Mehr als 750 Stimmen für Tasty in Lochau

Nach dem Urteil gegen den bisherigen Imbissbetrieb in Lochau wächst der Rückhalt für Betreiber Ferhat Cetinkaya, wie auch seine Stammgäste bekräftigen. Keine Stellungnahme gab es von den klagenden Parteien auf Anfrage der NEUE.
Der Fall rund um das Tasty am Lochauer Bahnhof bewegt weiter. Nachdem Betreiber Ferhat Cetinkaya seinen bisherigen Imbissbetrieb nach einem Gerichtsurteil einstellen musste und das Lokal nur noch als Café weiterführen darf, wächst der Rückhalt aus der Bevölkerung. Eine online gestartete Petition kommt inzwischen auf mehr als 750 Unterstützer. Ihr Ziel: den Betrieb erhalten, eine Nutzungsänderung prüfen und Arbeitsplätze sichern.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Kompromiss finden
Gestartet wurde die Petition von Metin, dem Freund von Ferhats Schwester. Er betont, dass es ihm nicht darum gehe, das Urteil infrage zu stellen. Vielmehr wünsche er sich, dass alle Beteiligten noch einmal miteinander ins Gespräch kommen. „Ich habe die Petition gestartet, weil ich mir wünsche, dass man versucht, einen Kompromiss zu finden. Es geht mir nicht darum, das Urteil anzufechten, sondern darum, dass man miteinander redet und gemeinsam nach einer Lösung sucht“, sagt er. Er sehe, wie sehr Ferhat Cetinkaya unter der Situation leide. „Das ist verständlich, denn nicht nur seine Mitarbeitenden, sondern auch er hat Existenzängste.“

Stiplovsek
Seit den 50er-Jahren
Im Lokal selbst ist die Betroffenheit auch Tage nach der Entscheidung spürbar. Viele Gäste kennen Cetinkaya und sein Team seit Jahren. Für sie war das Tasty nicht nur ein Ort für Döner, Pizza oder Burger, sondern ein fixer Bestandteil des Alltags. Einer, der das besonders deutlich macht, ist Oskar, ein Lochauer Original. Er erinnert sich daran, dass es an diesem Standort schon lange Gastronomie gegeben habe. „Ich bin damals als Jugendlicher viel hier gewesen. Seit den 50er-Jahren gibt es am Lochauer Bahnhof ein Restaurant. Früher hat es ‚Tschecherle‘ geheißen, meine Frau war dort als Bedienung beschäftigt“, erzählt er.
Auch später sei der Standort gastronomisch genutzt worden. „Es war ja auch jahrelang eine Pizzeria in genau diesen Räumlichkeiten. Die Qualität im Tasty war einmalig. Ich finde es menschlich eine Frechheit, was hier passiert“, sagt Oskar.

Stammgäste unterstützen
Andere Gäste sehen es ähnlich. Roland und Sonja erinnern daran, dass der Lochauer Bahnhof für viele Menschen immer auch ein Ort der Einkehr gewesen sei. „Es ist extrem schade für die Gastronomie in Lochau. Das Personal hier war immer sehr freundlich und zuvorkommend“, sagt einer von ihnen. Und weiter: „Es wäre schade, wenn es das Tasty in der bisherigen Form hier nicht mehr geben würde. Schon beim alten Bahnhof war immer ein Restaurant. Das war immer so und das soll auch zukünftig so sein.“

Für viele Stammgäste geht es nicht nur um eine Speisekarte, sondern um ein Stück Nahversorgung. Edin Osmanagic kommt regelmäßig ins Tasty: „Ich arbeite in der Nähe und daher bietet es sich natürlich an, hier ab und zu essen zu gehen. Das Team ist wirklich nett und auch die Auswahl ist sehr gut“, sagt er. Auch wenn das Angebot nun eingeschränkt werde, wolle er weiterhin kommen.
Ähnlich sieht es Max Hartl: „Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass man so einem fleißigen Unternehmer solche Steine in den Weg legt. Die Jungs sind auf Zack und freundlich“, sagt er. Da er in Hörbranz arbeite, werde er auch künftig hier essen kommen. „Nur schade, dass es jetzt leider weniger Auswahl geben wird.“
Bodenlose Frechheit
Besonders emotional reagiert Stammkunde Max Meusburger. Für ihn ist Cetinkaya längst mehr als nur ein Gastronom. „Ich bin Stammkunde und Ferhat ist mittlerweile zu einem Kumpel geworden“, sagt er. Was passiert sei, bezeichnet er als „bodenlose Frechheit“. Gleichzeitig betont auch er, dass das Urteil zu akzeptieren sei. Dennoch sieht er darin ein grundsätzliches Problem. „Ich sehe das als Fehler im Zivilrechtssystem. Er hat ein Objekt gekauft, in dem davor nachweislich eine Gastronomie war. Jetzt vertreiben Ferienwohnungseigentümer einen ortsansässigen Unternehmer“, sagt Meusburger. Der Schaden treffe nicht nur Cetinkaya, sondern „die ganze Lochauer Bevölkerung, denn von Jung bis Alt waren viele sehr gerne hier“.

Keine Probleme
Auch aus dem Haus selbst gibt es Unterstützung für den Betreiber. Aga wohnt mit ihrer Tochter Selin direkt über dem Lokal. Für sie war das Tasty im Alltag eine praktische und verlässliche Anlaufstelle. „Als Mutter von drei Kindern ist es für mich unglaublich praktisch, wenn sich meine Jüngste auch selbst mal ein Mittagessen unten holen kann“, sagt sie. Wenn ihre Tochter einmal kein Geld dabeigehabt habe, sei es kein Problem gewesen, später zu zahlen. „Ich wohne schon acht Jahre hier und finde es sehr schade, dass es jetzt so gekommen ist.“ Probleme mit dem Betrieb habe sie nicht wahrgenommen. „Es gab nie irgendwelche Probleme mit Lärm oder Geruch. Vor allem seit Ferhat so viel Geld in die neue Lüftung investiert hat, riechen wir überhaupt nichts mehr vom Lokal“, sagt Aga.

Ähnlich schildert es Angela, die rund vier Jahre im zweiten Stock des Hauses gewohnt hat. „In dieser Zeit fühlten wir uns nie durch Geruch oder Lärm belastigt“, schreibt sie in einer Nachricht an Cetinkaya. Vielmehr sei es „immer eine große Bereicherung“ gewesen, kurz nach unten zu gehen und eine Kleinigkeit zu essen. Die Belegschaft des Tasty sei „immer sehr nett und hilfsbereit“ gewesen.
Schwierige Rechtslage
Rechtlich ist die Lage dennoch schwierig. Laut einem Schreiben des Anwalts von Cetinkaya wurde die Einheit im Wohnungseigentumsvertrag als „Café“ gewidmet. Der Betrieb als Imbiss wurde vom Gericht als unzulässige einseitige Widmungsänderung gewertet. Der Anwalt der Kläger teilte auf NEUE-Anfrage mit, dass er von seinen Mandanten keine inhaltliche Rückmeldung beziehungsweise Freigabe für eine Stellungnahme erhalten habe.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Für Cetinkaya bedeutet das: Der bisherige Betrieb mit Pizzaofen, Dönergrill, Abholservice und Lieferservice ist nicht mehr zulässig. Das Gericht verlangt laut Anwaltsschreiben die Wiederherstellung eines Zustands, der der Nutzung als Café entspricht. Bei Verstößen könnten weitere rechtliche Schritte drohen.
Rückhalt spürbar
Gerade deshalb hoffen viele nun auf Gespräche. Die Petition richtet sich nicht gegen das Urteil, sondern zielt auf eine mögliche Lösung ab. Ob eine nachträgliche Zustimmung zu einer geänderten Nutzung realistisch ist, bleibt offen. Der Rückhalt im Ort ist jedenfalls deutlich sichtbar. Für viele Gäste geht es nicht mehr nur um Döner oder Pizza, sondern um einen Betrieb, der für sie zu Lochau dazugehört.
Petition
Die Petition “Faire Lösung für Tasty Lochau: Betrieb erhalten, Umwidmung prüfen, Arbeitsplätze sichern” kann online unterzeichnet werden: Zur Petition