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„Ich glaube an das Gute im Menschen“

13.02.2026 • 16:54 Uhr
„Ich glaube an das Gute im Menschen“
Mooses MC hat „Was ihr wollt“ weitgehend in Eigenregie umgesetzt. ZVG (3)

Interview. Mit „Was ihr wollt“ legt Mooses MC den Finger in gesellschaftliche Wunden. Der Vorarlberger Rapper im Interview über Angst, Migration, soziale Spannungen und die Verantwortung von Künstlern.

Was war der Auslöser für deinen aktuellen Song „Was ihr wollt“?
Mooses MC:
Der Auslöser war ein Gefühl. Den Song habe ich sicher schon vor einem Jahr, eineinhalb Jahren geschrieben. Mein Glück und auch Pech ist, dass sich die Weltlage nicht verbessert hat und der Song immer noch aktuell ist. Egal wo man hinschaut, passiert sehr viel Ungerechtigkeit und schlimmes Zeug.

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Du hattest Phasen mit weniger politischen Songs. Warum jetzt wieder so klar?
Mooses MC:
Ich habe mit politischen Sachen angefangen, dann zwischendurch mehr „Rap-Rap“-Sachen gemacht, ein bisschen Spaßmusik und gute Laune. Durch die Anfeindungen, die man bekommt, wenn man sich öffentlich zu politischen Themen äußert, habe ich mir gesagt: Okay, ich mache es mir ein bisschen einfach, ich mache Musik. Bis ich dann an dem Punkt war, wo ich mir gedacht habe: Nein, es ist an der Zeit, sich zu positionieren und Stellung zu beziehen.

An wen richtet sich der Song?
Mooses MC:
An alle, würde ich sagen. Ich habe versucht, sehr diplomatisch zu bleiben. Ich bin für Dialog und dafür, dass man miteinander redet. Gewalt lehne ich ab. Aber ich provoziere auch gerne und mag es, den Finger in die Wunde zu legen. Das finde ich auch als Konsument von Musik oder Theaterstücken wichtig. Es soll auch mal wehtun.

Bei dir steht die Message im Vordergrund. Was heißt das ganz konkret?
Mooses MC:
Mir war immer wichtig, dass die Botschaft im Vordergrund steht. Darum ist mir der Text sehr wichtig. Klar ist es manchmal cool, irgendeinen Hit zu hören, der super ins Ohr geht, aber bei mir ist das eher zweitrangig. Ich analysiere immer die Texte, Reimtechniken, das fasziniert mich am Schreiben und am Zuhören.

„Ich glaube an das Gute im Menschen“
Die NEUE hat Mooses MC in Bregenz zum Interview getroffen.

Kannst du deinen musikalischen Weg kurz erzählen?
Mooses MC:
Meine Eltern haben mich früh in die Musikschule gesteckt, ich habe Akustikgitarre gelernt. Dann E-Gitarre, Band, Punk-Rock, Rock. Über gewisse Künstler habe ich gemerkt, mit Rap kann man sehr viel transportieren und ich hab mich darin ausprobiert. Dann hat der Freundeskreis gesagt: Lade das auf Youtube hoch – und so bin ich reingerutscht.

Wie entstehen deine Songs?
Mooses MC:
Ich mache fast alles selber. Bei „Was ihr wollt“, habe ich den Text geschrieben, das Instrumental selber produziert, bei mir aufgenommen, gemixt. Das Mastering hat ein Freund von mir gemacht. Das war das Einzige, das ich dann am Schluss noch aus der Hand gegeben habe. Dann kommt dazu, alles online zu stellen, dass das auf allen Plattformen irgendwie vorhanden ist. Sich um ein Cover zu kümmern, was auch ein guter Freund von mir gemacht hat. Ich habe schon auch Unterstützung, aber ja, das meiste passiert in Eigenregie. Ich arbeite ja in Vollzeit. Da gibt es mal etwas leichtere Zeiten, in denen es besser von der Hand geht, und mal beschäftigen einen auch einfach andere Themen, private Geschichten und man hat manchmal einfach nicht die Energie.

Muss Rap für dich live funktionieren?
Mooses MC:
Für mich ist Musik live und das muss live funktionieren. Ich schaue, dass die Parts ziemlich „roh“ bleiben. Ein bisschen Equalizer, Kompressor, ein bisschen Hall, aber nicht so, dass es nicht mehr echt ist.

Du rappst über Hass und Verachtung. Wo begegnet dir das?
Mooses MC:
Mir persönlich begegnet wenig Hass, aber mir macht es wirklich Sorge und Angst, wie sich die Welt entwickelt. In der Vergangenheit, als ich mich politisch geäußert habe, habe ich sehr viele unangenehme Nachrichten bekommen. Das ist auch okay, das nimmt man in Kauf. Es war oft heiße Luft, sage ich jetzt mal, zum Glück. Ich bin ein weißer, privilegierter Cis-Mann und habe das Glück, dass ich mit diesen Themen, mit diesen Ungerechtigkeiten, persönlich wenig konfrontiert bin. Aber ich kriege es natürlich in meinem Freundeskreis mit oder auch anderweitig. Man muss ja nur die Augen aufmachen.

„Ich glaube an das Gute im Menschen“
„Ich bin ein Optimist, auch wenn es manchmal in meinen Liedern nicht so klingt.“

Du sagst, unpolitisch sein gibt es nicht. Warum?
Mooses MC:
Viele Menschen reden davon, „unpolitisch“ zu sein. Aber ich halte das für einen Mythos. Man kann nicht unpolitisch sein. Man kann aber wegschauen, man kann eine gewisse Ignoranz an den Tag legen, weil man selber vielleicht vom System profitiert.

Was spürst du in der Gesellschaft stärker: Sorge oder Angst?
Mooses MC:
Angst ist ein riesiges Thema, das quer durch die Gesellschaft geht. Es gibt momentan leider ausreichend Themen, die Ängste und Sorgen bereiten können. Das fängt beim täglichen Einkauf an und endet in der globalen Politik. Es wird viel mit dieser Angst gespielt, gerade von der rechten Seite. Von Rechtspopulisten wird es schamlos ausgenutzt und instrumentalisiert, dass Menschen Ängste und Sorgen haben.

Was macht dieser Druck mit den Menschen?
Mooses MC:
Man fühlt sich extrem hilflos. Man würde gern irgendwie was machen, was ändern. Und klar, habe ich ein Lied gemacht, aber was ändert das an der Situation in Wahrheit? Wenn ich eine Handvoll Leute irgendwie ein bisschen zum Hinterfragen und zum Nachdenken bringe, freut mich das.

Was erzeugt in Vorarlberg gerade am meisten Druck?
Mooses MC:
Die Teuerung ist auf jeden Fall ein großes Thema, Migration auch. Aber wir brauchen Migration. Wenn wir an unsere Pensionen denken, muss uns klar sein, dass das System irgendwann ohne Zuwanderung nicht mehr funktionieren wird.

Wie schaust du auf Menschen, die flüchten müssen?
Mooses MC:
Man muss nur versuchen, sich in jemanden hineinzuversetzen, der von daheim flüchten muss. Der Gedanke, alles hinter mir zu lassen, ist für mich unvorstellbar. Und ich wäre wirklich froh, wenn ich mal in die Situation kommen sollte, wenn ich irgendwo mit zumindest ein bisschen offenen Armen empfangen würde. Gleichzeitig halte ich es für ein großes Problem, dass viele Menschen Freiheit und Gleichberechtigung für sich als selbstverständlich empfinden.

Krisen, Krieg, Social Media: wie verändert das unseren Blick?
Mooses MC:
Man muss nur die Zeitung aufmachen oder sich überlegen, wie man die Berichterstattung am Anfang des Ukraine-Kriegs verfolgt hat. Das ist heute Alltag geworden. Es gibt viel Desinformation. Damit umzugehen ist schwer, aber eine Sache ist mir klar: Ausgrenzung und Hass sind der falsche Weg.

Was erhoffst du dir von der Zukunft?
Mooses MC:
Ich bin ein Optimist, auch wenn es manchmal in meinen Liedern nicht so klingt. Ich glaube an das Gute im Menschen und hoffe, dass die Mehrheit immer noch für Toleranz und Liebe steht.

Mooses MC

„Was ihr wollt“ ist die aktuelle Single des Vorarlberger Rappers Mooses MC. Veröffentlicht wurde der Track am 30. Jänner 2026 auf allen gängigen Streamingplattformen. Inhaltlich ist „Was ihr wollt“ ein gesellschaftskritischer Song, in dem sich der 30-Jährige klar gegen Ausgrenzung und Hass positioniert und zur Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Entwicklungen aufruft.