Warten auf die nächste Statistik?

Die Kürzung der Fördergelder mit der Folge der Schließung des „Männercafé Bregenz“ ist ein empfindlicher Dämpfer für den Feminismus.
Denn die Konsequenzen dieser Entscheidung fallen zunächst den Männern auf die Füße und werden letztlich auf dem Rücken der Frauen in ihrem Umfeld ausgetragen.
Es wurden wichtige Präventivmaßnahmen gestrichen und damit ein aktives Zeichen gegen Gleichstellung gesetzt. Während man über diese Gleichstellung spricht, wird in der Realität jene Einrichtung geschlossen, die Männern in Vorarlberg niederschwellig Hilfe angeboten und dadurch auch Frauen entlastet hat, die nicht selten die Auswirkungen der psychischen Probleme ihrer Männer zu tragen haben. Das „Männercafé“ war die einzige öffentliche Anlaufstelle dieser Art im Land. Ein Ort für Gespräche, für Austausch, für Krisen. Nun ist er weg.
Über Gewaltverbrechen von Männern wird beinahe täglich berichtet. Zu lesen sind Zeilen über Femizide, über Suizide, über familiäre Tragödien. Statistisch gesehen sind die Täter meist Männer, die Opfer häufig Frauen. Wäre es nicht wichtig, solchen Gewalttaten vorzubeugen und das Problem an der Wurzel zu bekämpfen? Wer ernsthaft verhindern will, dass Männer erst dann Schlagzeilen machen, wenn es zu spät ist, muss auch bereit sein, in Prävention zu investieren. Hilfe beginnt nicht im Gerichtssaal. Sie beginnt dort, wo jemand sagt: Ich schaffe es allein nicht mehr, ich brauche Hilfe.
Hunderte Männer haben dieses Angebot genutzt, viele davon in psychischen Ausnahmesituationen. Wer glaubt, das sei ein entbehrlicher Luxus, verkennt die Realität. Einsamkeit, Überforderung und psychische Krisen lösen sich nicht in Luft auf, nur weil eine Budgetlinie gestrichen wird. Sie verlagern sich. Oft ins Private, wo sie schnell gefährlich werden können.
Es braucht Mut, sich als Mann Schwäche einzugestehen. Es braucht Stärke, Hilfe anzunehmen. Und es braucht eine Politik, die solche Schritte nicht erschwert, sondern ermöglicht. Wer gleichzeitig über toxische Männlichkeitsbilder klagt und jene Strukturen abbaut, die Alternativen bieten, handelt widersprüchlich
Doch genau diese toxische Maskulinität ist es, die der Außenwirkung vieler Männer schadet. Wollen wir eine Gesellschaft, in der dieses Männerbild vorherrscht, oder wollen wir anerkennen, dass es Stärke braucht, stark zu sein, und noch mehr Stärke, Schwäche zuzulassen? Ein modernes Männerbild entsteht nicht von selbst. Es braucht Orte, die es zulassen. Was ist letztendlich die Botschaft? Dass Männer ihre Probleme wieder mit sich selbst ausmachen sollen? Dass wir erst reagieren, wenn der nächste Fall statistisch erfasst wird?
Am Ende lässt man diese Männer wieder allein zurück und erwartet, dass sie ihre Krisen still und eigenständig bewältigen. Aber das bedeutet es schließlich, ein „starker Mann“ zu sein, oder?