„Innovation ist oft schmerzhaft“ – Christoph Jenny über Wachstum und die Zukunft von Lebensmitteln

Am Donnerstag kommt der Mitgründer von Planted Foods, Christoph Jenny, zur “Spätschicht Bodensee” nach Vorarlberg. Vorab erzählte er im Gespräch mit der NEUE, wie aus einer Restaurantdiskussion ein Food-Startup wurde.
Die Geschichte beginnt nicht im Labor, sondern in einem Restaurant. Zwei seiner Mitgründer waren Doktoranden an der ETH Zürich, ein weiterer arbeitete in der Industrie in den USA, Jenny selbst betrieb Gastronomiebetriebe. Kennengelernt haben sie sich über persönliche Verbindungen und über eine kritische Bemerkung.

Ein Geschäftspartner probierte in Jennys Restaurant ein Veggie-Patty und meinte trocken, es gebe mittlerweile deutlich spannendere Alternativen am Markt. Jenny konterte: Man koche bewusst „Clean Label“, also ohne Zusatzstoffe und verzichte deshalb auf viele bestehende Produkte. Aus dieser Diskussion entstand die Idee, selbst etwas zu entwickeln. Gemeinsam mit einem ETH-Forscher begann man zu überlegen, wie ein Produkt aussehen müsste, das nicht nur „gleich gut“, sondern in besser ist; besonders in Hinblick der Zutatenliste.
Einstieg in den Markt
Der Anspruch war von Anfang an ambitioniert: besserer Geschmack, bessere Nährwerte, besserer CO₂-Fußabdruck und ein besserer Preis. Statt lange im Labor zu perfektionieren, entschied sich das Team früh für den Markteintritt. „Zuerst belieferten wir die Gastronomie, anschließend folgte ein Webshop, später dann der Einstieg in den Einzelhandel,“ erinnert sich Jenny zurück. Parallel dazu wurde kontinuierlich geforscht und weiterentwickelt. „Schritt für Schritt“ sei das Sortiment gewachsen, von Hähnchenalternativen bis hin zu veganen Steaks. Der Ansatz: in einer Nische starten und das Angebot danach konsequent erweitern.

Bereits zwei Jahre nach dem Start war das Unternehmen im gesamten DACH-Raum vertreten, unter anderem durch die Zusammenarbeit mit Spar. Doch schnelles Wachstum bringt Herausforderungen mit sich.
Es brauche enormen Einsatz, Leidenschaft und die Bereitschaft, Probleme zu lösen – auch wenn sie unangenehm sind. Der Erfolg komme nicht von ungefähr. Wenn es einfach wäre, hätten es laut Jenny längst andere getan.
Eine der größten Herausforderungen liegt in der Balance zwischen Produktion und Nachfrage. Das Unternehmen produziert selbst, das bedeutet, dass Produktionskapazitäten mit dem Marktwachstum Schritt halten müssen. Kommt ein großer Kunde wie eben Spar dazu, steigen die Anforderungen schlagartig. Gleichzeitig muss die Produktion ausgelastet sein. Umsatzwachstum und Produktionsausbau müssen synchron laufen. Eine komplexe Aufgabe laut dem Schweizer, insbesondere in einem forschungsintensiven Umfeld.
Wachstumschmerzen
Was dürfen sich die Gäste bei der Spätschicht erwarten? „Vor allem Ehrlichkeit.“ Jenny möchte offen über die Reise sprechen und über die weniger glamourösen Seiten des Wachstums. Das Unternehmen produziert rund um die Uhr. „Wenn man nachts um ein Uhr geht oder morgens um vier kommt, es ist immer jemand da“, erzählt er. Diese permanente Präsenz verdeutlicht, wie viel Einsatz hinter Innovation steckt. Intern spricht das Team deshalb von „Wachstumsschmerzen“. Ein Begriff, der bewusst gewählt ist. Wachstum sei nicht einfach. Es bedeute Unsicherheit, schmerzhafte Entscheidungen. Innovation entstehe selten in Komfortzonen. „Ich glaube, Wachstum braucht viel Aufopferung“, sagt Jenny.
Die Realität dahinter
Die Realität dahinter. Seine Keynote beim Event am Donnerstag soll daher weniger eine Hochglanz-Erfolgsgeschichte sein als ein authentischer Einblick in unternehmerische Realität: Wo war es schwierig? Welche Entscheidungen haben wehgetan? Und wie schafft man es trotzdem, weiterzugehen?
Was aus einer beiläufigen Restaurantkritik entstand, ist heute ein Unternehmen mit internationaler Präsenz, eigener Produktion und technologischer Innovationskraft. Oder, wie Jenny es zusammenfasst: „Manchmal muss man einen schmerzhaften Schritt machen, um wirklich voranzukommen.“
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spätschicht Bodensee
Donnerstag, 5. März
Conrad Sohm in Dornbirn
Von 18 bis 22 Uhr
Weitere Informationen unter:
https://www.piz.at/spaetschicht