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Gleicher Urlaub, anderer Preis: Warum das Gerät beim Buchen entscheidend ist

17.05.2026 • 10:00 Uhr
Gleicher Urlaub, anderer Preis: Warum das Gerät beim Buchen entscheidend ist

Dasselbe Hotel, dieselbe Reise, aber unterschiedliche Preise: Online-Buchungsplattformen zeigen je nach Nutzer nicht immer denselben Preis. Die Arbeiterkammer erklärt, warum das so ist und wie sich beim Buchen Geld sparen lässt.

Der Sommer rückt näher und für viele beginnt damit die Suche nach dem passenden Urlaub. Schnell ist ein Hotel gefunden, die Reisedaten sind eingegeben und der angezeigte Preis wirkt auf den ersten Blick plausibel. Was dabei meist unbemerkt bleibt: Wer denselben Aufenthalt wenig später noch einmal aufruft oder ein anderes Gerät verwendet, kann mitunter ein deutlich anderes Angebot sehen.

Selbsttest zeigt: Handy oft teurer als Computer

Selbsttest. Wie groß diese Unterschiede sein können, zeigt ein Selbsttest der NEUE. Für eine Hotelbuchung in Kitzbühel im Zeitraum von 14. bis 15. August wurden dieselben Angebote parallel verglichen. Das Ergebnis: Am Computer lagen die Preise teilweise deutlich unter jenen, die am Smartphone angezeigt wurden. Beim Hotel „Grand Tirolia Kitzbühel“ etwa kostete die Übernachtung am Computer 431 Euro, während am Smartphone 478 Euro angezeigt wurden. Auch bei anderen Unterkünften zeigte sich ein ähnliches Bild. „Dynamic Pricing ist ein bekanntes Problem“, sagt Lisa Natter vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Vorarlberg und betont zugleich, dass sich die konkreten Ursachen im Einzelfall kaum eindeutig feststellen lassen. „Es muss aber damit gerechnet werden, dass zu unterschiedlichen Tagen oder an unterschiedlichen Endgeräten verschiedene Preise angezeigt werden.“ Im Hintergrund greifen komplexe Systeme, die weit mehr berücksichtigen als nur Reisedaten und Verfügbarkeit. Schon beim Aufruf einer Buchungsplattform werden technische Informationen übermittelt, etwa welches Gerät verwendet wird oder zu welchem Zeitpunkt gesucht wird.

Gleicher Urlaub, anderer Preis: Warum das Gerät beim Buchen entscheidend ist
Der Test hat gezeigt: Dieselben Hotels kosten je nach Gerät unterschiedlich viel. Am Computer waren die Angebote für denselben Zeitraum oft günstiger als am Smartphone.

Dazu kommt, dass auch das eigene Verhalten eine Rolle spielen kann, etwa wenn ein Angebot mehrmals aufgerufen wird oder über mehrere Tage hinweg Interesse besteht, ohne sofort zu buchen. All diese Signale fließen möglicherweise in die Berechnung ein, ohne dass für Außenstehende erkennbar ist, wie stark sie gewichtet werden oder welche Kombination letztlich den Preis bestimmt. „Die Preisgestaltung ist sehr komplex und es kann auf unterschiedliche Faktoren ankommen, wie beispielsweise das Endgerät, der Wochentag oder das Nutzungsverhalten“, erklärt Natter, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass sich einzelne Einflüsse nicht eindeutig nachweisen lassen. Auch Standort oder Tageszeit könnten eine Rolle spielen, ohne dass sich daraus eine klare Logik ableiten lässt.

Gleicher Urlaub, anderer Preis: Warum das Gerät beim Buchen entscheidend ist

„Durch die Intransparenz der Preisgestaltung lässt sich kein Gefühl für einen guten Preis mehr entwickeln.“

Lisa Natter, Konsumentenschutz AK Vorarlberg

Preise oft schwer nachvollziehbar

Für Konsumenten entsteht dadurch eine Situation, die schwer durchschaubar bleibt, weil sich Preise nicht nur verändern, sondern oft auch nicht nachvollziehbar sind. Was auf den ersten Blick wie ein gutes Angebot wirkt, kann sich im Vergleich schnell relativieren, während gleichzeitig der Eindruck entsteht, dass sich Preise beinahe willkürlich verändern. Genau das sieht auch die Arbeiterkammer kritisch. „Durch diese Intransparenz der Preisgestaltung lässt sich kein Gefühl für einen guten Preis mehr entwickeln“, sagt Natter. Verstärkt wird dieser Effekt zusätzlich durch typische Elemente vieler Buchungsplattformen, die mit Zeitdruck arbeiten und etwa auf angeblich knappe Verfügbarkeiten oder andere Interessenten hinweisen, um eine rasche Entscheidung zu fördern und den Vergleich zu verkürzen.

Wie sich beim Buchen sparen lässt

Gerade weil sich die Preisgestaltung nicht eindeutig nachvollziehen lässt und sich auch keine einfache Regel ableiten lässt, welches Gerät oder welcher Zeitpunkt automatisch zum günstigsten Angebot führt, rät die Arbeiterkammer zu einem bewussten Vorgehen bei der Buchung. Wer sich Zeit nimmt und Angebote nicht nur einmal, sondern mehrfach prüft, kann Unterschiede sichtbar machen und damit auch nutzen, statt sich von kurzfristigem Entscheidungsdruck leiten zu lassen. „Am besten ist es, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und Preise zu vergleichen“, empfiehlt Natter.

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Mehrfach vergleichen lohnt sich

Vergleichen. In der Praxis bedeutet das vor allem, Angebote bewusst zu vergleichen und nicht beim ersten angezeigten Preis zu bleiben. Wer sich Zeit nimmt, kann Unterschiede erkennen und besser einschätzen, ob ein Angebot tatsächlich günstig ist. Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle: Wer früh bucht, hat oft bessere Chancen auf niedrigere Preise. „Man wird die unterschiedlich angezeigten Preise wahrscheinlich nicht vollständig verhindern können“, sagt Natter. Wer sich dieser Mechanismen bewusst ist und Angebote gezielt vergleicht, hat dennoch bessere Chancen, nicht mehr zu zahlen als notwendig.

Drei Fragen an Lisa Natter, Konsumentenschutz AK Vorarlberg

Kann man erkennen, ob ein angezeigter Preis personalisiert ist?
Natter: Ob die Preisgestaltung in den konkreten Abfragen tatsächlich personalisiert ist oder nicht, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Genau das macht es für Konsumenten schwierig, Preise richtig einzuschätzen und Angebote zu vergleichen. Durch diese Intransparenz fehlt oft die Grundlage, um beurteilen zu können, ob es sich um ein gutes Angebot handelt oder ob sich ein weiterer Vergleich lohnen würde. In der Praxis bedeutet das, dass viele Entscheidungen auf Basis unvollständiger Informationen getroffen werden.

Welche Fehler passieren bei Online-Buchungen besonders häufig??
Natter: Häufig lassen sich Konsumenten unter Druck setzen und buchen vorschnell, etwa wenn Hinweise auf knappe Verfügbarkeiten angezeigt werden. Dabei wäre es wichtig, sich Zeit zu nehmen und Angebote in Ruhe zu vergleichen. Grundsätzlich gehen wir auch davon aus, dass Frühbucher oft von günstigeren Preisen profitieren, weil die Nachfrage zu einem späteren Zeitpunkt steigt.

Wie würden Sie selbst bei einer Buchung vorgehen?
Natter: Ich würde früh genug buchen und die genannten Tipps berücksichtigen, also etwa Preise vergleichen und verschiedene Möglichkeiten ausprobieren. Außerdem würde ich darauf achten, wenn möglich eine Buchung mit kostenfreier Storno-Option zu wählen, um flexibel zu bleiben, falls sich später noch ein besseres Angebot ergibt.