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Die Hände meiner Mutter

14.03.2026 • 11:00 Uhr
Die Hände meiner Mutter
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Wenn ich meine Hände anschaue, dann sehe ich die Hände meiner Mutter. Mit diesem liebevollen Blick überwinde ich für einen Moment die rund 540 Kilometer zwischen Ludesch und Loosdorf.

Doch nicht nur die Form und Gestalt der Hände bringen mich ihr nahe. Manchmal ist es der Geschmack einer Speise, die sie für meine Familie gekocht und via Eilsendung von Niederösterreich nach Vorarlberg schickt, der mich in die Welt meiner Kindheit und Jugend zaubert. Aber Moment, ich werde jetzt nicht über den Wert der mütterlichen Küche philosophieren. Sondern ich werde versuchen, Worte dafür zu finden, wie mich meine Mama geprägt hat. Denn diese Übung – bewusst darüber nachzudenken, was die Frauen in der Familie neben oder durch Sorgearbeit weitergeben – macht weibliche Stärken und Leistungen sichtbar. Eine Sichtbarkeit die oft nicht da ist, weil uns die Worte fehlen.

Meine Mutter ist eine Chefin. Sie hat Anfang 20 gelernt eine Chefin zu sein und das bedeutet für sie in aller erster Linie alles dafür zu tun, dass die Mitarbeiterinnen gut arbeiten können. Bevor Mama eine Verkäuferin in der Fleischerei in die Bedrängnis gebracht hat, ihr Kind ggf. alleine krank zu Hause zu lassen, hat sie sich selbst noch einmal eine Stunde mehr ins Geschäft gestellt und andere Arbeiten nach hinten verschoben.

Meine Mutter ist eine Kauffrau. Wie, wann und wieviel Geld für Betrieb und Haushalt hereinkommt und hinaus geht – das hat sie immer im Blick. Dabei geht es ihr nicht um Maximierung des Gewinns, sondern ein gutes, nachhaltiges Auskommen und warmherzige Großzügigkeit, dort wo es Spielräume gibt.

Meine Mutter ist bei allem, was sie tut mit Einsatz und Plan dabei. Dazu gehört auch, dass sie Aufgaben in Details zerlegt und unterschiedliche Abläufe, Szenarien oder Entscheidungsoptionen so lange durchdenkt, bis sie sich ihrer Sache sicher ist. Und sie hat die Fähigkeit zu erkennen, wenn sie für diesen Prozess die Perspektive einer anderen Person braucht.

Wenn ich meine Hände anschaue, dann sehe ich die Hände meiner Mutter. Wenn ich meine Stärken anschaue, dann sehe ich Stärken meiner Mutter. Welche Stärken der Frauen Ihrer Familie haben Sie mit auf den Weg bekommen?

Lea Putz-Erath ist Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle femail. Sie studierte Tourismusmanagement und Soziale Arbeit. Promotion in Erziehungswissenschaften.

Lea Putz-Erath KOmmentar
Lea Putz-Erath

“Welche Stärken der Frauen Ihrer Familie haben Sie mit auf den Weg bekommen?”

Lea Putz-Erath