die Dornbirner Messe war lange eine Universalmesse, ohne klares Profil. Das wird es bei mir schlicht und ergreifend nicht mehr geben.“
Seine Philosophie ist eindeutig: „Entscheidend ist für uns der Erfolg unserer Geschäftspartner. Und der wird weniger in der Quantität gemessen, sondern in der Qualität.“

Das zeige sich bereits an Formaten wie der Austromobil – ein neues Konzept, auf das Nail sichtlich stolz ist: „Innerhalb von fünf Monaten umgesetzt, 38 Marken, über 90 Prozent der Neuheiten eines Modelljahres. Mehr als 7000 Besucher. Und zufrieden waren sie, weil es das richtige Angebot für das richtige Publikum war.“
Nails Richtung wird immer deutlicher: Spezialisierte Formate, Fachmessen und Nischen mit Themen wie Automatisierung, Logistik oder Industrie – passend zum Einzugsgebiet: „Mein Zielradius ist Westösterreich, Südbayern, Ostschweiz und Liechtenstein.“

Vorarlberg: Direkt, kritisch, offen
Nail hat sich schnell ein Bild gemacht, von der Region, von den Menschen, vom Markt. „Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger haben einen gefestigten Charakter und eine noch gefestigtere Meinung.“
Er sagt das ohne Wertung, fast respektvoll, und doch auch mit einem wertschätzenden Schmunzeln: „Wer hier überzeugen will, muss arbeiten. Und auch in Vorarlberg gibt es dicke Bretter, die man bohren muss. Gerade wenn es um die Messe Dornbirn geht, ein Unterfangen, das fest in der Region verankert ist, das aber trotz Tradition und jahrzehntelanger Historie neu gedacht werden muss.“
Die Gespräche mit Ausstellern und dem Publikum sind für ihn deswegen zentral. Oft beginnen sie mit Kritik. „Ich kriege brühwarm serviert, was in der Vergangenheit nicht funktioniert hat.“ Und das ist für ihn Grundlage seiner Arbeit. Zuhören, anpassen, weiterentwickeln. „Erfolgreiches Messemanagement funktioniert nur dann, wenn ich auf das höre, was meine ausstellende Wirtschaft oder meine Besucher sich wünschen.“

Neustart der Messe Dornbirn
Seine Auftaktanalyse des Standorts war zunächst von rückläufigen Zahlen und schwindender Relevanz geprägt. „Damit hätten wir uns in die Bedeutungslosigkeit geschrumpft, wenn wir so weitermachen.“ Seine Antwort darauf ist ein mehrjähriger Umbau. Strategische, strukturierte und langfristige Planung bis ins Jahr 2030. Mit dem zentralen Element der Redimensionierung: „Kein riesiger Gigantomanismus, weniger Flächen, mehr Fokus.“
Statt Masse setzt Nail auf Wirkung. Fachmessen mit Entscheidern statt Besuchermassen ohne Relevanz. „Da werden zum Teil mehr Aussteller da sein als Besucher.“ Gleichzeitig bleibt die Publikumsmesse erhalten, aber neu gedacht. Themen wie Gesundheit, Garten, Wohnen, Kulinarik. Klarer strukturiert, wirtschaftlich tragfähig und auch mit neuen Akzenten.
Bewusst für Dornbirn entschieden. Der Wechsel nach Vorarlberg war für ihn deswegen niemals eine „halbe Sache“. Nail will nicht pendeln, er ist gekommen, um zu bleiben. „Ich bin gemeinsam mit meiner Frau hergezogen. Und ein Pendeln hat weder Lebensqualität noch entspricht das meiner Vorstellung, eine Aufgabe mit vollem Einsatz anzugehen.“

Seit August lebt das Paar in Dornbirn. Und dies war ebenfalls nicht nur der Aufgabe geschuldet, im Gegenteil, das Paar fühlt sich herzlich willkommen: „Wir haben gesehen, welche Lebensqualität die Region zu bieten hat. Wir sind begeisterte Dornbirner.“
Nail schwärmt vom heimischen Wochenmarkt, von Kulinarik, von der „Lebendigkeit“ der Stadt. Von den Bergen und dem Bodensee. Privat bleibe aber aktuell aber wenig Zeit, um dies zu entdecken. Die Neuausrichtung fordert ihn. Wochenenden inklusive. „Sehr zum Leidwesen meiner Frau, aber umso dankbarer bin ich, dass sie mich unterstützt und mir den Rücken stärkt.“

Ziele und Realitätssinn
Nail ist kein Träumer. Er dämpft Erwartungen, bevor sie entstehen. Dass alle sofort begeistert sein werden, hält er für unrealistisch. „Es wird die geben, die sagen, das gefällt uns. Und die sagen, das ist nicht mehr meine Frühjahrsmesse.“ Sein Maßstab ist ein anderer. „Wenn ein Großteil unserer Ausstellungspartner sagt, der Messeerfolg hat sich eingestellt, dann war es erfolgreich für uns.“
Die neue „Schau“. Am Donnerstag steht die nächste große Bewährungsprobe an. Die neu ausgerichtete „Schau“, die Dornbirner Frühjahrsmesse öffnet ihre Pforten für das Publikum. Die letzten Tage sind geprägt von Druck, Abstimmung und Feinarbeit – eine Situation, die er aber kennt und mit der er umzugehen weiß.
Nail ist sich bewusst, dass der Weg lang ist. Aber er wirkt nicht wie jemand, der daran zweifelt. Planung, Struktur und Erfahrung begleiten ihn täglich in seinem Tun. Und der feste Wille, Dornbirn als Messestandort neu zu positionieren. Was nur dann gelingen kann, wenn man sich in der Messestadt heimisch fühlt. Was Nilly Nail augenscheinlich immer mehr tut.
(NEUE am Sonntag)