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Drogen übernehmen immer öfters das Steuer

12.01.2026 • 18:37 Uhr
Drogen übernehmen immer öfters das Steuer
Bei einem Mann wurden gleich drei unterschiedliche Substanzen festgestellt. Zudem waren auch drei Kinder bei ihm im Auto. Steurer

Die Schwerpunktkontrollen am Wochenende führten zu fast 30 Anzeigen und machten einmal mehr deutlich, wie ernst das Problem von Drogen- und Alkoholkonsum am Steuer ist.

Fehlende Führerscheine, gefälschte Kennzeichen, eine Tüte Kokain, die sich als Zucker herausstellte: Die Schwerpunktkontrollen am vergangenen Wochenende in den Bezirken, Bregenz, Dornbirn und Feldkirch boten allerhand Gesprächsstoff, wie die Zahlen rechts nochmals unterstreichen. Besonders stach dabei die Geschichte eines Autofahrers hervor: ein positiver Test auf gleich drei unterschiedliche psychoaktive Substanzen. Doch damit nicht genug – zugleich befanden sich drei Kinder im Alter von laut Polizei etwa fünf bis zehn Jahren mit dem 40-jährigen Mann im Auto.

Drogen übernehmen immer öfters das Steuer
Die letzte Schwerpunktkontrolle gegen Drogen und Alkohol am Steuer fand vergangenes Wochenende statt. Steurer

Der Fall ist ebenso eindrücklich wie rechtlich komplex. Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat der NEUE hierzu die juristischen Hintergründe erklärt.

Rechtliche Folgen

Dabei sind verschiedene Faktoren maßgeblich. Handelt es sich um ein Erstdelikt umfassen die Folgen laut Pfanner demnach: „Es erfolgt der Entzug der Lenkberechtigung für einen Monat sowie 800 bis 3700 Euro Strafe. Hinzu kommt noch die Absolvierung eines Verkehrscoachings, Nachweis über ein positives amtsärztliches Gutachten, eine verkehrspsychologische und eine fachärztliche Stellungnahme.“
Bei einem Unfall ist die Situation drastischer, in dem Fall erfolgt der Entzug der Lenkberechtigung für mindestens drei Monate.
Bei dem Mann mit den drei Substanzen im Blut sowie drei Kindern im Auto kommen laut Pfanner auch eventuell pflegschaftsrechtliche Maßnahmen hinzu.
Dabei macht es einen Unterschied, ob es sich um eigene oder fremde Kinder handelt, da solch ein Fall sogar bis zu einem Verlust der Obsorge führen kann.

Bregenz am 10.6.2021 Bregenz am 10.6.2021, APA KFV Kuratorium f
Martin Pfanner des KFV. Kuratorium für Verkehrssicherheit

29 Lenkerinnen und Lenker waren bei den Schwerpunktkontrollen am vergangenen Wochenende insgesamt durch Suchtmittel oder Alkohol beeinträchtigt.
Ein Blick auf die österreichweiten Statistiken der letzten Jahre zeigt: Die Entwicklung und Aufarbeitung von Drogendelikten weist deutlich mehr Facetten auf. Dementsprechend weisen die Dunkelfeldstudien des KFV darauf hin, dass die Anzahl der Drogenlenker in Österreich jährlich steigt. Allein zwischen 2017 und 2024 erhöhte sich die Zahl von 177.000 auf 265.000, das entspricht rund 50 Prozent mehr Fällen in nur sieben Jahren. Auffallend ist allerdings die zwischenzeitliche Verringerung bei den angezeigten Drogendelikten: So gab es im Jahr 2024 mit 8227 insgesamt 449 Anzeigen weniger als 2023 (8676). Die erste Hälfte des Jahres 2025 zeigte im Vergleich zum selben Zeitraum 2024 jedoch wieder einen leichten Anstieg. Zugleich sind die Anzeigen im Zusammenhang mit Alkohol rückläufig.

Drogen übernehmen immer öfters das Steuer
Die Kontrollen fanden in den Bezirken Feldkirch, Bregenz und Dornbirn statt. Steurer

Null Toleranz

„Besonders Cannabis ist bei uns immer wieder Thema“, erklärt Andreas Prenn, Leiter der Suchtprävention Vorarlberg. Bei Alkohol sei die Frage der Fahrtüchtigkeit schnell geklärt, da es sich um eine wasserlösliche Substanz handle und sich die Beeinträchtigung mittels Blasröhrchen beim Alkomaten einfach nachweisen lasse.
Bei Marihuana sei der psychoaktive Inhaltsstoff THC jedoch bis zu 30 Tage oder sogar länger in der Urinprobe nachweisbar, lange nachdem keine Beeinträchtigung durch die Substanz mehr vorliege. Prenn betont dazu: „Besonders als Vater ist mir wichtig, dass andere Straßenverkehrsteilnehmer nicht unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen stehen. Dennoch stellt sich mir die Sinnhaftigkeit der Nulltoleranz bei THC infrage, wenn seit Tagen oder sogar Wochen keine Beeinträchtigung mehr vorliegt.“ Ein wachsendes Problem sieht Prenn auch im Mischkonsum. Dieser nehme seit Jahren allgemein zu und damit auch im Straßenverkehr. Die Polizei weist darauf hin, dass insbesondere Cannabis und Kokain bei Drogenkontrollen zunehmend häufiger bei Drogenkontrollen als Mischkonsum festgestellt werden.

Andreas Prenn
Andreas Prenn von der SUPRO. Mauche