Rinderhof im Unterland erneut im Visier des VGT: Amtstierärztin sieht “keine schwerwiegenden Verstöße”

Bildmaterial dokumentiert Rinder, die in Exkrementen stehen. Nach Überprüfung wurden Verbesserungsaufträge ausgesprochen, wichtige Kriterien seien aber erfüllt. Hof war bereits 2023 mit Verwaltungsstrafverfahren konfrontiert.
Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat erneut Anzeige gegen einen landwirtschaftlichen Betrieb im Raum Bregenz erstattet. Das bestätigte die Landeskommunikation. Dem Hof, der laut Pressestelle bereits in den vergangenen Jahren mit “wiederholten Tierschutzmeldungen von verschiedensten Stellen” und in weiterer Folge auch mit einem Verwaltungsstrafverfahren konfrontiert war, werfen die Tierschützer vor, an den im Sommer 2023 dokumentierten Missständen nichts verbessert zu haben.
“Rinder knöcheltief im Kot”
Wie der VGT am Mittwoch mitteilte, sei das Leben der auf dem Hof ansässigen Rinder auf “marode und verschmutzte Flächen” beschränkt. “Obwohl der Betrieb von Wiesenflächen umgeben ist, scheinen die Rinder keinen Zugang zu den Weiden zu erhalten. Stattdessen leben sie in extrem dreckigen und heruntergekommen Gebäuden. Der Boden ist bedeckt mit Fäkalien, teils bis zu den Knöcheln stehen die Rinder im Kot. Jungtiere und erwachsene Rinder müssen auf den feuchten, zugekoteten Flächen liegen”, heißt es in der Medienmitteilung. Dazu versendete die Tierschutzorganisation entsprechendes Bild- und Videomaterial von der Dokumentation der angeprangerten Missstände.

„Es ist zu erwarten, dass auch die Gesundheit der Tiere in so einer Haltung extrem leidet. Diese wiederholte, möglicherweise schon seit vielen Jahren bestehende, schwere Vernachlässigung passiert nicht über Nacht. Hier leiden Tiere immens. Und das unter den Augen der Behörden“, kritisierte Sandy P. Peng, VGT-Campaignerin in Vorarlberg. Die Tierschutzorganisation wirft den zuständigen Behörden vor, dass es so wirke, als würden diese die dokumentierten Zustände dulden.

Noch im Laufe des Tages wurden die zuständigen Behörden informiert und der Hof umgehend einer behördlichen Kontrolle unterzogen, wie die Landespressestelle in einer Aussendung erklärte. Die Amtstierärztin habe keine schwerwiegenden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor Ort festgestellt. “Zum Zeitpunkt der unangekündigten Kontrolle war Einstreu in ausreichender und trockener Form vorhanden. Es wurde kein Überbesatz an Tieren festgestellt”, heißt es. Allerdings wurden seitens der Amtstierärztin Verbesserungsaufträge ausgesprochen. Das Land kündigt weitere Nachkontrollen in den kommenden Wochen an.
Land sieht “zufriedenstellende Kontrollergebnisse”
In der Folge des Verwaltungsstrafverfahrens im Jahr 2023 habe man engmaschige Nachkontrollen durchgeführt. “Diese erfolgten halbjährlich mit jeweils zufriedenstellenden Kontrollergebnissen”, so die Landeskommunikation. Auf spezifische Nachfrage der NEUE erklärt die Pressestelle, das damalige Verwaltungsstrafverfahren unterstreiche, dass die damaligen Zustände von der Behörde nicht „geduldet“ worden seien.
Sandy P. Peng zeigt sich auf NEUE-Anfrage mit dem Ergebnis der behördlichen Kontrolle unzufrieden. “Es ist jetzt das zweite Mal, dass Fotos und Videos dokumentieren, dass die Tiere in den eigenen Exkrementen leben müssen. Menschen aus der Region melden laufend Missstände aus dem Betrieb. Schon 2023 hieß es, man hätte keine schwerwiegenden Verstöße vorgefunden – dennoch gab es ein Verwaltungsstrafverfahren. Nun leiden die Tiere immer noch. Die zuständige Behörde muss endlich durchgreifen, sodass die Tiere nicht mehr im eigenen Dreck leben müssen”, fordert die Tierschützerin. “Wir hoffen sehr, dass die Behörde den Fall ernst nimmt. Kein Mensch würde es in Ordnung finden, einen Hund in den eigenen Fäkalien hausen zu lassen. Wir wünschen uns diese Einstellung auch gegenüber Rindern”, so die VGT-Campaignerin.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)