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20 Jahre Begabtenförderung zur Aufgabe gemacht

09.09.2025 • 14:14 Uhr
20 Jahre Begabtenförderung zur Aufgabe gemacht
Ein Podium von besonders Begabten stellte sich in der Diskussion auch den kritischen Fragen und bekam viel Applaus.Bereuter

Vergangenen Donnerstag gab es im Bundesgymnasium Dornbirn einen Festakt des Vereines „Initiative Begabung“ zum 20-jährigen Bestehen.

Von Kurt Bereuter
neue-redaktion@neue.at

Durch den Abend führte die Gründerin des Vereines, Verena Chlumetzky-Schmid, die dem Verein seit 20 Jahren vorsteht. Sie war bis zuletzt als Volksschullehrerin tätig und bis zu ihrer Pensionierung auch in der Vorarlberger Bildungsdirektion für die Hochbegabten Anlauf- und Beratungsstelle. Eine Herzensangelegenheit war ihr jener Teil der Bildungsarbeit, in der es um das Auffinden und Fördern von Begabungen geht, eben bis zur Begleitung von Hochbegabten.

Geschichte und Notwendigkeit?

Vor zwanzig Jahren habe es im Land Vorarlberg noch nichts gegeben, um Begabungen frühzeitig zu entdecken und zu fördern, erklärte Chlumetzky-Schmid. Am Anfang sei die Hoffnung gestanden, nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht, zitierte sie Vaclav Havel. „Begabungs- und Begabtenförderung kommt allen zugute“, zeigte sie sich überzeugt. Deshalb hätten sie vor zwanzig Jahren mit Eltern diesen Verein gegründet, dessen Arbeit sie auch in der Bildungsdirektion mitleisten konnte. In Anwesenheit der zuständigen Landesrätin Barbara Schöbi-Fink verlieh sie deshalb ihrer Hoffnung Ausdruck, dass auch in Zukunft in der Bildungsdirektion jemand für die Nachfolge im Verein gefunden werde, damit diese wichtige Arbeit gut weitergehen könne.

Die Sommerakademie

Grundstein der Begabtenförderung sind die Sommerakademien, in denen jedes Jahr 200 Teilnehmende in 24 Kursen in einem fördernden Setting an und mit ihren Interessen forschen können. Begleitet jeweils von Experten aus Schulen oder Universitäten. Das Motto „Entdecke deine Interessen – entfalte dein Potential“ wird in Bereichen von der Astronomie über Kunstgeschichte bis zur Philosophie gelebt, vom Kugelbahnbau bis zur Quantenphysik. Die jüngste Gruppe waren Vierjährige, das Angebot richtet sich bis zu Maturanten in allen Schultypen. Für eine Gruppe öffnete sich sogar das Landeskrankenhaus Feldkirch und eine Ordination für einen Kurs, um auch das medizinische Interesse zu wecken und zu fördern.

20 Jahre Begabtenförderung zur Aufgabe gemacht
Verena Chlumetzky-Schmid ist Gründerin des Vereins „Initiative Begabung“.

Darunter wird eine Begleitung in Modulen über ein ganzes Jahr verstanden, im dem begabte Schülerinnen und Schüler von Experten begleitet werden, um an ihren Begabungen zu arbeiten und diese mit einer Begleitung weiter und besser entwickeln zu können. Hier würden „Gleise gelegt“ für einen Ausbildungsweg bis zur Universitätsbildung der Begabten.

Philosophicum Lech

Mit dem Philosophicum Lech gibt es eine Kooperation, die es jungen Menschen ermöglicht, jedes Jahr einen Tag in Lech mitzuerleben und ihr Denken zu schulen. Dabei betonte Stephan Schmid als Betreuer, dass es in der Begabtenförderung um Höchstleistungen gehen könne, aber nicht müsse.

Am Schluss der Veranstaltung stellten sich fünf junge Menschen, von Chlumetzky-Schmid auch als „Vorzeigemenschen“ bezeichnet, mit einer besonderen Begabung auf dem Podium dem Thema und zeigten sich durchaus selbstkritisch. Sie erzählten von ihrem eigenen Weg, bei dem die Sommerakademie der Grundstein war. Anny-Marleen Hißbach hat ihr Masterstudium im Bereich der Informatik hinter sich, war an der Astronomie interessiert und habe durch die Begabtenförderung nun ihren Traumjob gefunden. Sie programmiert Software für Planetarien. In den Sommerakademien sei ihre Faszination für und am Lernen geweckt und gefördert worden.

20 Jahre Begabtenförderung zur Aufgabe gemacht
Monika Steurer ist die Pädagogische Leiterin der Bildungsdirektion Vorarlberg.

Soziale Herausforderungen

Es gebe schon auch Vorurteile gegen (Hoch-)Begabte, dass man sich entschuldigen müsse, für das leichte Lernen, allerdings eher in der Schule, denn im Studium. Aber sie erzählten auch, dass sie kaum lernen mussten, dafür aber anderen beim Lernen behilflich waren und so mitlernten. Von den Begabungen würden so alle profitieren, nicht nur die Begabten, sondern auch die Mitschüler und letztlich auch die Gesellschaft, wenn deren Potenziale genutzt würden. So schloss Samuel Benvenuti, Absolvent der HAK Feldkirch, mit einem Bibelzitat: „Dient einander, jeder mit der Gabe, die er bekommen hat“, und erntete viel Applaus. Dass der Humor auch nicht zu kurz kommt, bewies Leonhard Rammerstorfer, als er meinte, dass er jetzt mal Pause mache, um keinen Systemausfall zu riskieren und erntete dafür ebenfalls großen Applaus.

Vermutung auf (Hoch-)Begabung

Oft seien es Eltern, die bei ihren Kindern eine (Hoch-)Begabung entdecken oder vermuten. Wenn sich Kinder in der Schule besonders leichttun oder sogar im Unterricht sich langweilen, könnten das Anzeichen einer Unterforderung sein, die auch das soziale Verhalten beeinflussen könnte. Umso wichtiger sei es, diese Begabungen möglichst früh zu entdecken, möglichst früh zu fördern und die Kinder auf ihrem Weg zur Potenzialentfaltung gut zu begleiten. Erste Ansprechperson könnten immer die Lehrpersonen sein, aber eben auch der Verein „Initiative-Begabung“. Für viele war eben auch die Sommerakademie ein niederschwelliger Einstieg in die Welt der Begabtenförderung, der allen Kindern vom Kindergarten bis zur Matura und allen Schultypen offenstehe.

Initiative Begabung

Der Verein Initiative Begabung ist die Einrichtung zur Förderung von begabten,
interessierten und talentierten Kindern und Jugendlichen in Vorarlberg.

Mehr Informationen unter:
www.initiative-begabung.eu