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Haus mit Geschichte in neuem Gewand und neuer Gastro

24.01.2026 • 11:30 Uhr
Haus mit Geschichte in neuem Gewand und neuer Gastro
Die Bauarbeiten sind weit fortgeschritten. Hartinger

Mit dem Einzug des traditionsreichen Bella Napoli kehrt bald wieder Leben in den neu errichteten Vorarlberger Hof in Dornbirn zurück. Die Bauarbeiten sind weit fortgeschritten, die NEUE am Sonntag machte sich vor Ort ein Bild.

Wo vor zwei Jahren noch das legendäre Gasthaus Vorarlberger Hof beziehungsweise Parkplatzflächen standen, wächst derzeit ein markantes innerstädtisches Bauprojekt in der Viehmarktstraße, an den Ecken der Eisengasse und Stadtstraße, heran. Die NEUE am Sonntag war gemeinsam mit Thomas Niedermair, Obmann des Vereins Arbeiterheim Dornbirn, und Vorstandsmitglied Dominik Steinwidder zu einem Augenschein auf der weit fortgeschrittenen Baustelle vor Ort.

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Verein Arbeiterheim Dornbirn: Dominik Steinwidder (l.) und Thomas Niedermair. Stiplovsek


Der Vorarlberger Hof blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Vor 124 Jahren wurde der Verein Arbeiterheim gegründet, um der jungen Sozialdemokratie in Dornbirn eine sichere Heimstätte zu bieten. 1919 erwarb der Verein Arbeiterheim Dornbirn das Gebäude von der Genossenschaft der Vereinigten Schreiner. Über Jahrzehnte war der Vorarlberger Hof nicht nur Gasthaus, sondern organisatorisches Zentrum der Vorarlberger Sozialdemokratie und bis in die 1990er-Jahre Sitz der Landesorganisation.

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Augenschein: Thomas Niedermair führte die NEUE am Sonntag durch das Gebäude. Stiplovsek

Zahn der Zeit nagte

„Unsere Vorgänger im Verein Arbeiterheim haben das Gebäude nach bestem Wissen und den wirtschaftlichen Möglichkeiten entsprechend saniert, umgebaut und erhalten“, betont Thomas Niedermair. Doch zuletzt war klar: Der Zahn der Zeit hatte zu stark genagt. „Von außen sah das Gebäude sehr gepflegt aus, aber es war über 100 Jahre alt, und es gab viele Baustellen. Außerdem fehlte ein Lift“, sagt er. Eine weitere Sanierung sei wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll gewesen.

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Der Entschluss zum Neubau fiel nicht über Nacht. „Da sind mehrere Dinge zusammengekommen“, erklärt der Obmann. „Unser Nachbar wollte sein Grundstück bebauen, gleichzeitig stand unser langjähriger Gasthaus-Pächter kurz vor der Pension. Wir hätten also ohnehin einen neuen Gastronomen gesucht. Das hat uns dazu gebracht, grundsätzlich über die Zukunft des Hauses nachzudenken.“ Die Entscheidung für ein gemeinsames Projekt mit der E4 Investment GmbH erwies sich als Glücksgriff. „Wir haben tolle Synergien gefunden. Viele Dinge konnten gemeinsam umgesetzt werden, was natürlich auch die Baukosten senkt“, so Niedermair, der seitens des Vereins auch Projektleiter für den Neubau ist. Für beide Bauherren, den Verein Arbeiterheim und die E4 Investment GmbH, ist die STC Development für die Projektsteuerung und örtliche Bauaufsicht verantwortlich. „Die Abstimmung funktioniert sehr gut.“

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Vereinbarung mit der Stadt

Ein weiterer Vorteil ist die zentrale Lage. „Das Grundstück hatte immer einen hohen Wert, dadurch war das Projekt auch für die Banken machbar“, berichtet Niedermair. Hinzu kommt eine Vereinbarung mit der Stadt Dornbirn aus dem Jahr 2001: Weil der Verein Flächen für die Stadtgarage zur Verfügung stellte, gibt es im Gegenzug eine Tiefgaragenzufahrt. „Das erspart uns eigene Rampen, was ein riesiger Vorteil ist.“

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Inhaltlich bleibt der Neubau seinen Wurzeln treu. „Unsere Statuten sehen drei Dinge vor: einen Saal, ein Restaurant und Wohnungen. Genau das erfüllen wir auch mit dem Neubau“, erklärt Niedermair. Diese Grundidee reiche bis zur Gründung des Vereins zurück. „Damals brauchten Arbeiter einen Ort für Austausch, Versammlungen und Gastronomie – das Gasthaus war quasi das Google von früher.“

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Erhalten und weiterentwickeln

Auch Büros sind wieder vorgesehen. „Büros gab es immer schon, für den Pensionistenverband oder andere Organisationen. Diese Tradition führen wir fort“, sagt Niedermair. Die Dornbirner SPÖ wird ebenfalls wieder im Haus vertreten sein. Ob die SPÖ-Landesstelle in Zukunft von Bregenz nach Dornbirn übersiedelt, sei hingegen offen. „Unser Ziel war nie, das Haus zu verkaufen, sondern es zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ Selbst architektonisch wird der Bogen zur Vergangenheit geschlagen: „Die Fassade erinnert bewusst an den alten Vorarlberger Hof.“

Brigitte Eggler-Bargehr
Das Bella Napoli übersiedelt von der Schillerstraße in die Viehmarktstraße in den Vorarlberger Hof. vol.at

Bella Napoli zieht ein

Ein größers Thema war lange die künftige Gastronomie. Diese wurde öffentlich ausgeschrieben. „Daraufhin hat sich Adriano Leonardi, der Betreiber des Lokals Bella Napoli, bei uns gemeldet“, erzählt Niedermair. Die Familie betreibt die Pizzeria seit fast 40 Jahren in der Dornbirner Schillerstraße. „Eine echte Institution.“ Geplant ist die Eröffnung in den neuen Räumlichkeiten Anfang Juli. Der traditionsreiche Name bleibt erhalten. „Der Name Vorarlberger Hof ist als Wort-Bild-Marke europaweit geschützt“, führt Dominik Steinwidder aus. „Es ist nicht nur eine Gaststätte, sondern ein historisches Haus. Künftig heißt es: Bella Napoli im Vorarlberger Hof.“

Veranstaltungsraum im fünften Obergeschoss

Neben dem Gastrobereich im Erdgeschoss bietet das Objekt des Vereins Arbeiterheim im Mitteltrakt vom ersten bis zum vierten Obergeschoss Wohnungen sowie im Büroturm, der zur Stadtstraße ausgerichtet ist, vom ersten bis zum vierten Obergeschoss Büros. Im fünften Obergeschoss entsteht ein moderner Veranstaltungssaal für rund 60 Personen. „Technisch voll ausgestattet, geeignet für Meetings, Schulungen oder kleinere Veranstaltungen“, so Niedermair. Der Saal soll grundsätzlich allen offenstehen, die organisatorische Abwicklung voraussichtlich extern erfolgen. Ein zentrales Anliegen war den Verantwortlichen des Vereins beim Neubau die Barrierefreiheit. „Das war uns extrem wichtig. Barrierefreie Zugänge zu Wohnungen, Büros, Lift und Stadtgarage – alles ist auf dem neuesten Stand.“

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Dominik Steinwidder und Thomas Niedermair. Stiplovsek

Solide finanzieren

Finanziell stemmt der Verein das Projekt mit Augenmaß und guter Kalkulation. „Wir haben rund 2200 Quadratmeter Nutzfläche, die vermietet werden. Die Mieteinnahmen decken die Rückzahlungen“, erklärt Niedermair. Eine Rendite sei nicht das Ziel. „Wir wollen das Projekt solide finanzieren.“ Die Bausumme liegt bei rund zehn Millionen Euro netto. „Für einen Bau dieser Qualität mit Tiefgarage, Vollbeton und modernster Technik ist das ein sehr guter Quadratmeterpreis.“


Beim gemeinsamen Rundgang mit der NEUE am Sonntag durch das Gebäude wird deutlich: Der Neubau ist weit fortgeschritten. Wehmut über den Abriss des alten Hauses 2024 bleibt, doch sie weicht zunehmend der Zuversicht. „Das Haus war ein Zeitzeuge“, sagt Niedermair. „Aber wenn man sieht, was jetzt entsteht – barrierefrei, modern, zukunftsfähig –, überwiegt die Vorfreude. Das ist ein Gebäude für die nächsten Jahrzehnte.“

Fertigstellung im Juli

Die Fertigstellung des Bauteils des Vereins ist für Juli 2026 geplant. Und eine Eröffnungsfeier? „Ganz sicher, wir hatten auch eine Abrissparty und Firstfeier“, sagen Niedermair und Steinwidder mit einem Lächeln. „Idealerweise gemeinsam mit der Eröffnung des Bella Napoli. Synergien nutzen wir ja gerne.“

Erstes Geschäft öffnet im Frühjahr

Insgesamt umfasst das Projekt in der Dornbirner Innenstadt rund 6320 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Die E4 Investment GmbH realisiert ihr Vorhaben auf dem ehemaligen Parkplatz mit Handelsflächen im Erdgeschoss, Büros im ersten Obergeschoss sowie Wohnungen in den beiden darüberliegenden Etagen. Der Verein Arbeiterheim Dornbirn errichtet auf dem Areal des abgerissenen Vorarlberger Hofs ein Gebäude mit Gastronomie im Erdgeschoss, Wohnungen im Mitteltrakt, Büroflächen im Büroturm sowie einem Veranstaltungssaal im fünften Obergeschoss.

Hanno Bohle
STC Development: Hanno Bohle, Leiter Niederlassung Vorarlberg. stc


Trotz unterschiedlicher Eigentümer arbeiten die Projektträger eng zusammen. STC Development ist in der Rolle des gemeinsamen Projektmanagers und „sorgt für eine klare Struktur, transparente Entscheidungsprozesse und eine laufende Abstimmung zwischen den Auftraggebern“, berichtet Hanno Bohle, Leiter der STC-Niederlassung Vorarlberg. „Die Zusammenarbeit ist von großem Vertrauen und Offenheit geprägt. Alle Beteiligten ziehen an einem Strang.“ Die gemeinsame Planung ermögliche nicht nur bauliche, sondern auch wirtschaftliche Synergien durch geteilte Erschließungs- und Infrastrukturbereiche. Unterschiedliche Perspektiven führten zudem zu fundierteren Entscheidungen und einer höheren Projektqualität.

In der Eisengasse laufen bereits die Vorbereitungen für die Eröffnung des Textilwarengeschäfts „Max und Stella“ im Frühjahr. In allen 27 Wohnungen – zwölf in der Eisengasse und 15 in der Viehmarktstraße – hat der Innenausbau begonnen. Auch Gastronomie- und Büroflächen werden aktuelll ausgebaut, berichtet Bohle. Als nächste Schritte stehen die Fertigstellung der Gewerbeeinheit im Erdgeschoss sowie der weitere Wohnungsbau an. Bohle: „Vorbehaltlich etwaiger Projektänderungen ist die Gesamtfertigstellung für Ende des zweiten Quartals 2026 vorgesehen.“