Versus Festival: Disput auf 2000 Meter Höhe

Beim Versus Festival im Montafon treffen auch dieses Jahr wieder starke Meinungen, große Persönlichkeiten und aktuelle Themen aufeinander.
Wenn Unternehmer, Politiker und Vordenker in einem Skigebiet zusammenkommen, dann geht es beim Versus Festival nicht um Smalltalk, sondern um Reibung. Und genau diese ist gewollt. Denn das Konzept des Versus Festivals setzt bewusst auf Gegensätze. Es geht um unterschiedliche Meinungen, konträre Perspektiven und Diskussionen, die im besten Fall neue Denkanstöße liefern.

Das Festival versteht sich als „Schmelztiegel an Meinungen“ und bringt Entscheidungsträger zusammen, die bewusst nicht einer Linie folgen. Auf über 2000 Metern treffen sich jährlich zahlreiche Gäste, um sich mit Themen auseinanderzusetzen, die aktueller kaum sein könnten – von Geopolitik über Migration bis hin zu gesellschaftlichen Tabus.
Vor seiner Zeit
Die Idee hinter dem Festival reicht zurück ins Jahr 2019, lange bevor Polarisierung und gesellschaftliche Spannungen das heutige Ausmaß erreicht haben. Gerade deshalb wirkt das Format heute fast schon visionär. „Wir haben damals noch nicht gewusst, wie wichtig diese Themen einmal werden“, sagt Verena Eugster, Veranstalterin im Gespräch mit der NEUE. Was als Experiment begann, hat sich mittlerweile zu einem Fixpunkt für Diskurskultur entwickelt.
Das Programm ist bewusst so gestaltet, dass Gegensätze aufeinandertreffen: „Krieg vs. Frieden“, „KI vs. Mensch“ oder „Kapitalismus vs. Gerechtigkeit“ sind nur einige der Panels, die die Besucher erwarten. Florian Wassel beschreibt es so: Selbst wenn man glaubt, zu einem Thema bereits eine feste Meinung zu haben, verlässt man das Festival oft mit einem neuen Blickwinkel.“

Besonders im Fokus steht heuer das Thema „Krieg vs. Frieden“. Angesichts globaler Konflikte, von der Ukraine bis hin zu geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, sei dieses Panel für die Veranstalter eines der zentralen Highlights. Gleichzeitig gewinnt auch das Thema Künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung.
Direkter Austausch
Das Versus Festival will mehr sein als eine klassische Konferenz. Ein wesentlicher Bestandteil ist der persönliche Austausch. Anders als bei Podcasts oder TV-Diskussionen entsteht hier ein Raum, in dem Gespräche weitergeführt werden – beim Mittagessen, in den Pausen oder sogar in der Gondel. Genau dort, in den sogenannten „Gondel-Talks“, beginnt der Tag mit Diskussionen in ungezwungener Atmosphäre.

Während digitale Formate oft isoliert konsumiert werden, entsteht beim Festival eine kollektive Auseinandersetzung mit den Themen. „Du hörst etwas, drehst dich nach links oder rechts und diskutierst sofort weiter“, beschreibt Wassel den Unterschied. Diese Dynamik sei ein entscheidender Faktor für die Wirkung des Formats.
Auf Augenhöhe
Auch die besondere Umgebung spiele eine Rolle. Die Bergkulisse schafft eine Atmosphäre, die Diskussionen verändert. Laut den Veranstaltern fallen hier oft „Masken“ schneller. Gespräche werden direkter, persönlicher und ehrlicher. Dass beim Festival bewusst auf Augenhöhe kommuniziert wird, sogar das „Du“ unter allen Beteiligten ist Standard, verstärkt diesen Effekt zusätzlich.
Inhaltlich setzt das Festival auf Vielfalt. Neben politischen und wirtschaftlichen Themen gibt es auch bewusst ungewöhnliche Panels, etwa zu gesellschaftlichen Tabus wie Sexarbeit oder moralischen Fragestellungen rund um „Sünde vs. Sitte“. Diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und bewusst gesetzten Kontrasten sorgt dafür, dass das Programm nicht nur informiert, sondern auch überrascht.

Horizont erweitern – respektvoll
Ein weiteres zentrales Element ist die sogenannte „positive Streitkultur“. Ziel ist es nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern konstruktiv auszutragen. „Unsere Gesellschaft hat es an gesunder Streitkultur vermissen lassen“, meint Eugster. Genau hier setzt das Versus Festival an, Diskussionen sollen intensiv, aber respektvoll geführt werden.
Dass dieses Konzept funktioniert, zeige das Feedback der vergangenen Jahre. Besucher berichten von Inspiration, neuen Kontakten und vor allem von Gesprächen, die über das Event hinaus wirken. Das Festival wird so nicht nur zur Bühne für Meinungen, sondern soll auch zum Ausgangspunkt für neue Ideen und Perspektiven. Einer der Hauptziele bleibt dabei, aus den digitalen Echokammern auszubrechen und einen realen Raum für echten Austausch zu schaffen.
Die Akteure

Als einer der bekanntesten deutschen Journalisten und Kriegsreporter bringt Paul Ronzheimer eine unmittelbare Perspektive auf globale Konflikte mit. Seine Berichterstattung aus Krisengebieten macht ihn zu einem wichtigen Stimmengeber im Panel rund um „Krieg vs. Frieden“, wo Erfahrungen aus erster Hand auf analytische Einschätzungen treffen.
– Paul Ronzheimer, Kriegsberichterstatterer

Der ehemalige österreichische Finanzminister Gernot Blümel steht für wirtschaftspolitische Perspektiven und bringt Erfahrung aus der politischen Praxis mit. Beim Versus Festival liefert er Einblicke in wirtschaftliche Entscheidungsprozesse und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Standortpolitik.
– Gernot Blümel, ehemaliger Finanzminister

Die Nationalratsabgeordnete der Grünen ist bekannt für ihre klare Haltung in Fragen rund um Transparenz, Korruption und soziale Gerechtigkeit. Beim Versus Festival trifft sie auf konträre Positionen, besonders in wirtschaftspolitischen Debatten und könnte damit für intensive Diskussionen auf der Bühne sorgen.
– Nina Tomaselli, Nationalsratsabgeordnete