Vorarlberg

Kiesabbau in Altach gestartet, Projektgegner erheben neue Vorwürfe

08.05.2026 • 16:23 Uhr
Kiesabbau in Altach gestartet, Projektgegner erheben neue Vorwürfe
Auch nach dem Start des Kiesabbau-Projekts gibt es Diskussionen. Canva/Hartinger, Stiplovsek, Schäfer

Nach jahrelangem Ringen konnte der Kiesabbau in Altach kürzlich starten. Die Grünen erheben neue Vorwürfe, Kieswerk-Betreiber Kopf weist diese klar zurück.

Das Kiesabbau-Projekt in Altach ist angelaufen. Nach einer jahrelangen Vorgeschichte mit intensiven Verhandlungen zwischen den Gemeinden Altach und Götzis, Streitigkeiten in den Gemeindevertretungen und Zwist um eine Umfahrungsstraße wurde kürzlich auf der 10,53 Hektar großen Fläche mit den Arbeiten begonnen. Das Projekt ist auf eine Dauer von 30 Jahren angelegt.

Bürgermeister erfreut

Eine Pressemitteilung, die die Gemeinde Altach zu Wochenbeginn versendete, zeigt einen Lokalaugenschein der Mitglieder des Beirates der Kiesabbau Sauwinkel GmbH sowie der Geschäftsführung der Firma Kopf Kies + Beton, die mit dem Abbau beauftragt ist. Dabei standen unter anderem die moderne automatische Brückenwaage sowie die Anfahrtsstraße, die mit einer Sprinkleranlage zur Staubreduzierung ausgestattet ist, im Mittelpunkt. „Gemeinsam mit allen Kooperationspartnern haben wir hier ein Vorzeigebeispiel für zeitgemäßen und verantwortungsvollen Kiesabbau geschaffen“, wird der Altacher Bürgermeister Markus Giesinger (ÖVP) in der Aussendung zitiert.

Kiesabbau in Altach gestartet, Projektgegner erheben neue Vorwürfe
Kürzlich nahmen die Projektbeteiligten einen Lokalaugenschein beim Abbaufeld vor. Gemeinde Altach

Sein Götzner Amtskollege Manfred Böhmwalder (ÖVP) fügt hinzu: „Dieses Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffsicherung, bringt wirtschaftliche Vorteile und sorgt in finanziell schwierigen Zeiten sowohl in Altach als auch in Götzis für Entlastung in der Gemeindekassa.“ Die Vorzüge des Projekts aus Sicht der beiden Gemeindechefs liegen damit auf der Hand.

Grüne erheben neue Vorwürfe

Seitens der Grünen gibt es nach Start des Kiesabbaus einmal mehr massive Kritik. Demnach sollen unter anderem dieselbetriebene Maschinen statt der genehmigten Elektrobagger verwendet werden, was aufgrund der Gefahr auslaufender Treibstoffe untersagt sei. Auch die Lärm- und Staubbelastung sei aktuell weit überhoht, außerdem überschreite man die Zahl der genehmigten Fahrten, weil ein zu kleiner Dumper eingesetzt werde. Ferner beklagen die Grünen fehlende Maßnahmen zum Schutz von Erdeintrag ins Abbaufeld.

Kiesabbau in Altach gestartet, Projektgegner erheben neue Vorwürfe
Grünen-Madatar Markus Rottmar informierte über mutmaßliche Bescheidverletzungen beim Kiesabbau. Schäfer

„Anscheinend nimmt man es von Beginn an mit den Umweltauflagen nicht so genau,“ kritisiert Markus Rottmar, Obmann der Grünen Liste Götzis. „So droht womöglich eine behördliche Einstellung des Abbaus, kaum nachdem er begonnen wurde“, befürchtet er. Bernie Weber, Grünen-Gemeindevertreter in Altach, fügt hinzu: „Die unmittelbar nach dem Abbaubeginn publik gewordenen Verfehlungen und Missachtungen des Bescheids lassen die Alarmglocken schrillen. Ich fordere Bürgermeister Giesinger auf, unverzüglich einzugreifen, um Schaden für Natur, Umwelt und die Bevölkerung abzuwenden.“

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Bernie Weber fordert den Bürgermeister zum Eingreifen auf. Hartinger

Franz Kopf, Geschäftsführer von Kopf Kies + Beton, äußert sich auf NEUE-Anfrage umfangreich zu den Vorwürfen: „Beim nun erfolgten Öffnen des Abbaufeldes sind viele vorbereitende Tätigkeiten wie Humus abtragen, richtige Lagerung des Humus und Abtragung von nicht verwertbarem Material vonnöten, um den Kieskörper freizulegen. Dafür werden verschiedene Erdbaumaschinen wie Schubraupe, Hydraulikbagger und Radlader eingesetzt, welche auch dieselbetrieben sind und bescheidkonform eingesetzt wurden.“ Die bisher eingesetzen Maschinen entsprechen laut Kopf nicht dem späteren Regelbetrieb: „Ein Schwimmbagger kann keinen Humusabtrag, keine Uferböschungen und auch keine Unterwasserböschungen seitlich des Abbaufeldes mit einer Neigung von 2:1 erzeugen. Dies sollte eigentlich allen im Bergbau tätigen Personen bekannt sein.“

Kiesabbau in Altach gestartet, Projektgegner erheben neue Vorwürfe
Kieswerk-Geschäftsführer Franz Kopf wies die Vorwürfe in einer umfangreichen Stellungnahme zurück. Hartinger

Bis zur Erreichung der erforderlichen Tiefe und Wirtschaftlichkeit für den Einsatz eines Schwimmbaggers komme derzeit ein „100 to Hydro-Seilbagger“ der Firma Liebherr zum Einsatz, der laut Kopf eine „Weltneuheit“ darstellt und im Hybridbetrieb mit Elektromotor und einem kleinen Dieselgenerator arbeitet. „Die relevanten Auflagen bezüglich Baumaschinen werden mit dem eingesetzten Hydroseilbagger eingehalten.“ Außerdem entstehe keine überhöhte Lärm- und Staubbelastung: „Im Gegenteil – der derzeit eingesetzte hybride Seilbagger arbeitet hauptsächlich elektrisch und ist im Moment sicher die effektivste Methode zur Kiesgewinnung für die oberen Kiesschichten.“

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Der aktuell auf dem Abbaufeld eingesetzte Bagger ist laut Kopf “die effektivste Methode zur Kiesgewinnung.” Hartinger

Zur vermeintlichen Überschreitung der Fahrten erklärt der Kiesunternehmer: „An den ersten zwei Tagen wurden zur Vorbereitung des Kiesabbaus mehr als die vorgesehenen Fuhren ins Kieswerk transportiert. Dies zählte aber auch zu den vorbereitenden Maßnahmen zum Kiesabbau. An allen anderen Tagen wurden die maximale Anzahl an Fuhren eingehalten.“ An gewissen Tagen sei gar kein Kies transportiert worden. „Alle eingesetzten Maschinen entsprachen der höchsten Abgasstufe und sind lärmarm ausgeführt“, so Kopf. Den Vorwurf mangelhaften Schutzes vor Erdeintrag ins Abbaufeld weist der Unternehmer entschieden zurück: „Die Seitenränder des Abbaufeldes wurden bescheidkonform ausgeführt und auch von der Behörde begutachtet und für gut befunden.“

Kiesabbau in Altach gestartet, Projektgegner erheben neue Vorwürfe
Bürgermeister Markus Giesinger betont, dass eine Feststellung von Verfehlungen der Behörde obliegt. Stiplovsek

Bürgermeister Giesinger teilt der NEUE mit: „Grundsätzlich möchte ich betonen, dass wir uns seitens der Gemeinde Altach sehr darüber freuen, dass nach sehr langen Diskussionen und Bemühungen nunmehr mit dem Projekt Kiesabbau gestartet werden konnte. Die Abbaufirma ‚Kies Kopf + Beton‘ ist verpflichtet, den Kiesabbau bescheidkonform durchzuführen.“ Im Rahmen der Beiratssitzung sei letzte Woche den Mitgliedern des Beirates der Kiesabbau Sauwinkel GmbH ausführlich über den Stand der Arbeiten berichtet worden. „Die Abbaufirma steht in Kontakt mit der zuständigen Behörde. Falls es zu Verfehlungen gekommen sein sollte, obliegt es der zuständigen Behörde, dies festzustellen“, so Giesinger.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an

Die Erhebung der mutmaßlichen Missstände geht auf Patrik Nickel zurück. Der Götzner warb mit seiner Rero-Pro lange um den Zuschlag für das Projekt, hatte jedoch gegen Kopf das Nachsehen. Bereits in der Vergangenheit hatte er zahlreiche Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch in Zusammenhang mit Bescheidverletzungen und der Überschreitung von Abbaugrenzen auf einem alten Kiesabbaufeld in Altach eingebracht, mit dem ebenfalls die Firma Kopf beauftragt war.

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Patrik Nickel trägt seit Jahren Missstände und Vorwürfe im Bezug auf das Kiesabbau-Projekt zusammen. Hartinger

Nachdem die Staatsanwaltschaft Feldkirch in der Vergangenheit bereits die Einleitung von Ermittlungen bestätigte, teilte die Anklagebehörde auf NEUE-Anfrage diese Woche mit: „Die Ermittlungen in dieser Causa dauern weiter an. Über die konkreten Personen, gegen die ermittelt wird kann keine Auskunft erteilt werden, derzeit auch nicht zu deren Anzahl. Die im Raum stehenden Straftatbestände sind Amtsmissbrauch beziehungsweise Untreue und mögliche Umweltdelikte.“

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)