Schamanen, Druiden und Weisheit aus aller Welt trafen sich in Mäder

Von Peru bis Nepal – dieses Wochenende treffen sich spirituelle Vertreter indigener Völker aus aller Welt. Beim Ältestentreffen wurde nicht nur diskutiert, sondern auch gemeinsam geräuchert, getrommelt und Wissen weitergegeben.
Was macht ein Medizinmann aus Peru, eine Schamanin eines indigenen Volkes aus Kanada, ein Druide des Volkes der Nordica, ein Schamane der Inka aus Südamerika, eine Völva der Alamannen und zwei Schamanen aus Nepal im Gasthof Krone in Mäder? Sie treffen sich zum Ältestentreffen indigener Völker.
Die Idee dafür kam von Uthar Ariwanner, bürgerlich Harald Uthar Nagelseder, Vorsitzender des österreichischen Druidenordens und wohnhaft im Bezirk Feldkirch. Womit geklärt ist, weshalb ein solches Treffen ausgerechnet in Vorarlberg stattfindet.

In der Einladung dazu steht: „Dieses Zusammenkommen ist eine Einladung an alle Menschen, sich zu begegnen, zuzuhören, voneinander zu lernen und gemeinsam Brücken des Respekts und der Freundschaft zwischen den Völkern zu bauen.“ Die NEUE wollte sich das Treffen genauer ansehen und war dafür einige Stunden bei der Eröffnung der viertägigen Veranstaltung dabei.
Mittendrin
Ungefähr 30 Personen sitzen, auf mehrere Esstische verteilt, in einem kleinen Speisesaal des Traditionsgasthauses „Krone“ in Mäder. Eigentlich sollten sie gar nicht hier sein: Das Treffen hätte ursprünglich im Alamannendorf, ein paar hundert Meter weiter, stattfinden sollen. Dieses ist jedoch vor etwa einer Woche abgebrannt, weshalb in die Krone ausgewichen wurde. Der Stimmung der Anwesenden scheint dies jedoch keinen Abbruch zu tun. Man unterhält sich, trinkt Kaffee, tauscht sich aus. Alle Anwesenden sprechen Deutsch, die Hälfte kommt aus Vorarlberg, doch manche erzählen auch, wie sie aus 900 Kilometern Entfernung aus Norddeutschland angereist sind, um der Veranstaltung beizuwohnen.

Indigene Stämme
Um 10.20 Uhr ist es dann so weit, Veranstalter Ariwinnar ergreift das Wort, begrüßt offiziell die Teilnehmer und stellt anschließend die erwarteten, weit gereisten Referenten vor. Jeder von ihnen stellt sich den Gästen, teils von einem Dolmetscher unterstützt, kurz vor, erzählt ein wenig von sich und seinem indigenen Stamm.

Dabei fließen auch bereits die ersten Tränen – sowohl bei den Referenten als auch bei den Gästen. Viele der Anwesenden scheinen sich geehrt zu fühlen, an dem Treffen teilnehmen zu können und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Gleichzeitig schwingt in den Ansprachen auch stets etwas Wehmut mit. Am deutlichsten wohl bei Ria Mae Long, einer indigenen Schamanin der „Nakoda“ aus Nordamerika, einem Volk, das jahrhundertelang unterdrückt wurde und bis heute unter den Folgen leidet.
Eröffnungsritual
Um ungefähr elf Uhr geht es für die Gruppe nach draußen, auf eine kleine Wiese neben dem Gasthaus. Ein Kreis wird gebildet und die Eröffnungszeremonie beginnt. Nacheinander, stets nach eigenem, individuellem Brauch, führt jeder der sogenannten „Ältesten“ sein Ritual durch. Dabei wird geräuchert, die vier Himmelsrichtungen werden mehrfach angerufen, Himmel, Erde und Ahnen geehrt und die Geister der Umgebung herbeigerufen. Zum Schluss wird getrommelt; dabei soll jeder Teilnehmer für sich selbst ein Gebet sprechen. An welchen Gott, welche Götter oder dergleichen sich dieses richtet, ist dabei egal und jedem selbst überlassen.



Zusammenhalt
Um zwölf Uhr findet sich die Gruppe wieder im Speisesaal der Krone ein. Vor dem Mittagessen richten einige der Ältesten nochmals Worte an die Teilnehmer. Ein Medizinmann aus dem Amazonas erzählt beispielsweise, wie sein Vater in den Neunzigerjahren mehrere Stämme der Region dazu brachte, sich zusammenzuschließen, um sich besser gegen ihre Unterdrückung durch die brasilianische Regierung und gegen die Abholzung des Regenwaldes zu wehren. Einer der Schamanen aus Nepal betont, wie der moderne Mensch die Verbindung zu seinen Wurzeln verloren hat und diese wiederfinden muss, wenn er zu sich selbst finden möchte.

In den Ansprachen kommt immer wieder der Grundgedanke der Veranstaltung zum Ausdruck: Es geht darum, einen Samen zu setzen, aus dem Positives wachsen kann. Alte Traditionen sollen gehütet und das Bewusstsein für die Erde wieder gestärkt werden – ebenso wie die Offenheit des Herzens für andere Kulturen und Menschen.