Vorarlberg

Vom LKH Bregenz an den Operationstisch in der Ukraine

06.08.2026 • 17:01 Uhr
Ärzte Austausch Ukraine
OP-Einsatz im Krankenhaus in Iwano-Frankiwsk. Fetz (5)

Ein Team des LKH Bregenz verbrachte eine Woche in den Krankenhäusern von Jaremtsche und Iwano-Frankiwsk und arbeitete dort Seite an Seite mit ukrainischen Kollegen, die ihren Alltag seit Jahren unter Kriegsbedingungen bestreiten.

Wöchentliche Züge mit verwundeten Militärangehörigen von der Front. Amputationen und Schussverletzungen als Routineeingriffe. Langfristige körperliche und psychische Behandlungen, die kein Ende absehen lassen. Was aus österreichischer Perspektive nach einem dystopischen Szenario klingt, ist in den Krankenhäusern der westlichen Ukraine seit mehr als vier Jahren bittere Realität.

Beide Seiten profitieren

Genau in diesen Alltag tauchte im Juli ein Team des LKH Bregenz ein. Spezialisten aus den Bereichen Chirurgie, Anästhesie und Intensivpflege durchliefen in den Krankenhäusern von Jaremtsche und Iwano-Frankiwsk ein intensives Arbeits- und Austauschprogramm, hautnah und ohne die Distanz des Beobachters. Sie erlebten, wie ihre ukrainischen Fachkolleginnen und -kollegen unter den Bedingungen begrenzter technologischer Mittel täglich Außergewöhnliches leisten. Sie führten Fachgespräche mit Ärztinnen, Ärzten und Pflegepersonal, trafen Veteraninnen und Veteranen, die durch den Krieg schwere Verletzungen erlitten oder Extremitäten verloren haben und brachten dabei selbst etwas mit, das gefragt war: ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Perspektive aus einem Land, das über andere Methoden und Möglichkeiten verfügt.

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Diagnostischer Erfahrungsaustausch an reellen Patienten.

Doch der Austausch verlief in beide Richtungen. Die ukrainischen Kolleginnen und Kollegen arbeiten unter Bedingungen, die in Österreich undenkbar wären, und haben dabei Lösungen entwickelt, die auch für westliche Medizinerinnen und Mediziner lehrreich sind. Was die Bregenzer Spezialisten aus dieser Woche mitnehmen, ist mehr als ein Einblick in eine fremde Realität. Es ist ein neues Verständnis dafür, was Medizin leisten kann, wenn sie muss.

Hilfsgüterlieferungen als Grundlage für Partnerschaft

Den formellen Rahmen der Reise bildete die offizielle Verkündigung der Krankenhauspartnerschaft zwischen dem LKH Bregenz und dem Stadtspital Jaremtsche. Im April 2026 war die Partnerschaft bereits in Bregenz öffentlich bekannt gemacht worden, nun wurde sie auch auf ukrainischer Seite feierlich verkündet und damit auf beiden Seiten offiziell verankert. Informell besteht die Zusammenarbeit jedoch bereits seit November 2024.

Ärzte Austausch Ukraine
Besprechung zur Partnerschaftsvereinbarung im Krankenhaus von Jaremtsche.

Damals verließ der erste medizinische Hilfstransport der Stadt Bregenz und der Vorarlberger Landeskrankenhäuser die Landeshauptstadt in Richtung Jaremtsche. Viele weitere sollten folgen. Insgesamt wurden seither über 140 Tonnen medizinisches Material geliefert, wobei jedes Mal akribisch darauf geachtet wird, dass die Hilfsgüter auch wirklich ihren Zweck erfüllen. Pflegebetten und Operationstechnik, die aufgrund österreichischer Bestimmungen aus dem Dienst ausgemustert werden müssen, leisten in der Ukraine noch vollen Einsatz und retten dort Menschenleben.

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Auf der Intensivstation des Krankenhauses Jaremtsche sind bereits Betten und Geräte aus dem LKH Bregenz im Einsatz.

Organisiert und begleitet wurde die Reise von der gemeinnützigen Organisation Building Bridges, in enger Kooperation mit den Vorarlberger Landeskrankenhäusern sowie dem österreichischen Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und den Außenministerien beider Länder.

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Ein zweisprachiges Schild in Jaremtsche zeigt die Partnerschaft der beiden Krankenhäuser.

Die Delegation ist zurück in Österreich. Die Zusammenarbeit geht weiter, weil die Erkenntnis, die diese Woche hinterlässt, keine Frage der Geographie ist: Die Gesundheit von Menschen kennt keine Grenzen.

Zum Autor: Valentin Fetz schafft mit der NGO „Building Bridges“ Partnerschaften zwischen der Ukraine und verschiedenen Institutionen in der EU. In Gastbeiträgen für die NEUE teilt er in unregelmäßigem Abstand Eindrücke aus seiner Arbeit. Der Bregenzer wohnt aktuell in der tschechischen Hauptstadt Prag.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)