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Doku „Mariupolis“: Ein letzter Gruß an Mariupol

05.05.2022 • 14:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Ausschnitte aus „Mariupolis“: Zwischen Tanzproben und Raketenbeschuss lernten die Bewohner 2015 mit der Angst zu leben
Ausschnitte aus „Mariupolis“: Zwischen Tanzproben und Raketenbeschuss lernten die Bewohner 2015 mit der Angst zu leben Verleih/Arte

Anfang April starb Filmemacher Mantas Kvedaravicius in der umkämpften Stadt.

Womit soll man anfangen? Mit der ukrainischen Fahne, die im diffusen Licht des anbrechenden Abends sanft im Wind weht, während im Fenster dahinter die Silhouetten tanzender Frauen zu erkennen sind? Idyllisch. Oder doch lieber andersherum: Eine junge Frau, die in der Frühlingssonne energisch eine Waffe zerlegt und putzt, eingehüllt in eine akustische Wolke aus nahem Vogelgezwitscher und fernem Gefechtslärm.
Die ukrainische Stadt Mariupol im Jahr 2015. Seit dem September verläuft zehn Kilometer östlich der Stadt die Front zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischer Armee. Im Jänner starben beim Beschuss von Wohngebieten 31 Menschen. Das Wort Waffenruhe existiert nur auf dem Papier, die Menschen hier leben in einer Art Zwischenwelt aus permanenter Bedrohung und Alltag. Das ist der rote Faden, den der litauische Filmemacher Mantas Kvedaravicius hier 2015 gesucht und gefunden hat: „Mariupolis“, zu sehen in der Arte-Mediathek, nennt sich sein Film, der 2016 auf der Berlinale Premiere feierte.

Heute liegt Mariupol zu 90 Prozent in Trümmern und ist das Sinnbild für die Zerstörungswut des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Am 2. April wurde auch Mantas Kvedaravicius dort erschossen – die Kamera in seiner Hand, hieß es. Der 45-jährige Litauer wollte seinem Film „Mariupolis“ ein weiteres Kapitel hinzufügen.

Starb Anfang April in Mariupol: Regisseur Mantas Kvedaravicius
Starb Anfang April in Mariupol: Regisseur Mantas KvedaraviciusImago