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Evangeliumkommentar: Von Quizabenden und Türklinken

25.04.2026 • 09:00 Uhr
Evangeliumkommentar: Von Quizabenden und Türklinken
“Er wird ein- und ausgehen und Weide finden.” Johannes 10,9 Jakob Geier

Jesus nennt sich die Tür zum Leben – was bedeutet das für unser Christsein? Mit dieser Frage beschäftigt sich diesen Sonntag Jakob Geier, Kaplan im Seelsorgeraum Bludenz.

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Johannes 10,1-10

Bei einem Tablequiz wurde einmal eine Reihe von einigermaßen prominenten Türen unserer Stadt abgebildet. Anhand dieser Bilder galt es, das dazugehörige Gebäude zu erraten. Die Portale verschiedener Gotteshäuser, die Eingänge zum Krankenhaus, Rathaus, Bezirksgericht und Polizei, verschiedene Tore der Altstadt – sie alle waren im Team schnell erraten. Doch eine Tür blieb vorerst übrig … niemandem war sie vertraut. Nach einigen Spekulationen fiel der sprichwörtliche Groschen und ich erkannte an der auffälligen Türklinke die Lösung: Es handelte sich um das Eingangstor zur Evangelischen Kirche, vor dem ich kurz davor gestanden hatte.  

Welche Orte erkennst du anhand der Türen und Klinken? Als die Tür unseres Christseins bezeichnet Jesus sich im heutigen Evangelium selbst. Wer durch ihn und seine Lebensgeschichte hindurchgeht, darf mit Leben in Fülle rechnen. Wohin wird uns diese Tür führen? Für mich ist gewiss: Sie ist für uns geöffnet und sie will uns nicht einsperren!

Die Aufgabe einer Tür besteht in Verbindung und Trennung zugleich: Innen und Außen, Zuflucht und Offenheit, Vertrautheit und Neuentdeckung. Eine Tür bestimmt einen Weg. Jesus beschreibt sich also als Zugang. Durch ihn wird ein neuer Raum zugänglich: ein Leben in Beziehung zu Gott. „Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein und ausgehen und Weide finden“. Ein- und Ausgehen klingt für mich nach Freiheit, nach einem Leben, das sich entfalten darf!

Jesus warnt aber auch vor Hintertüren und Stimmen, die Leben versprechen, aber letztlich rauben, vor Wegen, die sich als Sackgassen erweisen: Entscheidungen, die uns enger machen, uns von uns selbst, voneinander und von Gott entfernen. Das Evangelium fragt uns daher: Nach welchen Klinken greife ich in meinem Leben? Wem vertraue ich mich an? Durch die Jesus-Tür hindurchzugehen heißt, sich an seiner Haltung zu orientieren: an seiner Barmherzigkeit, seiner Menschenliebe, seiner Offenheit und Hingabe. Vielleicht verändert sich dann auch unser Blick auf die Türen unseres Alltags. Jede Begegnung, jede Herausforderung, jede neue Situation kann zu einer solchen Tür werden. Im Vertrauen darauf, dass Christus selbst die Tür ist, dürfen wir hoffen: Hinter ihnen wartet eine neue Weite, Leben in Fülle!

Evangeliumkommentar: Von Quizabenden und Türklinken
Jakob Geier ist Kaplan im Seelsorgeraum Bludenz.