Wirtschaft

Sozialpartner in Hochform

22.10.2020 • 13:31 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
KV-VERHANDLUNGEN IM HANDEL: TREFELIK/PALKOVICH
KV-VERHANDLUNGEN IM HANDEL: TREFELIK/PALKOVICH (c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Handel: Am ersten Verhandlungstag KV-Einigung gelungen.

Nach den Metallern haben auch die Sozialpartner im Handel eine historisch rasche Einigung auf einen neuen Kollektivvertrag zustandegebracht. Die Gehälter für die knapp 420.000 Handelsangestellten und rund 18.000 Lehrlinge steigen im Schnitt um 1,5 Prozent, hinzukommen einige Änderungen im Rahmenrecht sowie eine Art Empfehlung für die Auszahlung einer Corona-Prämie.

Die Sozialpartner stellen damit branchenübergreifend unter Beweis, dass mit ihnen in schwierigen Zeiten zu rechnen ist. Es ist noch nicht so lange her, da wurde dieser lösungsorientierte Zugang schmerzlich vermisst, die Sozialpartnerschaft fiel mitunter eher durch Unbeweglichkeit auf, doch in der Krise läuft sie nun zur Hochform auf. Man muss sich jetzt nicht Illusion hingeben, dass derartige Blitzabschlüsse bei Lohn- und Gehaltsrunden zur „neuen Normalität“ werden. Aber in Krisenzeiten ist es ein starkes Zeichen, wenn Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter konstruktive Einigkeit demonstrieren.

Gerade in der äußerst heterogenen Handelsbranche, in der sich Krisengewinner ebenso finden wie Betriebe, die nach dem harten Lockdown und der Konsumzurückhaltung nach wie vor um ihre Existenz kämpfen, war das nicht selbstverständlich. „Die Erwartungen an die Sozialpartner waren noch nie so groß und vielleicht noch nie so gegensätzlich“, ließ Arbeitnehmer-Chefverhandlerin Anita Palkovich von der GPA-djp noch zu Verhandlungsbeginn wissen. Elf Stunden später konnte man dennoch einen Kompromiss präsentieren.

Dieser enormen Spannweite wurde auch in Sachen „Corona-Prämie“ Rechnung getragen. Zwar hätten sich alle Handelsangestellten einen solchen Zuschuss verdient, dieser ist derzeit aber nicht von allen Branchenakteuren stemmbar. Es zeugt daher ebenfalls von Weitsicht, dass die Corona-Prämie nicht verpflichtend in den Kollektivvertrag aufgenommen wurde.

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