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Mehr Sicherheit auf dem Eis mit Tipps vom Eishockey-Profi

HEUTE • 12:01 Uhr
Mehr Sicherheit auf dem Eis mit Tipps vom Eishockey-Profi
Stefan Ulmer ist trainiert die Kleinsten bei im Eishockey: Mit seinen Tipps ist man sicher auf dem Eis unterwegs. Hartinger (2)

Eislaufen ist im Ländle beliebt, bringt aber auch Verletzungsrisiken mit sich. Der Dornbirner Ex-Eishockey-Profi und heutige Eishockey-Trainer Stefan Ulmer (35) erklärt, welche typischen Fehler passieren und worauf es für mehr Sicherheit auf dem Eis ankommt.

Welche typischen Fehler sind beim Eislaufen am häufigsten?
Gerade bei Anfängern zeigt sich laut Eislauftrainer Stefan Ulmer immer wieder ein ähnliches Bild. „Sehr oft sieht man eine sehr steife Körperhaltung und die Knie sind zu wenig gebeugt“, sagt er. Dadurch gehe viel Stabilität verloren. Häufig würden zudem Hilfsmittel eingesetzt. „Allzu gerne werden Eislaufhilfen wie Stühle oder Kegel angeboten. Diese geben den Kindern aber falsche Sicherheit.“ Solche Hilfen könnten zwar unterstützen, müssten aber richtig eingesetzt werden. „Wenn sie genützt werden, dann nur unter Beobachtung und Anleitung.“

Warum wird die Verletzungsgefahr auf dem Eis oft unterschätzt?
Eislaufen wirkt spielerisch und leicht, setzt aber eine solide Grundtechnik voraus. „Um sich sicher auf dem Eis bewegen zu können, braucht es erstmal eine gute Basis“, erklärt Ulmer. Diese lasse sich nicht in kurzer Zeit aufbauen. „Es erfordert viel Geduld und ein Lernen Schritt für Schritt ist notwendig.“ Am Anfang stünden grundlegende Bewegungsabläufe. „Zuerst werden einige Einheiten benötigt, um das richtige Aufstehen vom Eis zu lernen und Gleichgewichtsverlagerungen zu üben.“ Erst darauf aufbauend könnten Schritte und erste Techniken trainiert werden. „Optimalerweise soll alles spielerisch verpackt werden“, betont Ulmer, vor allem bei Kindern.

Mehr Sicherheit auf dem Eis mit Tipps vom Eishockey-Profi
Eislaufen ist derzeit sehr beliebt, aber auf die Sicherheit sollte geachtet werden. Canva

Was ist beim richtigen Bremsen entscheidend?
Das kontrollierte Anhalten zählt zu den größten Herausforderungen. „Die Angst vor dem Fallen ist meistens sehr groß“, sagt Ulmer. Viele würden deshalb verkrampfen oder ausweichen, statt aktiv zu bremsen. „Zum richtigen Bremsen braucht es Kantenkontrolle.“ Diese Technik sei anspruchsvoll und brauche Zeit. „Sie erfordert Übung und Geduld.“ Wichtig sei ein behutsamer Einstieg. „Am besten fängt man mit kleinen Übungen an, wie stehend den Schnee wegdrücken.“ Dabei spiele die Körperhaltung eine zentrale Rolle. „Es ist wesentlich, tief in die Knie zu gehen und das Gewicht richtig zu verlagern.“ Wer diese Grundlagen verinnerlicht, gewinnt mit der Zeit Sicherheit und kann auch in unerwarteten Situationen schnell reagieren.

Warum ist das Anhalten an der Bande keine sichere Lösung?
Wer unsicher wird, sucht oft Halt an der Bande. Doch genau das könne gefährlich werden. „Mit Hilfe der Bande zu bremsen birgt ein Verletzungsrisiko und gibt ein falsches Gefühl von Sicherheit“, warnt Ulmer. Gerade bei höherem Tempo drohten schmerzhafte Zusammenstöße. Stattdessen sollte das Ziel sein, jederzeit kontrolliert anhalten zu können. „Es empfiehlt sich, eine saubere Bremstechnik zu lernen, um unabhängig von äußeren Hilfen stoppen zu können.“ So lasse sich vermeiden, in unübersichtlichen Situationen auf andere Läufer oder feste Begrenzungen zu prallen.

Welche Ausrüstung ist beim Eislaufen unverzichtbar?
Neben der Technik spielt auch die Ausrüstung eine entscheidende Rolle. „Unerlässlich ist ein Helm, das Tragen von Handschuhen und gut sitzende Schlittschuhe“, sagt Ulmer. Handschuhe schützen nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Verletzungen bei Stürzen. Ein Helm kann helfen, schwere Kopfverletzungen zu vermeiden. Beim Schuhwerk ist besondere Aufmerksamkeit nötig, da schlecht sitzende Schlittschuhe die Kontrolle auf dem Eis erschweren und das Sturzrisiko erhöhen, vor allem bei Kindern, die einen stabilen Halt benötigen.

Mehr Sicherheit auf dem Eis mit Tipps vom Eishockey-Profi

„Allzu gerne werden Eislaufhilfen wie Stühle oder Kegel angeboten. Diese geben den Kindern aber falsche Sicherheit.“

Stefan Ulmer, Eishockey-Profi und Nachwuchstrainer bei den Bulldogs Dornbirn

Kunsteis ist besonders glatt. Was bedeutet das für Sicherheit?
Kunsteis unterscheidet sich deutlich von Natureis. „Da das Kunsteis besonders glatt ist und keine natürlichen Unebenheiten hat, fährt man hier oft sehr schnell“, erklärt Ulmer. Die geringere Reibung erhöhe das Tempo und damit auch das Sturzrisiko. „Man hat weniger Reibung und Stürze passieren hier schneller.“ Umso wichtiger sei eine saubere Technik. „Gerade deshalb braucht es unbedingt eine gute Fahr- und Bremstechnik, da Kunsteis noch etwas anspruchsvoller ist.“

Worauf sollte man achten, um möglichst sicher unterwegs zu sein?
Sicherheit beginnt laut Experten bei einfachen, aber konsequent umgesetzten Maßnahmen. Das Tragen von Handschuhen und eines gut sitzenden Helms schützt vor Verletzungen, die beim Sturz besonders häufig an Kopf und Händen auftreten. Zusätzlich können Handgelenks, Ellbogen und Knieschützer das Risiko weiter reduzieren. Wer sich sicher bewegen will, sollte zudem die richtige Brems- und Falltechnik erlernen und regelmäßig üben. Auf stark frequentierten Eisflächen ist es wichtig, in dieselbe Richtung wie die übrigen Läufer zu fahren und das eigene Tempo anzupassen. Auch der Zustand der Ausrüstung spielt eine Rolle. Ein regelmäßig kontrollierter Schliff der Kufen erleichtert das Bremsen und gibt mehr Kontrolle. Rücksichtnahme auf andere ist dabei eine Grundvoraussetzung, um Kollisionen zu vermeiden. Besonders auf Kunsteis, das noch glatter ist als Natureis, zahlt sich umsichtiges und kontrolliertes Fahren aus.