Von duftigen Worten und der Suche nach Inhalt

Ich bin etwas verwundert. Dieses Verwundertsein fühlt sich manchmal auch ein wenig an wie genervt, enttäuscht – und ja, hin und wieder sogar ein bisschen verärgert sein.
Ich bin in einer politischen Familie aufgewachsen. Oma und Opa haben mir schon früh, ganz sanft, aber sehr bestimmt zu verstehen gegeben, dass Wählen wichtig ist. Zeitung lesen. Informiert sein. Wenn die Nachrichten abends um halb acht begonnen haben, war es äußerst unhöflich anzurufen (nahezu eine Todsünde) – es sei denn, es war ein absoluter Notfall. Und neben Opa zu quatschen? Ui. Dieser stählerne Blick, der mir dann entgegengeworfen wurde, hat meine Quasselei in Sekundenbruchteilen beendet.
Lesen war wichtig. Sich bilden. Dinge hinterfragen. Selbst jene, die im ersten Moment vernünftig und zugänglich erscheinen.
In jener Zeit – und noch eine ganze Weile darüber hinaus – empfand ich Politik als etwas Spannendes. Menschen zuzuhören, die dafür da sind, Ideen und Lösungen zu finden, damit es uns allen gut geht. Als Gesellschaft. Dass jeder zum Arzt kann. Dass niemand, wenn in der Arbeitswelt einmal etwas schiefläuft, gleich Angst haben muss, die Brücke von nebenan als neue Wohnadresse zu beziehen. Und natürlich noch vieles mehr an komplexen Themen.
Man wählt also jene, bei denen man glaubt, dass sie die Interessen von uns allen am besten vertreten, damit wir eben auch alle gut leben können. Welche Konstellation passt dafür? Welche Haltung? Welche Menschen?
Nur: Es wird für mich immer schwieriger, das herauszufiltern.
Mich beschleicht zunehmend das Gefühl, dass Politik in vielen Bereichen zu einer Art Werbeslogan geworden ist. Einer, bei dem ich oft nicht mehr weiß: Was soll ich eigentlich noch glauben? Und warum weichen so viele gekonnt und mit beeindruckender Eleganz (das ist ja wirklich ein Talent) ernsthaft gestellten Fragen aus – nur um dann im nächsten Satz das Gleiche zu sagen. Ein bisschen anders verpackt. Neue Schleife und noch etwas mehr Glitter und Rosenduft. Ist Politik zur Deo-Werbung mutiert? Gewinnt am Ende der Duft, der am besten verkauft wird?
Ich würde mir wünschen, dass es weniger geschultes Reden gibt. Weniger Hochglanzformulierungen. Mehr echtes Ringen um Antworten. Mehr Mut, auch einmal zu sagen: „Ich weiß es gerade nicht.“ Oder: „Das war vielleicht nicht die beste Entscheidung.“ Kein Fischen nach Wählern, sondern klare Haltungen. Könnten wir das (wieder) einführen? Ha! Da fällt mir ein: Darf man als Bürgerin ein Volksbegehren in die Wege leiten? Sowas wie: „Volksbegehren gegen Textbaustein-Rhetorik“. Ich informiere mich einmal.