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Nach nur zwei Jahren – Männercafé muss schließen

25.02.2026 • 15:59 Uhr
Nach nur zwei Jahren - Männercafé muss schließen
Markus Schwarzl im Gespräch mit der NEUE. Stiplovsek

Das „Männercafé“ bot Raum für Gespräche über Ängste, Rollenbilder und persönliche Krisen. Trotz guter Resonanz endet das Projekt nun.

In nur zwei Jahren wurden 7000 Kontakte geknüpft. Das Projekt „Männercafé“ wurde gut angenommen, vielfach besucht und erhielt positives Feedback. Nun wird es beendet. Das Licht geht aus, die Tür wird zum letzten Mal zugesperrt.
„Die Schließung beschäftigt mich teils bis in die Nacht, wenn ich im Bett liege. Die Situation ist zum Heulen“, erzählt Günther, ein Stammgast des Männercafes, der im Gespräch mit der NEUE anonym bleiben möchte.

Nach nur zwei Jahren - Männercafé muss schließen
Günther* war Stammgast im Männercafe. *Name von der Redaktion geändert. Stiplovsek

Günther war bis vor Kurzem mehrmals in der Woche in seinem zweiten Zuhause anzutreffen. Dort fand er, wie er selbst sagt, sozialen Kontakt, Freundschaften und die Möglichkeit, offen über seine Fragen und Ängste zu sprechen. Das Männercafé war für Menschen wie ihn ein sicherer Hafen, an den sie sich mit ihren Problemen wenden konnten.

Nach nur zwei Jahren - Männercafé muss schließen
Schwarzl hatte bis zuletzt gehofft, dass Männercafe weiterführen zu können. Stiplovsek

“Mann” darf fühlen

“Unsere Themenvielfalt war bunt gemischt. Wir hatten Opfer von Gewalt, teilweise auch Täter, die hier Hilfe suchten. Männer mit Drogenproblemen, die nicht mehr weiterwussten, aber auch Jugendliche, die einfach einen ruhigen, sicheren Ort brauchten, um ihre Hausaufgaben zu machen“, sagt Markus Schwarzl, Geschäftsführer des Männercafes. Er bot dabei auf unterschiedlichen Ebenen Unterstützung an. So ermöglichte er unter anderem Vätern jeden Freitag beim Papa-Kind-Cafe den Austausch untereinander.
Schwarzl organisierte Workshops zu Themen wie Sexualität oder hörte einfach zu. „Was immer wieder Thema ist, sind veraltete Denkmuster, etwa dass ein Mann nur Hunger und Durst wahrnehmen darf und keine anderen Gefühle zeigen soll. Eine solche Einstellung schadet nicht nur der Person selbst, sondern auch dem Umfeld“, erklärt Schwarzl.
Im Gespräch wird deutlich, wie sehr dem Sozialbetreuer Schwarzl und Stammgast Günther die bevorstehende Schließung zusetzt. Traurigkeit und Fassungslosigkeit sind spürbar.

Positives Feedback

„Manchmal, wenn wir vor dem Café in der Sonne saßen und die Leute am Gehsteig vorbeigingen, sagten sie uns, wie toll sie es finden, dass es so etwas wie das Männercafé gibt. So eine Situation passierte nicht selten. Gerade auch Frauen äußerten sich positiv“, erzählt Günther.
Schwarzl ergänzt: „Ich verstehe, dass derzeit gespart werden muss. Aber wer im Sozialbereich spart, spart am falschen Ort.“

Nach nur zwei Jahren - Männercafé muss schließen
Das Männercafe war nur für zwei Jahre offen. Stiplovsek

Vom Hafen zum Rettungsboot

Der Vereinsgründer kämpfte bis zuletzt für das Projekt. 2025 nahm er vier Monate Arbeitslosigkeit in Kauf und führte das karitative Café in dieser Zeit ehrenamtlich weiter. Damals hoffte er noch, dass das Projekt bald die nötige Förderung wieder erhalten werde.
Inzwischen ist aber klar: Das Männercafé muss schließen. Die Mittel reichen weder für die Raummiete noch dafür, die Personalkosten zu decken.
Ganz vorbei ist es jedoch nicht. Aus dem einst sicheren Hafen für Männerfragen soll zumindest ein kleines Rettungsboot werden. Schwarzl plant ein „mobiles Männercafé“.
Er will Hausbesuche anbieten und weiterhin kleinere Unternehmungen im Rahmen des Vereins organisieren, etwa wie zuletzt beim Tag der offenen Tür der Psychiatrie in Rankweil oder bei einem Theaterstück zum Thema „Liebe“.

Raum schaffen

Zudem möchte Schwarzl Beratungsstunden für Männer in Gemeinden und ruhigen Räumen anbieten.
Abschließend sagt er: „Gemeinden oder Personen mit Leerstand können gerne auf mich zukommen. Wir können derzeit aufgrund der fehlenden Förderung zwar keine Miete zahlen, aber den Raum für etwas Positives nutzen.“