Expertentipps: Sicher unterwegs auf der Rodelstrecke

Rodeln macht Spaß und bringt Bewegung an der frischen Luft. Damit das Wintervergnügen sicher bleibt, braucht es eine realistische Selbsteinschätzung und Rücksichtnahme. Mario Amann von Sicheres Vorarlberg erklärt, worauf es auf der Rodelbahn ankommt.
1. Warum wird Rodeln oft unterschätzt?
Viele Menschen verbinden Rodeln mit ihrer Kindheit, mit Leichtigkeit und einem scheinbar harmlosen Freizeitvergnügen. Genau darin liegt laut Mario Amann die Gefahr. „Der Mix aus falscher Ausrüstung und Technik gepaart mit einer Selbstüberschätzung führt schnell zu einer schweren Verletzung.“ Wer Tempo, Gefälle oder die eigene Fahrtechnik falsch einschätzt, riskiert Stürze oder Kollisionen. Anders als oft angenommen, entstehen auch beim Rodeln regelmäßig schwere Verletzungen.
2. Welche Ausrüstung sollte beim Rodeln selbstverständlich sein?
Eine solide Grundausstattung ist entscheidend. Dazu zählen wetterfeste und warme Bekleidung sowie Handschuhe. Besonders wichtig sind feste Schuhe mit guter Sohle, da über die Füße gebremst wird. Ein Helm und eine Skibrille erhöhen die Sicherheit zusätzlich. „Beim Nachtrodeln empfiehlt sich eine Skibrille mit hellem Glas und eine Stirnlampe“, sagt Amann. Auch auf den Zustand des Sportgeräts sollte geachtet werden. Ein funktionstüchtiger Rodel ist Voraussetzung für kontrolliertes Fahren. Ein Tourenrodel lässt sich laut Amann leichter lenken als ein üblicher Bockrodel und bietet dadurch mehr Kontrolle.

„Der Mix aus falscher Ausrüstung und Technik gepaart mit einer Selbstüberschätzung führt schnell zu einer schweren Verletzung.“
Mario Amann, Sicheres Vorarlberg
3. Wie wichtig ist ein Helm auf der Rodelbahn?
Dass ein Helm beim Rodeln sinnvoll ist, wird noch immer unterschätzt, wie Amann weiß: „Ein Helm verhindert keinen Sturz, aber schwere Kopfverletzungen, wie sie beim Rodeln nach Stürzen, Kollisionen und Aufprallen leider immer wieder vorkommen.“ Rund 25 Prozent aller Verletzten müssen nach einem Rodelunfall mit Kopfverletzungen oder anderen Frakturen aufgenommen werden. Ein weiterer Irrtum ist zu denken, ein Helm sei nur bei hoher Geschwindigkeit wichtig. „Ein Helm schützt bereits bei geringen Geschwindigkeiten vor schweren Kopfverletzungen.“ Schon bei langsamer Fahrt kann ein Aufprall gravierende Folgen haben.
4. Worauf sollte man bei der Wahl der Strecke achten?
Nicht jede Strecke eignet sich für jede Fahrerin und jeden Fahrer. Offiziell präparierte und gut beschilderte Rodelbahnen bieten mehr Sicherheit. Sie sind von Skipisten oder anderen Verkehrsteilnehmern wie Traktoren getrennt und auf den Rodelbetrieb ausgelegt. Für Anfänger sowie für Familien mit Kindern sind flachere und kürzere Strecken die bessere Wahl. Ein geringeres Gefälle und übersichtliche Kurven erleichtern die Kontrolle und reduzieren das Unfallrisiko.
5. Welche Regeln gelten auf der Rodelbahn im Hinblick auf Abstand und Rücksichtnahme?
Rodelbahnen sind keine Rennstrecken. „Gegenseitige Rücksichtnahme und aufeinander achten haben oberste Priorität und sollten selbstverständlich sein“, betont Amann. Das betrifft vor allem den Abstand. Er ist so zu wählen, dass jederzeit reagiert werden kann, wenn vor einem jemand stürzt oder stehenbleibt. Wer anhält, bleibt am Rand der Strecke stehen, damit nachkommende Rodler weiterhin freie Fahrt haben. Auch beim Aufstieg wird konsequent der Rand genutzt. Überholt wird ausschließlich an gut übersichtlichen Stellen.
6. Warum ist Alkohol beim Rodeln besonders gefährlich?
„Es ist nicht gefährlicher als bei anderen Sportarten wie Skifahren oder Mountainbiken“, meint der Experte. Dennoch gilt auch beim Rodeln, dass Alkohol die Reaktionsfähigkeit, den Gleichgewichtssinn und das Risikobewusstsein beeinträchtigt. Dadurch sinkt die Fähigkeit, Geschwindigkeit und Situationen richtig einzuschätzen. Gerade auf steileren oder stark frequentierten Strecken steigt damit das Unfallrisiko deutlich.
7. Was ist beim Rodeln mit Kindern besonders zu beachten?
Kinder benötigen besonderen Schutz. Neben einem Helm empfiehlt Amann zusätzlich einen Rückenprotektor. Kindertaugliche Rodelbahnen haben ein geringeres Gefälle und weniger enge Kurven, was sie technisch einfacher macht. Wird zu zweit gerodelt, sitzen Kinder hinter dem Erwachsenen, damit sie besser geschützt sind.
8. Warum sollte man keinesfalls auf Skipisten rodeln?
Skipisten sind den Skifahrern vorbehalten und entsprechend präpariert. „Skifahrer und Rodler passen auch von der Benützungsweise nicht zusammen, was zu gefährlichen Interaktionen und Kollisionen führt“, weiß der Experte. Unterschiedliche Geschwindigkeiten und Bewegungsabläufe erhöhen das Risiko schwerer Zusammenstöße.
9. Wie verhält man sich richtig bei einem Unfall?
Kommt es zu einem Unfall, steht die eigene Sicherheit an erster Stelle. Zunächst bringt man sich aus der Gefahrenzone, danach wird die Unfallstelle abgesichert. Verletzten ist umgehend Erste Hilfe zu leisten und gegebenenfalls der Notruf abzusetzen. Sind mehrere Personen beteiligt, werden die persönlichen Daten ausgetauscht. Ruhiges, überlegtes Handeln hilft, weitere Gefahren für nachkommende Rodler zu vermeiden.