Wie die emsiana Hohenems in einen Kunstparcours verwandelt

Mit Videokunst, Holzschnitzerei, Reisebildern und textilen Installationen widmet sich das Festival den vielen Bedeutungen des Unterwegsseins.
Der Rundgang durch die verschiedenen Ausstellungen der emsiana 2026 zeigte am Donnerstagabend, wie unterschiedlich sich das diesjährige Festivalmotto „Reisen“ interpretieren lässt. Zwischen Oman-Fotografie, Heimweh, Migration und meditativem Körpertheater entstand ein Parcours, der Bewegung nicht nur geografisch, sondern auch emotional und gesellschaftlich verstand.
„1001 Nacht“ heißt die Ausstellung der Designerin Patsy Grabher-Fenkart und der Fotografin Ulla Wälder in der Marktstraße. Reisefotografie aus dem Oman verbindet sich dort mit Vasen und Duftobjekten, deren Farben und Materialien die Fotografien aufnehmen.

„Der Ziegenmarkt ist ein Trubel. Die Verkäufer treiben ihre Tiere herum. Mich hat dabei der kleine Junge fasziniert, der ganz traurig schaut“, schildert Wälder eines ihrer Motive.

Engel der Hoffnung
Für „ein m2 Kunst“, ein Projekt, das seit sechs Jahren besteht, schnitzte Arno Egger einen Engel mit nur einem Flügel.

„Ich beschäftige mich schon länger mit Engeln und ich glaube, dass jeder seinen Engel finden kann. ,Fürchtet euch nicht’ war bereits ein Thema von mir. Ich will damit einen gesellschaftlichen Umbruch und Wandel darstellen. Der Engel ist eine Message der Hoffnung für mich.“

Den Leib auf die Wand bannen
Theresa Anna Häfele zeigt bei ihrer Videoprojektion im R-Haus ihren Körper, der sich an der Wand entlang bewegt.

„Der Atem, den man hört, gehört zu mir. Es ist ein Ausweiten des äußeren und inneren Raums. Mit der Musik taucht man in eine neue meditative Welt ein. Der Raum wird belebt und neu spürbar.“

Fäden tragen Sehnsucht
Yvette Heller und Gabriele Ulmer stellen das Gefühl „Heimweh“ im Gebeinhaus in den Mittelpunkt. „Heimweh ist für mich Heimweh nach den Menschen, nicht nach einem Ort“, betont Heller. In einer Mischtechnik aus geschöpftem Papier in Verbindung mit Wachs nähten sie Texte auf das Kunstwerk.

Ein textiler Schatz
Dorothea Rosenstock stellt im Textilarchiv Musterstücke ihrer Arbeit aus. „Das Archiv ist mein Textilschatz, den ich hier zeige. Nicht in Schachtel verpackt, sondern ausgestellt und durch Licht in Szene gesetzt. So kommen Strukturen und Farben noch besser zum Ausdruck.“ Aus einem Muster entstand ein Flügel, der in der angrenzenden Gasse aufgehängt wurde.

Im Löwenbergkeller stellen Lucia Buchberger, Anna Lalouschek, Verena Repar und Kristin Wadlig aus. Kacheln werden mit Flechtkörben kombiniert. „Beim Kachelofen kommen die Menschen zur Ruhe und erzählen Geschichten vom Reisen“, so Anna Lalouschek. „Die Frage ‚Was nimmt man mit beim Reisen und was wird transportiert‘ wollten wir mit den Flechtkörben ausdrücken“, so Buchberger.
Daniel Furxer