Unfallfrei durch die Saison: Die wichtigsten Tipps vom Motorrad-Profi

Die Motorradsaison läuft, viele sind wieder mit ihren Bikes auf den Straßen unterwegs. David Eberle, Fahrtrainer im Driving Camp Röthis und ehemaliger Motorrad-Profi, erklärt, wie Motorradfahrer sicher unterwegs sind und sich Unfälle vermeiden lassen.
1. Was sind die wichtigsten Grundregeln für sicheres Motorradfahren?
„Wichtig ist, nicht nur für sich selbst zu fahren, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer mitzudenken und potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen“, sagt David Eberle, Fahrtrainer beim Driving Camp in Röthis. Entscheidend ist eine vorausschauende und defensive Fahrweise. Gleichzeitig spielt die eigene Selbsteinschätzung eine zentrale Rolle. „Die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen ist das Um und Auf.“
2. Welche Rolle spielen Sitzposition und Blickführung?
Wer richtig schaut, fährt kontrollierter. Der Blick sollte weit nach vorne gehen und in Kurven zum Kurvenausgang geführt werden. „Die Blickführung bestimmt maßgeblich die Fahrzeugkontrolle“, erklärt der ehemalige Motorrad-Profi. „Entscheidend ist, den Fokus nicht auf Hindernisse zu legen, sondern die gewünschte Fahrlinie anzusteuern. Eine entspannte, stabile Sitzposition unterstützt die Kontrolle und ermöglicht präzise Reaktionen.“

„Wichtig ist, nicht nur für sich selbst zu fahren, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer mitzudenken.“
David Eberle, Ex-Motorradprofi und Fahrtrainer
3. Welche Tipps geben Sie für sicheres Kurvenfahren?
Viele Fehler passieren bereits vor der Kurve. Wer zu schnell einfährt, bringt sich rasch in eine Situation, die sich nur schwer korrigieren lässt. Entscheidend ist deshalb, das Tempo frühzeitig zu reduzieren und das Motorrad ruhig einzulenken.
4. Wie sollte man Geschwindigkeit richtig einschätzen?
Gerade beim Tempo verschätzen sich viele Motorradfahrer. Entscheidend ist deshalb, sich an der tatsächlich einsehbaren Strecke zu orientieren. „Man sollte auf Sicht fahren, also nur so schnell, dass man innerhalb der überblickbaren Strecke anhalten kann“, sagt der Experte. Besonders auf unbekannten Strecken oder bei wechselnden Bedingungen wird Geschwindigkeit oft falsch eingeschätzt. Wer zu schnell unterwegs ist, verliert wertvolle Reaktionszeit und bringt sich unnötig in kritische Situationen.
5. Welche Bedeutung hat die richtige Schutzkleidung?
Bei einem Sturz gibt es keinen Schutz durch das Fahrzeug selbst, die Ausrüstung übernimmt diese Funktion. „Sie ist die einzige Knautschzone zwischen Fahrer und Asphalt“, erklärt der Fahrtrainer. Hochwertige Kleidung kann Verletzungen reduzieren und schützt gleichzeitig vor Wind, Kälte und Nässe. Wer auskühlt oder abgelenkt ist, reagiert langsamer.

6. Wie kann ein Motorrad-Sicherheitstraining helfen, kritische Situationen zu vermeiden?
Gefährliche Situationen entstehen plötzlich und lassen sich im normalen Fahrbetrieb kaum üben. Genau hier setzt ein Fahrsicherheitstraining an. „Viele erfahrene Fahrer schleifen sich im Alltag falsche Techniken ein oder unterschätzen potenzielle Gefahren“, sagt der Profi. Teilnehmer werden gezielt unterschiedlichen Gefahrensituationen ausgesetzt und lernen, diese unter Anleitung zu bewältigen. Dabei geht es auch um grundlegende Abläufe wie richtiges Bremsen. Ziel ist es, die Bremskraft schnell und kontrolliert aufzubauen und das Motorrad auch in Notsituationen stabil zu verzögern. Wer solche Situationen regelmäßig trainiert, reagiert im Ernstfall deutlich sicherer.
7. Viele Unfälle passieren zu Saisonbeginn: Woran liegt das und wie kann man vorbeugen?
Zum Start der Saison ist das Unfallrisiko besonders hoch. „Das liegt an einer Kombination aus fehlender Routine, technischen Mängeln nach der Winterpause und tückischen Straßenverhältnissen“, erklärt Eberle. Entscheidend ist, vorsichtig zu beginnen. Eine defensive Fahrweise, Training und realistische Selbsteinschätzung helfen, Unfälle zu vermeiden.

8. Welche Situationen werden von Motorradfahrern oft unterschätzt?
Viele Gefahren entstehen nicht durch spektakuläre Fehler, sondern durch Fehleinschätzungen im Alltag. Abbiegende Autos, schlecht einsehbare Kurven oder rutschige Fahrbahnen werden häufig zu spät erkannt. „Motorradfahrer unterschätzen oft Gefahren wie schlechte Sichtbarkeit oder falsche Einschätzungen von Geschwindigkeit und Grip“, erklärt der Experte. Gerade wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, steigt das Risiko deutlich. Wer aufmerksam fährt und Reserven einplant, kann solche Situationen frühzeitig entschärfen.

9. Was würden Sie Motorradfahrern mit auf den Weg geben, um möglichst unfallfrei durch die Saison zu kommen?
Sicherheit beginnt mit der eigenen Einstellung. „Man sollte immer mit Reserve fahren und damit rechnen, übersehen zu werden“, rät der Profi. Tempo und Fahrstil sollten konsequent an die Bedingungen angepasst werden. Regelmäßiges Training, vor allem beim Bremsen, sowie vollständige Schutzkleidung tragen zusätzlich dazu bei, das Risiko zu reduzieren. Gute Motorradfahrer vermeiden gefährliche Situationen, bevor sie entstehen.