“In der Hitze lässt die Konzentration nach”

Polier Ernst Müller schildert, wie Bauarbeiter mit den aktuellen Temperaturen umgehen und wie sich das Bewusstsein für Hitzeschutz in seiner Branche verändert hat.
Besonders von der aktuellen Hitzewelle sind jene Berufsgruppen, die im Freien arbeiten. Darunter ist auch Ernst Müller. Der 42-jährige Silbertaler ist Polier bei Jäger Bau. Aktuell arbeitet er am Bauprojekt „Rätikon Eins“ in Tschagguns und ist dort für 30 Personen verantwortlich.
Firma unterstützt Arbeiter
An der Arbeit in der Hitze hätten sich alle, die schon länger im Bauwesen tätig sind, inzwischen gewöhnt, schildert er im Gespräch mit der NEUE: „Wir gewöhnen uns an die Hitze besser als andere Leute. Natürlich setzt man auch viele Maßnahmen. Wir bekommen von der Firma Getränke, wenn es wirklich heiß ist. Zudem sind unsere Krane und Bagger klimatisiert.“ Weiters trage man auf der Baustelle dementsprechende Arbeitskleidung und Sonnenschutz.

Klettern die Temperaturen stark in die Höhe, gibt es auch die Möglichkeit der Arbeitszeitverschiebung: „Wenn es extrem ist, verlegen wir die Arbeitszeit in die frühen Morgenstunden. Das ist nicht immer und überall möglich“, verweist Müller auf rechtliche Vorgaben. Die letzte Option für die Bauarbeiter ist die Einstellung der Arbeit mit Schlechtwetterregelung. Grenzwert hierfür sei die Marke ab 32,5 Grad Celsius, erklärt Müller. „Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass man die Arbeit wegen der Hitze niederlegen muss. Aber ab diesem Wert bekommt man die Entschädigung. Vorher versucht man schon, alle anderen Maßnahmen auszuschöpfen, aber wenn die Arbeit nicht mehr möglich ist, haben wir das auch schon in Anspruch genommen“, führt der Polier aus. Hintergrund ist die neue Hitzeschutzverordnung, die mit 1. Jänner dieses Jahres in Kraft getreten ist.

Die Arbeitsniederlegung erfolge immer in Absprache mit der Firma, so Müller. „Wenn längerfristige Hitzeperioden anstehen unterhalten wir uns schon zwei bis drei Tage im Voraus, wie wir die Arbeit gestalten und ob wir gewisse Dinge auf einen späteren Zeitpunkt verlegen.“ Denn aus seiner Erfahrung weiß der Silbertaler, dass sich die Hitze auf die Arbeitsleistung auswirken kann: „Mit den hohen Temperaturen lässt die Konzentration nach. Das macht das Ganze nicht besser, sondern unsicherer.“ Die „optimale Temperatur“ für Bauarbeiten liegt laut dem 42-Jährigen zwischen 18 und 20 Grad Celsius.
Schulungen durch den Arbeitgeber
„Die schlimmste Zeit ist schon 25 Jahre her, da war ich noch Lehrling. Wir sind bei weit über 32 Grad in einer Baugrube gestanden, da gab es keine Möglichkeiten, hitzefrei zu machen“, schildert Müller ein Negativbeispiel. Inzwischen, betont der Polier, habe der Hitzeschutz einen deutlich höheren Stellenwert. „Wir haben jährlich eine Sicherheitsschulung, wo man sehr auf den Sonnenschutz und die richtige Kleidung im Sommer eingeht.“ Auch in Sachen Erste Hilfe werden die Mitarbeiter bei Jäger Bau geschult. Sollten aufgrund der Hitze gesundheitliche Beschwerden auf der Baustelle auftreten, kann also entsprechend gehandelt werden. In Müllers Laufbahn sei das aber noch nie vorgekommen, erzählt er.
„Die schlimmste Zeit ist schon 25 Jahre her, da war ich noch Lehrling. Wir sind bei weit über 32 Grad in einer Baugrube gestanden.“
Ernst Müller ist froh, dass der Hitzeschutz am Bau heute einen höheren Stellenwert hat.
Auf das „Rätikon“-Projekt wirkt sich die Hitze bis dato noch nicht auf den Zeitplan aus. „Wir erledigen alles, was in der prallen Sonne ist, am Vormittag. Die Baustelle in Tschagguns ist insofern gut, dass es sehr windig ist. Das nützt auch“, erklärt der Polier. Um wirklich in Verzug zu kommen, müsste die Hitzewelle deutlich länger andauern.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)