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Evangeliumkommentar: Frieden als Ostergeschenk

11.04.2026 • 09:00 Uhr
Erstkommunion
NEUE

In unseren wöchentlichen Evangelienkommentaren geben Geistliche, Religionslehrerinnen, Theologinnen und andere ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium weiter. Heute mit Paul Burtscher, Pfarrer von Bildstein und Schwarzach.

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. Thomas, der Dídymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. 

Johannes 20,19-31

In vielen Gemeinden ist heute Erstkommunion. Die Kinder dürfen Jesus berühren wie Thomas, auch wenn es für sie nicht einfach ist, das verwandelte Brot als „Leib Christi“ zu glauben. Heute ist ebenfalls der „Sonntag der Barmherzigkeit“. Das geht zurück auf eine polnische Ordensfrau, die Visionen zum barmherzigen Jesus hatte. Papst Johannes Paul II. hat diese Gedanken aufgegriffen und im Jahr 2000 den heutigen Sonntag mit der Barmherzigkeit Gottes verknüpft. Mit diesem Blick dürfen wir die heutige Bibelstelle betrachten.
Der auferstandene Herr erscheint den Jüngern und er zeigt ihnen seine Barmherzigkeit, indem er ihnen seine Wunden zeigt. Einen besonderen Akzent erfahren seine Worte durch den dreimaligen Gruß „Friede sei mit euch!“ Wir können in diesem Gruß ein dreifaches Wirken der göttlichen Barmherzigkeit entdecken: Zum ersten schenkt sie Freude, dann führt sie zur Versöhnung, schließlich spendet sie Trost in allen Mühen.
Als die Jünger am Osterabend Jesus sehen und ihn zum ersten Mal sagen hören Friede sei mit euch, freuen sie sich. Sie hatten sich aus Angst eingeschlossen; sie waren auch in sich selbst gefangen, weil sie versagt hatten. Als Jesus verhaftet wurde, waren sie alle geflohen. In dieser Stimmung erklingt der erste Gruß des Auferstandenen. 
Beim zweiten Mal fügt der Herr hinzu: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Und er schenkt den Jüngern den Heiligen Geist, um sie zu befähigen, Sünden zu vergeben. Sie erfahren jetzt seine Barmherzigkeit und sollen selber sie anderen schenken. 
Friede sei mit euch wiederholt Jesus zum dritten Mal, als er acht Tage später den Jüngern erneut erscheint, um den schwankenden Glauben des Thomas zu stärken. Thomas will sehen und anfassen. Der Herr lässt sich auf ihn ein: „Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände!“ Jesus versteht die Schwierigkeit des Thomas. Dieser bekennt dann: „Mein Herr und mein Gott!“.
In Thomas begegnen wir unserer eigenen Geschichte: Es gibt schwierige Momente, wo das Leben den Glauben zu widerlegen scheint, wo wir in einer Krise stecken und etwas brauchen, das wir anfassen und sehen können. Aber wie Thomas entdecken wir gerade hier das Herz des Herrn, seine Barmherzigkeit nämlich, indem er uns seine Wunden zeigt.
Und er lässt uns auch die Wunden unserer Brüder und Schwestern entdecken. Wenn wir sie als Wunden des Herrn erkennen, wird uns eine Hoffnung geschenkt, die uns in allen unseren Mühen tröstet.