Frau Salmhofer, die Pumpe und das Restfitzelchen an Energie

Es gibt Tage, da muss ich mit meinem Energiehaushalt sparsam umgehen. Im Sinne von „bei den Benzinpreisen fahre ich nur noch 90kmh auf der Autobahn“, weil – auch mein persönlicher Energiepreis ist hoch. Sehr hoch. Und manchmal bezahlt ich ihn mit totaler Erschöpfung.
Zeit für einen 24h Schlaf. Und genau dann – wirklich exakt dann – beschließt meine Waschmaschine, sich zu verabschieden. Still und heimlich hört sie einfach auf zu Pumpen und meine Wäsche ist die Einlage in einer pikant riechenden Laugensuppe.
Was folgt, ist eine Mischung aus Trotz, Selbstüberschätzung und YouTube. Ich liege am Boden, die eine Hand in den Eingeweiden der Maschine, die andere am Telefon im Internet. Himmel! In den Videos wirkt alles einfach. Ruhige Hände, ein Griff – Problem gelöst. Ich hingegen kämpfe mit Schrauben, die offenbar nur deshalb so heißen, weil der Name einen spannenden Klang hat. Sie sind so weit von einer loslösenden Drehung entfernt wie ich derzeit von einem entspannten Lebensgefühl.
Natürlich ist meine Waschmaschine noch dazu „leicht anders“. So anders, dass jedes Video Hoffnung macht, aber null, zero, gar keine Lösung bringt. Ich habe inzwischen mehr über Pumpen gelernt, als ich je wissen wollte – nur leider nichts, was mir konkret hilft.
Dafür habe ich blaue Flecken. Viele. Ich sehe aus, als hätte ich versucht, die Waschmaschine auf meinen Oberschenkeln zu jonglieren. Mit mäßigem Erfolg.
Zwischendurch betrachte ich den Wäscheberg und wünsche mir die Zeiten herbei, als man drei Kleidungstücke besaß. Eines zum Arbeiten, eines als Ersatz und dann noch etwas für den Sonntag. Ok, dafür musste man die Wäsche mit der Hand waschen. Ich gäbe aber gerade einiges dafür, wenn WIFI einen Grundkurs dafür anböte.
Und ja, kurz denke ich darüber nach, einfach alles neu zu kaufen. Waschmaschine, Kleidung, vielleicht auch meine Geduld. Aber dann kommt dieser Gedanke: Ich mag nicht aufgeben. Mein Ego steht mir im Weg – genauso wie mein Kontostand.
Also mache ich weiter. Nicht, weil ich vor Energie sprühe – sondern, weil dieses kleine Restfitzelchen an Kraft in mir sagt: Jetzt erst recht.
Vielleicht ist die Maschine danach komplett kaputt. Möglich. Aber dann wenigstens mit Würde. Und mit vollem Einsatz.
Egal wie, nach Beendigung meines Projektes – ob erfolgreich oder nicht. Gehe ich schlafen. Bis Pfingsten. Aber eines ist sicher:
Ich werde sagen können – mit leichtem Muskelkater und einer gewissen Zufriedenheit – Ich habe alles gegeben und ich weiß jetzt, wie eine Waschmaschine von innen aussieht, aber nicht wie man sie wieder zum Laufen bringt. Chapeau.