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„Down Under“ und die E-Mobilität

28.03.2026 • 13:00 Uhr
„Down Under“ und die E-Mobilität
apa

Die EU und Australien haben sich nach acht Jahren auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Der Deal verspricht neue Chancen für Industrie und Energiewende, doch bis zur Umsetzung ist noch Geduld gefragt.

Nach acht Jahren haben sich diese Woche die Europäische Union und Australien auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Dies nutzt vor allem Australien, für das die EU drittgrößter Handelspartner ist. Umgekehrt sieht es momentan ganz anders aus: 2024 wurden australische Waren und Dienstleistungen im Wert von nur rund 91 Milliarden Euro gehandelt. Allerdings verspricht der Rohstoffreichtum von Down Under für Europa mehr Unabhängigkeit gegenüber den USA und China. Das Handelsabkommen bringt nämlich eine Reihe ökonomischer Vorteile für beide Seiten, Der zentrale Nutzen: Zölle fallen fast vollständig weg. Davon profitiert der Maschinenbau, die Chemieindustrie und vor allem auch die Automobilindustrie. Der Wegfall australischer Einfuhrzölle und Anpassungen bei der dortigen Luxussteuer würden Hersteller deutlich entlasten. Das ist vor allem im wachsenden Segment der Elektromobilität relevant, da europäische E‑Fahrzeuge in Australien bislang überdurchschnittlich durch Abgaben belastet sind. Gleichzeitig könnte der leichtere Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt, Mangan und seltene Erden – alles Schlüsselmaterialien für Batterien, Elektromobilität und zahlreiche Hightech-Anwendungen – den Aufbau der europäischen Batterieproduktion beschleunigen und damit dem Ausbau der E‑Mobilität – sowohl in Europa als auch in Australien – Vorschub leisten. Denn bereits heute tragen europäische Hersteller einen überproportionalen Beitrag zur wachsenden E‑Auto‑Nachfrage in Australien bei. Gleichzeitig sorgt das Abkommen dafür, dass auch andere grüne Technologien wettbewerbsfähiger werden. Durch den Abbau von Handelshemmnissen können Komponenten für erneuerbare Energien oder Energiespeicherlösungen schneller und kostengünstiger zwischen beiden Märkten gehandelt werden. Dadurch verbessert sich der Zugang zu Technologien, die für die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft entscheidend sind. Auch gesamtwirtschaftlich wird mit positiven Effekten gerechnet: Die EU‑Exporte könnten langfristig um bis zu einem Drittel zulegen, was einem zusätzlichen jährlichen Exportwert von bis zu 17,7 Milliarden Euro entspricht. Aber bis zur Unterzeichnung sind noch rechtliche Hürden zu nehmen. Außerdem muss das Abkommen noch in alle 24 Amtssprachen der Europäischen Union übersetzt werden, bevor das Europäische und das australische Parlament den Vertrag ratifizieren können. Dies nimmt in der Regel mehrere Monate in Anspruch. Es heißt also weiter: Bitte warten!

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse