Schätzgräber barocker Klangpracht

Das Vorarlberger Orchester Concerto Stella Matutina lässt in der Kulturbühne AmBach die Klangwelt der Renaissance und des frühen Barock aufleben.
Wieder einmal hat Concerto Stella Matutina, das Vorarlberger Barockorchester rund um den Trompeter Bernhard Lampert und den Cellisten Thomas Platzgummer, Musikgeschichte lebendig gemacht, die Werke unbekannter Komponisten ausgegraben und die Kulturbühne AmBach in Götzis in einen barocken Kirchenraum mit mehreren Emporen verwandelt.

Mit Frithjof Smith, einem der gefragtesten Zinkenisten, der, aus Hannover kommend, seit seinem Studium bei Bruce Dickey an der Schola Cantorum in Basel dort lebt und an der Musikhochschule in Trossingen unterrichtete, war ein Schatzgräber am Werk, der die Stücke aus dem Umfeld des Venezianers Giovanni Gabrieli zusammen mit CSM erarbeitet hat. Mit Gebhard David hatte er einen weiteren Zinkenisten an der Seite, das so schwierig zu spielende Instrument, bei dessen Klang man früher an das Jaulen einer getretenen Katze dachte, klang bei diesen Musikern ganz wunderbar leicht und beweglich. Es mischte sich hervorragend mit den ebenfalls so schlank geführten Trompeten (Jodok Lingg und Bernhard Lampert), dem Barockfagott (Dulzian) von Barbara Meditz und den gleich vier harmonisch und klangsatt aufspielenden Posaunen. Die Streicher waren hier einmal in der Minderzahl, gaben dem Ganzen aber mit Konzertmeister David Drabek, Susanne Mattle am zweiten Geigenpult, und mit Lucas Schurig-Breuß und Julia Beller-Boysen an den Bratschen einen warmen Glanz. Die bewegliche Basis bildeten natürlich Thomas Platzgummer und Johannes Hämmerle an der Truhenorgel, der aber mit den ständigen Orgelpunkten, die die beweglichen Oberstimmen der Instrumentalgruppen stützten, unterfordert schien…

Venedig war um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, von der Renaissance zum Barock ein einzigartiges Musikzentrum. Musiker aus dem Raum nördlich der Alpen kamen zu Giovanni Gabrieli, um die „venezianische Mehrchörigkeit“ nicht nur am Markusdom zu studieren, und brachten sie umgekehrt an die Fürstenhöfe in Österreich, Böhmen und Deutschland. Man staunt, wie gut vernetzt und reiseerfahren die Komponisten damals waren, wie angeregt sie sich austauschten und wie vielfältig ihre Werke waren. So mischte sich das Konzertprogramm von CSM zu einem höchst abwechslungsreichen Reigen, bei dem man über die kühne Harmonik eines Giovanni Valentini ebenso staunen konnte wie über den prächtigen Raumklang der Instrumentalgruppen, das plastische und sprechende Musizieren und die feinen Verzierungen. Das Publikum war wie immer begeistert von diesem sympathischen Ensemble und seinem phantasievollen Programm!
Katharina von Glasenapp