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Evangeliumkommentar: Ostern – der Welt zum Trotz

04.04.2026 • 09:00 Uhr
Evangeliumkommentar: Ostern - der Welt zum Trotz
Blum

In unseren wöchentlichen Evangelienkommentaren geben Geistliche, Religionslehrerinnen, Theologinnen und andere ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium weiter. Heute mit Wilfried M. Blum, Caritas-Seelsorger.

Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Mágdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen:
Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa,
dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.
Mattäus-Evangelium 28.1-10

Ostern – der Welt zum Trotz

In einer verrückten Welt mit vielen Verunsicherungen und Ängsten scheint die Osterbotschaft nur schwer hörbar zu sein. Wie jüngste Umfragen zeigen, steht wie bei Weihnachten das Familienfest im Vordergrund. Dazu kommt die Freude über ein verlängertes Wochenende oder über einen Kurzurlaub in wärmeren Gegenden. Ziemlich konstant bleibt seit Jahren das Wissen um Ostern als ein religiöses Fest für Christen. War’s das schon? Für viele schon! Und für die anderen? Der biblische Text zeigt mir eine Spur zu meinem persönlichen Ostern.

Ostern verändert.

Frauen brechen auf, „um nach dem Grab zu schauen“. Jetzt kann man mit einer männlichen Überheblichkeit sagen, es sei reinste Neugierde gewesen. Doch diese Kopfsache trifft den Punkt nicht. Denn die Frauen machen in ihrem Herzen eine tiefe Jesussehnsucht. Das erschüttert selbst den felsigsten Boden („ein gewaltiges Erdbeben“) und lässt sie einen Engel sehen, „der vom Himmel steigt“ und den Stein beiseite wälzt. Das Dunkel ihrer Traurigkeit wird von österlichem Licht erfüllt. Wenn ich die Ostergeschichten mit den Augen des Herzens lese, entdecke ich eine besondere Botschaft: Nicht ich muss es tun, sondern der Himmel wälzt den Stein vom Grab. Ostern ent-lastet mich. Auch Ängste werden nicht zu einer lähmenden Kraft, sondern ich höre, was der Engel den Frauen und mir verkündet: „Fürchtet euch nicht!“. Was damals gültig war, ist es auch heute noch.

Ostern tauscht Rollen.

Dann freut mich der Rollentausch: Nicht Männer sind es, sondern Frauen, die im Evangelium die ersten Zeuginnen des Auferstandenen sind. Frauen lassen sich von Engeln erschüttern und erfahren so, wie Gott in einer Welt der Grabeshöhlen lebendig macht, während bewaffnete Männer umkippen. Den Frauen begegnet der auferstandenen Jesus als Erstes, während die Jünger schon längst Reißaus genommen haben. Ostern ermutigt mich, Rollenfixierungen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entdecken in der Gewissheit: Jesus lebt! Ich begegne ihm.

Ostern garantiert Leben.

Ich feiere Ostern in einer Welt, die von Bomben und Drohnen, Trostlosigkeit und Ohnmachtsgefühl, Krisen und Umweltkatastrophen voll ist. Feiern da nur noch Verrückte? Nein! Ich freue mich, dass Ostern für mich zu einem „Trotzdem-Fest“ geworden ist. Es trotzt dem Tod, überwindet Ängste, zerbricht Mauern und schenkt Hoffnung. Mit dem österlichen Jesus kann ich in ein freudiges Halleluja einstimmen, und das nicht allein, sondern mit vielen Christen dieser Welt. 

Wilfried Blum
Wilfried M. Blum ist Seelsorger bei der Caritas. NEUE