Vorarlberg

Wie ein 18-jähriger Lauteracher neben der Matura seine eigene App an den Start gebracht hat

25.06.2026 • 12:00 Uhr
Wie ein 18-jähriger Lauteracher neben der Matura seine eigene App an den Start gebracht hat
Stolz präsentiert Gabriel Battlog die App, an der er anderthalb Jahre lang gearbeitet hat. Klaus Hartinger (5)

Parallel zur Schulzeit arbeitete Gabriel Battlogg an seiner eigenen App “Starpolar”, die seit Anfang Juni zum Download verfügbar ist. Was sie kann und wie der junge Entwickler das in Eigenregie geschafft hat, erklärte er der NEUE.

Weit mehr als zwei Millionen Apps für jeden erdenklichen Lebensbereich stehen im Google Play Store und App Store zur Auswahl. Viele werden von riesigen Konzernen programmiert, wo ein ganzes Team wochenlang jede einzelne Funktion perfektioniert. Dass man nicht immer einen großen Konzern braucht, beweist Gabriel Battlogg. Seine App “Starpolar” hat der Lauteracher in seinem Kinderzimmer programmiert. Mit der NEUE sprach der 18-Jährige über sein Herzensprojekt, das er parallel zum Schulalltag und zur Matura beinahe im Alleingang auf die Beine stellte.

Eine App für alles

Erste Überlegungen für die App startete der Maturant bereits vor rund anderthalb Jahren: “Ich habe angefangen, ins Fitnessstudio zu gehen, auf meine Ernährung zu achten und generell mehr Planung in mein Leben zu bekommen. Dabei sind mir sehr viele Apps aufgefallen, die einzelne Bereiche gut abdecken, aber immer fehlten einzelne Aspekte.” So habe er etwa sein Fitness-Programm nicht auf seinen Ernährungsplan oder seinen Terminkalender abstimmen können. “Dazu kommt, dass man für die verschiedenen Apps jeweils immer ein Abo brauchte. Als Schüler kommt da schnell eine große Summe auf.”

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Gabriel Battlogg im Gespräch mit der NEUE.

Seine Idee: Eine App, die Fitness-Programm, Kalenderfunktion, Ernährung und Finanzen kombiniert: “Ich habe ich mir gedacht, es wäre doch cool, wenn das alles in einem System wäre. So, dass ich zum Beispiel meine Trainingspläne in den Kalender eintragen kann und meine Aufgaben rundherum planen, damit alles aufeinander abgestimmt ist.” Im März 2025 begann Battlogg, der zu dieser Zeit ein Jahr vor der Matura am Bundesgymnasium Blumenstraße in Bregenz stand, an seiner eigenen App zu arbeiten. “Ich habe mit der Konzipierung angefangen. Da ich kaum Vorerfahrung in der Entwicklung von Apps hatte, brachte ich mir alles mit YouTube-Videos und KI bei.” Auch kam ihm zugute, dass seine Schule genau zu dieser Zeit ein Informatik-Wahlpflichtfach mit einem Themenschwerpunkt auf App-Entwicklung anbot. “Dabei habe ich gelernt, wie wichtig die User-Experience ist: Eine App sollte nicht nur viele gut funktionierende Features haben, sondern auch angenehm zu bedienen sein. Gerade dahingehend bekam ich im Wahlpflichtfach einige Inspirationen, wie ich das bei meiner eigenen App noch verbessern könnte.”

Wie ein 18-jähriger Lauteracher neben der Matura seine eigene App an den Start gebracht hat
Der 18-Jährige brachte sich das Fachwissen für die Entwicklung einer App großteils selbst bei.

Battlogg nahm sich in dieser Zeit vor, jeden Tag nach der Erledigung seiner Schulaufgaben zumindest eine Stunde in die Weiterentwicklung von “Starpolar” zu investieren. Das trug seine Früchte: “Nach ein paar Monaten hatte ich ein System entwickelt und immer weiter verbessert. Diesen Jänner, als ich auch mein Gewerbe angemeldet habe, war ein Prototyp fertig, der alle Funktionen hatte, aber noch viel Feinschliff benötigte.” Erstmals teilte der junge Entwickler eine Beta-Version seiner App mit Familie und Kollegen, die ihn mit weiteren Verbesserungsvorschlägen unterstützten. “Ich wollte unbedingt ein fertiges Produkt, das gut funktioniert, an den Start bringen”, betont der 18-Jährige. “Einer der wichtigsten Punkte war für mich, dass die User darauf vertrauen können, dass ihre Daten sicher sind.”

Wie ein 18-jähriger Lauteracher neben der Matura seine eigene App an den Start gebracht hat
Wichtig war dem jungen Entwickler, ein fertiges Produkt ohne “Baustellen” auf den Markt zu bringen.

Am 1. Juni war es dann so weit: “Starpolar” ging online und ist seither im Google Play Store und App Store zum Download verfügbar. “Der Launch selbst war eigentlich nicht sehr spannend. Am Tag darauf hatte ich eine Vorbereitungsstunde, es war zwischen schriftlicher und mündlicher Matura. Ich wusste, dass ich um 8 Uhr aufstehen muss, bin aber extra bis Mitternacht wach geblieben, damit alles läuft”, schildert Battlogg und gesteht: “Das Gefühl war überwältigend, ‘Starpolar’ endlich fertig im App Store zu haben. Eineinhalb Jahre lang träumte ich davon, dass das passiert.”

Gratisvariante und kostenpflichtige Option

Die App selbst ist in zwei Versionen erhältlich: Die Gratisvariante liefert alle Funktionen, Ernährungsdaten oder Trainingspläne müssen aber selbst eingetragen werden. Die “Plus”-Variante ist kostenpflichtig (9,99 Euro monatlich) und bietet einen KI-Assistenten für Automatisierung und unlimitierte Nutzung der App-Funktionen. “Damit kann ich beispielsweise den Screenshot meines Trainingsplans hochladen und der Assistent verknüpft ihn mir automatisch mit meinem Kalender, ohne, dass ich das selbst eintragen muss”, erklärt Battlogg. Auf Werbeschaltung, betont er, habe er bewusst verzichtet.

Wie ein 18-jähriger Lauteracher neben der Matura seine eigene App an den Start gebracht hat
In Zukunft hofft Battlogg darauf, dass er sich eine eigene Community mit “Starpolar” aufbauen kann.

Für die Zukunft hat der 18-Jährige ambitionierte Pläne. Er träumt davon, mit seiner App eine “Community” aufzubauen. “User sollen den eigenen Fortschritt mit anderen teilen können, um sich gegenseitig zu motivieren”, erklärt er. Zudem möchte er “Starpolar” auch für den Desktop und für Smartwatches verfügbar machen. Nebenbei bietet er mit seinem eigenen Unternehmen auch anderen Entwicklern und Unternehmen an, sie etwa bei der Erstellung von Websites oder Online-Shops mit seinem Know-How zu unterstützen. Battlogg ist bei alldem wichtig, seinen eigenen Weg zu gehen – an großen Tech-CEOs wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg orientiert er sich nicht: “Meine Intention war nie, genauso zu werden wie der ein oder andere CEO, sondern einfach, mir selbst etwas aufzubauen.” Mit dem Launch von “Starpolar” ist ihm der erste große Schritt jedenfalls gelungen.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)