Vorarlberg

Wie eine Woche in Bregenz für ukrainische Kinder zur europäischen Erfahrung wurde

13.06.2026 • 09:54 Uhr
Gastbeitrag Ferienprogramm Ukraine
Auch eine Fahrt mit dem “Wälderbähnle” durften die ukrainischen Kinder genießen.Fetz (8)

Eine Woche ohne Luftalarm. Sieben Tag am See, an dem niemand darauf achten musste, was über einem am Himmel passiert. Was für uns ganz selbstverständlich klingt, ist für zehn Kinder aus der Ukraine in Bregenz zur Wirklichkeit geworden. Ein Gastbeitrag.

Diese Woche waren zehn ukrainische Schülerinnen und Schüler aus der Stadt Jaremtsche zu Gast in Bregenz. Untergebracht waren sie nicht in Hotels oder gar in einem Ferienlager, sondern bei den Familien österreichischer Gleichaltrigen. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Ferienprogramm klingt, ist in Wahrheit ganz konkrete europäische Solidarität. Eine Woche Frieden, jeden Tag von früh bis spät.

Gastbeitrag Ferienprogramm Ukraine
Aktivitäten wie eine gemeinsame Runde Bowling lenken vom Alltag im Krieg ab.

2024 besiegelten Bregenz und Jaremtsche ihre Solidaritätspartnerschaft. Das BG Gallusstraße und die Stadt Bregenz haben das Ferienprogramm gemeinsam mit der Plattform „Building Bridges“ entwickelt. Und dies mit einem klaren Ansatz: Die ukrainischen Kinder sollten nicht einfach nur betreut werden. Sie sollten dazugehören. Die Jugendlichen aus Jaremtsche lebten eine Woche lang in Vorarlberger Familien, besuchten gemeinsam mit ihren Gastgeschwistern den Unterricht und erlebten den Alltag hier so, wie er ist.

Gastbeitrag Ferienprogramm Ukraine
Gemeinsame Ausfläuge mit den Gastgeschwistern standen ebenso auf dem Programm wie der Alltag in der Schule.

Für die ukrainischen Kinder war dies eine willkommene Atempause. Sie kommen aus einem Land, in dem durch den seit 2022 andauernden russischen Angriffskrieg Luftalarme und Drohnenangriffe längst zum Alltag gehören. Neben Schulprojekten zur Völkerverständigung standen Ausflüge auf den Pfänder und eine Schifffahrt nach Lindau auf dem Programm. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Grillabend am See – für viele der emotionale Höhepunkt einer Woche, in der weit mehr passiert ist als das Aufeinandertreffen von Kindern aus zwei Ländern.

Gastbeitrag Ferienprogramm Ukraine
Auch ein Besuch im Wirtshaus am See stand auf dem Programm.

Für die Gastfamilien wiederum wurde der Krieg in der Ukraine greifbar, durch die schlichte Tatsache der Anwesenheit: Dieses Kind lebt so. Das ist seine Lebensrealität. Empathie und Völkerverständigung entstehen nicht durch sterile Information, sondern durch echte Begegnung.

Gastbeitrag Ferienprogramm Ukraine
Gruppenfoto mit dem Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (rechts vorne).

Auch wenn die Kinder aus Jaremtsche am Sonntag wieder zurück in eine Realität gefahren sind, die sich nicht verändert hat, so haben sie doch Freundschaften geschlossen, die über diese Woche hinausreichen, und einen Blick auf Europa mitgenommen, den kein Schulbuch vermitteln kann. Das ist nicht nichts. Das ist genau, wie ein gemeinsames Europa beginnt.

Stimmen der ukrainischen Kinder

„Bregenz hat mir wirklich gut gefallen. Die Aussicht auf die Berge und den See war einfach toll. Alle waren so freundlich und offen, ich habe mich die ganze Zeit rundum wohl gefühlt.“

Marharyta, 16 Jahre
Gastbeitrag Ferienprogramm Ukraine
Marharyta (16)

„Unsere Gastfamilie hat uns sofort das Gefühl gegeben, dazuzugehören. Ich bin sehr dankbar für diese Woche. Sie hat mir nicht nur eine andere Kultur gezeigt, sondern mir auch die Angst vor dem Englischsprechen genommen.“

Snizhana, 15 Jahre
Gastbeitrag Ferienprogramm Ukraine
Snizhana (15)

„Vorarlberg ist eine wunderschöne Region. Die Natur hier hat mich ein bisschen an zuhause erinnert. Die Woche war viel zu kurz, aber ich mochte diesen Ort und die Menschen hier von Anfang an. Sie waren so herzlich zu mir.“

Yuliia, 15 Jahre
Gastbeitrag Ferienprogramm Ukraine
Yuliia (15)

Zum Autor: Valentin Fetz schafft mit der NGO „Building Bridges“ Partnerschaften zwischen der Ukraine und verschiedenen Institutionen in der EU. In unregelmäßigen Gastbeiträgen für die NEUE am Sonntag teilt er Eindrücke aus seiner Arbeit. Der Bregenzer wohnt aktuell in der tschechischen Hauptstadt Prag.