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Einmal gehörig aufregen – und weiter geht‘s

04.04.2026 • 10:00 Uhr
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Neue

Ich muss mich kurz aufregen. Manchmal kommen Dinge, die man nicht zwingend im Leben haben will, alle auf einmal zusammen. Obwohl – bei genauerer Betrachtung stimmt das nicht ganz. Es ist bei weitem nicht „manchmal“, sondern nahezu immer. Zumindest laut meiner subjektiven Wahrnehmung. Nicht peu à peu kommen Probleme ins Leben, sodass man genug Zeit und Atem hat, diese zu lösen, stressfrei und ohne Panikattacken – ohhhh nein! Gefühlt im Sekundentakt wird unsereins bombardiert mit – nennen wir es einmal liebenswürdig – Herausforderungen. Warum das so ist, ist mir ein Rätsel.

Jetzt versuche ich schon, mit einer positiv ausstrahlenden Aura durchs Leben zu marschieren, in der Hoffnung, dass die rosarote Zuckerwattenatmosphäre, die mich umgibt, mir nur supernette, kuschelweiche Lebenserfahrungen anzieht. Hahaha!

Zuallererst sei aber gesagt: Meinen Kids geht es gut, alles gesund, bis auf die üblichen „Ich-werde-erwachsen“-Querelen, mein Lieblingsmensch ist noch immer und weiterhin umarmungstauglich, und auch ich bin nahezu top frisch. Was hier also passiert, ist Jammern auf hohem Niveau. Aber ab und an, meine ich, darf man das. Einfach mal nicht darüber nachdenken, ob die Probleme, die man hat, wirklich wert sind, sich darüber Sorgen zu machen, oder gar darüber einfach einmal zu schimpfen und sich den Kopf zu zerbrechen.

Das ist wie mit einer Zehe, die man sich an der unteren Bettkante anhaut. Sie tut in dem Moment weh, und zwar ziemlich heftig. Man darf „Autsch“ sagen und sogar seinen Tränen freien Lauf lassen, weil sie raus müssen. Man denkt dann nicht darüber nach, dass ein Oberschenkelhalsbruch wohl viel schlimmer wäre oder ein amputiertes Bein, und sagt sich dann: Nein! Hör auf, mir Schmerzen zu bereiten, du kleiner Zeh, es gibt wirklich Schlimmeres, du Weichei!

Einmal kräftig schreien hilft enorm. Ich zum Beispiel brauche das. Dieses kurzfristige Hadern und Hinausbrüllen, dass mir alles so dermaßen auf den Geist geht – und wutentbrannt ein Geschirrtuch Richtung Zimmerecke schleudern. (Das ist wirklich das höchste der Gefühle. Ich mag ja nichts kaputt machen, nur eine Energie loswerden.) Und dann – dann kann ich durchatmen. Wie beim angeschlagenen Zeh, wenn man schlussendlich, nach dem Aufschrei, den Schmerz wegatmet.

Also hiermit, weil ich es gerade brauche, lasse ich mit hochrotem Kopf verlauten: Zefix, mir geht das so dermaßen am … (alle weiteren Wörter sind nicht öffentlichkeitstauglich)!  – Jetzt ist mir leichter!  Jetzt kann ich eines nach dem anderen angehen. Lösungsorientiert. Nicht verzweifelt. Nicht mehr hadernd. Danke!