_Homepage

Keine Zulassung und fährt doch auf der Straße? Cybertruck in Altach

08.04.2026 • 18:05 Uhr
Cybertruck, grenzgängerhilfe
Die derzeitige Hauptaufgabe dieses Cybertrucks ist es Werbetafel zu spielen. Neue

Ein in Europa nicht zugelassener Cybertruck der Marke Tesla sorgt beim Stadion des SCR Altach für Aufsehen. Warum das Fahrzeug trotzdem bewegt werden darf und weshalb es überhaupt hier ist.

Wer kauft ein teures Auto, nur um es auf einen öffentlichen Parkplatz zu stellen? Diese Frage stellte sich ein Leser der NEUE, als er vor ein paar Tagen am Stadion des SCR Altach vorbeifuhr und dort auf dem Parkplatz einen Tesla Cybertruck sah.

Fahrende Guillotine

Das umstrittene Fahrzeug wird nämlich in ganz Europa eigentlich nicht zugelassen. Zu gefährlich sind seine scharfen Kanten und die unnachgiebige Edelstahlkarosserie. Eines der jüngsten Automobilprojekt von Elon Musk sei hinzu besonders für Passanten eine Gefahr oder wie der ADAC es nach einer Probefahrt ausdrückte: „Fußgängerschutz einer Planierraupe“, nicht zuletzt auch aufgrund der fehlenden Knautschzone des Gefährts und der rund vier Tonnen Eigengewicht. Nachdem die ersten Cybertrucks Ende 2023 in den USA vom Fertigungsband hinunter auf die öffentlichen Straßen rollten, kam schnell die Meldung aus Europa: „Hier nicht, zumindest nicht in dieser Ausführung.“ Ohne erhebliche Sicherheitsanpassungen hätte das Tesla-Modell keinerlei Chance auf eine Zulassung hier. Besagte Anpassungen wurden vom US-Konzern jedoch nie umgesetzt, womit die Fahrzeuge auch weiterhin keine Erlaubnis für europäische Straßen besitzen.

Cybertruck, grenzgängerhilfe
Der Cybertruck ist eigentlich nicht für den europäischen Markt gedacht. NEUE

Trotzdem steht er hier, der Cybertruck beim Altacher Fußballstadion, auf dem in Großbuchstaben „GRENZGÄNGERHILFE.AT“ zu lesen ist.
Ein kurzer Anruf bei der angeschriebenen Agentur schafft Klarheit. „Nein, wir haben den Cybertruck nicht nur dafür erworben, um unsere Werbung auf dem stehenden Auto zu platzieren“, erklärt Dennis Gabriel, Geschäftsführer der Grenzgängerhilfe und Besitzer des Pkws. Zudem würde das Fahrzeug auch gar nicht nur herumstehen. „Wir unternehmen auch gelegentlich Probefahrten mit dem Cybertruck“, führt Gabriel weiter aus.

Doch mit Zulassung?

Tatsächlich ist der Pkw auch immer wieder mit blauem, Feldkircher Kennzeichen, also einer Kurzzeitzulassung, zu sehen. Zuletzt noch Mitte März auf dem Firmenparkplatz der Grenzgängerhilfe selbst.
Wie das funktioniert, erklärt die Bezirkshauptmannschaft Feldkirch auf Nachfrage wie folgt: „Probefahrten mit nicht zum Verkehr zugelassenen Kraftfahrzeugen oder Anhängern oder Fahrgestellen solcher Fahrzeuge dürfen auf Straßen mit öffentlichem Verkehr nur mit Bewilligung der Behörde durchgeführt werden.“

Kompliziert aber legal

Die Bewilligung kann aufgrund unterschiedlichster Ursachen vergeben werden. Dazu zählen etwa Fahrten zur Überführung eines Fahrzeugs an einen anderen Ort oder zu einem Käufer sowie Fahrten zum Ort der Begutachtung oder Überprüfung des Fahrzeugs an einen Kaufinteressenten für die Dauer von bis zu maximal 72 Stunden, wobei auch Fahrtunterbrechungen zulässig sind.
Bezüglich des Cybertrucks selbst erläutert die Bezirkshauptmannschaft noch: „Laut einer kurzen Internetrecherche kann der Tesla Cybertruck im Originalzustand in Österreich nicht zugelassen werden. Es sind dafür derzeit gegebenenfalls Umbauten vorzunehmen und eine Einzelgenehmigung, zum Beispiel beim TÜV, zu beantragen.“

Cybertruck, grenzgängerhilfe
Eine Kurzzulassung ist unter bestimmten Vorarussetzungen beim Cybertruck möglich. NEUE

Gabriel von der Grenzgängerhilfe versichert im Gespräch zudem, dass er etwa durch Gummiabdeckungen an den scharfen Kanten versucht, den Pkw sicherer für andere Verkehrsteilnehmer zu gestalten.
Damit wäre nun zumindest einmal der rechtliche Hintergrund geklärt. Es ist somit möglich, mit einem Cybertruck legal über europäische Straßen zu fahren, wenn auch auf eine äußerst umständliche Art. Womit die Frage offen bleibt: Warum tut man sich so etwas dann überhaupt an?

Verschifft

„Es war gar nicht so einfach, den Cybertruck hierher nach Vorarlberg zu bekommen, der musste per Containerschiff eingeführt werden“, erinnert sich Gabriel. Die Ankunft des Fahrzeugs wäre aber bereits auch schon wieder fast ein Jahr her. Gabriel hat laut eigener Aussage das Fahrzeug zu einem guten Preis bekommen, zudem hätte es damals noch sein können, dass der Cybertruck eventuell doch eine allgemeine Zulassung hier erhalten würde.
Aus dieser wurde bekannterweise nichts, weshalb das Edelstahlmonster mit über 600 PS inzwischen als Werbeträger in Altach steht. Zum Schluss fügt Gabriel hinzu: „Vielleicht verkaufen wir ihn in Zukunft wieder, das hat derzeit aber keinen Stress.“