Hier wird die Urne zum Kokon

Bianca Wiedner eröffnete mit Anfang 2026 ihr Studio in Bregenz für individuelle Abschiedsobjekte.
Der Raum wirkt ruhig, hell, beinahe leicht. Und doch geht es hier um eines der schwersten Themen überhaupt: das Lebensende. In ihrem neuen Studio in Bregenz gestaltet Bianca Wiedner Urnen oder, wie sie sie lieber nennt, „Kokons“. Es sind handbemalte Einzelstücke, gedacht als letzte Heimat für einen Menschen. Persönlich, farbig, manchmal kantig, immer individuell.
Wiedner versteht ihre Arbeit nicht als Produkt, sondern als Teil eines Abschiedsprozesses, der Raum für Gefühle lässt.

Der Weg war kein geradliniger.
Die gelernte Designerin arbeitete viele Jahre in Agenturen, im Grafik- und Marketingbereich. Gestaltung war immer da, doch mit der Zeit wuchs das Bedürfnis nach mehr Sinnhaftigkeit. „Design, Kommunikation, Marketing – das wird oft stark aufs Kommerzielle reduziert“, sagt Wiedner. Ihr Wunsch war es, Gestaltung wieder näher an den Menschen zu bringen. An Emotionen und an die Geschichten des Lebens.

Wiedner möchte in ihrer Arbeit Erinnerungen sichtbar machen, etwas mitgestalten, um den Trauerprozess für Angehörige zu erleichtern. Dazu arbeitet die 40-Jährige mit mehreren Bestattern und Privatpersonen in Vorarlberg zusammen, unter anderem in Bregenz, Hard und Lustenau.

Jedes Stück ist Handarbeit
Die Kokons werden wie Leinwände behandelt, bemalt, geschichtet, manchmal bewusst roh gelassen. Keine gleicht der anderen. Manche wirken zurückhaltend, andere provozieren, stoßen an, regen zum Nachdenken an.

Die Bregenzerin lässt diese Offenheit bewusst zu. Kunst, besonders in einem so persönlichen Bereich, dürfe unterschiedlich gelesen werden. Wichtig ist für die Künstlerin auch, nur mit vergänglichen Materialien zu arbeiten. Somit sind die Kokons auch für die Waldbestattung geeignet, sprich biologisch abbaubar. Neben klassischen Urnen gestaltet sie auch kleinere Gedenkobjekte, etwa für eine Teilasche oder als Erinnerungslicht für zuhause. Auch diese Arbeiten folgen keinem festen Schema. Sie entstehen im Gespräch, im gemeinsamen Annähern. Wichtig ist ihr dabei, dass es einen klar strukturierten Ablauf gibt, der niemanden überfordert.

Dass der Umgang mit Tod und Trauer im Wandel ist, spürt Wiedner deutlich. Waldbestattungen, individuelle Rituale, bewusste Vorbereitung – viele Menschen setzen sich heute früher mit dem Lebensende auseinander.
Für sie ist das kein Zeichen von Schwere, sondern von Verantwortung. „Ich mache kein Geschäft mit dem Tod“, betont sie. „Ich gestalte für das Leben.“
Persönlich
Ihr Ziel sei es, einen würdevollen, menschlichen Umgang mit Abschied zu ermöglichen – ohne Pathos und ohne Verdrängung. Ihrer Ansicht nach ist es wichtig, Abschied nicht zu verdrängen, sondern ihn als Teil des Lebens zu begreifen und bewusst zu gestalten. Darin sieht sie den Kern ihrer Arbeit: nicht für den Tod zu gestalten, sondern für die Erinnerung an das Leben, das gelebt wurde.
Zur Person
Bianca Wiedner
40 Jahre alt
aus Bregenz
www.kokondesign.studio
info@kokondesign.studio