Köhlmeier, ein junges Orchester und der Klang der Liebe

Die Camerata Musica Reno und Autor Michael Köhlmeier verbinden Oper, Literatur und persönliche Geschichten zu einem dichten Konzertabend.
Fünf Jahre jung ist das Orchester Camerata Musica Reno, das jungen Musizierenden auf dem Weg zum Profi-dasein eine Plattform bietet und das der junge Altacher Dirigent Tobias Grabher mit mehreren Projekten pro Jahr zu einem klangschön und mit Herzblut musizierenden Ensemble formt. Tradition haben auch bereits die Programme gemeinsam mit dem Autor Michael Köhlmeier: Am Osterwochenende standen in der Blackbox des Theaters Kosmos „Liebespaare in Mythos und Musik“ im Mittelpunkt, wobei sich zu den klassischen bekannten Paaren auch die Eltern von Köhlmeier selbst einreihten, deren liebevoll zärtliche Beziehung er zwischen die musikalisch herausragenden Paare Tristan und Isolde beziehungsweise Charlotte und Werther rückte.

Gewitterszene große Gefühle
Der große französische Romantiker Hector Berlioz erzählt in seiner Oper „Die Trojaner“ die Geschichte von Dido und Aeneas und spiegelt auch in der rein instrumentalen Gewitterszene die großen Gefühle: aus beschaulicher Idylle mit am Wasserbecken spielenden Nymphen wächst eine spannungsreiche Szenerie mit Blitz und Donner, Angst und Bedrohung, die feine Kantilene der Hornistin wandelt sich in wilde Fanfaren, Piccoloflötenblitze und rollenden Paukendonner.
Sehnsuchtsklang
Zweimal steht mit Ausschnitten aus „I capuleti e i Mon-tecchi“ von Bellini und Gounods „Roméo et Juliette“ der berühmte Familienzwist der Veroneser Familien im Mittelpunkt: Tobias Grabher zeichnet mit klarer und inspirierender Körpersprache die dramatisch auflodernden Begegnungen (bei Bellini) und den großen Kontrast zwischen Anspannung, starken Gefühlen (etwa im blühenden Spiel der Celli), heiter unschuldigem Walzer und inniger Zartheit (bei Gounod) auf. Auch das berühmte Vorspiel zu Wagners „Tristan und Isolde“ hat er aufs Programm gesetzt: Nach anfänglich etwas trocken abgezirkelten Motiven kommt auch diese Musik in einem warmen Sehnsuchtsklang zum Fließen – der junge Dirigent hat ja schon 2022 als Stipendiat des Richard-Wagner-Verbands die phänomenale Akustik im Bayreuther Festspielhaus und die Arbeit der großen Kollegen kennenlernen dürfen.

Auch im Vorspiel zu Massenets „Werther“ zaubert er die sehnsüchtig leidenschaftlichen Emotionen der Protagonisten herbei und auch wenn die Balance zwischen Streichern und Bläsern nicht immer ausgewogen ist, wird man doch hineingezogen in diese Welt.
Tragödien und Vergnügen
Michael Köhlmeier zuzuhören bei seinen Wanderungen durch die griechische Mythologie und Shakespeares „Romeo und Julia“ ist wie immer ein besonderes Vergnügen. Selbst wenn man meint, die Geschichten zu kennen, werden sie doch durch seine verschmitzt angebrachten Seitenblicke und Akzente ungemein lebendig. Da wird Helena „zur Hochzeit ausgeschrieben“, Odysseus aber verliebt sich in deren Cousine Penelope. Aus „zehnjähriger Irrfahrt“ wird nur ein Jahr, denn zwei Jahre verbringt der Held ja bei Circe und sieben Jahre bei Kalypso…

Und „Romeo und Julia“? Niemand weiß, worum es um den Streit zwischen den verfeindeten Familien eigentlich ging, die jungen Menschen sind in einem pubertären Gefühlschaos gefangen, Pater Lorenzo ist ein merkwürdiger Typ und das Ganze hätte auch ganz anders ausgehen können, hätten nicht kleine Zufälle große Tragödien herbeigeführt…
Katharina von Glasenapp