_Homepage

Indien wächst trotz Hitze und Krise

30.05.2026 • 11:00 Uhr
Indien wächst trotz Hitze und Krise
Bengaluru gilt als Technologiezentrum Indiens. Die Millionenmetropole steht exemplarisch für das starke Wachstum der indischen Wirtschaft. AFP

Indiens Widerstandskraft wird derzeit einem Härtetest unterzogen: Eine anhaltende Rekordhitze lähmt erneut weite Teile jenes Landes, das zu den weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen zählt. Extreme Wetterereignisse treten inzwischen an mehr als 330 Tagen im Jahr auf. Die Folgen sind gravierend: sinkende Ernteerträge durch immer häufigere Dürreperioden, steigende Kosten für Bewässerung und Kühlung sowie eine zunehmende Überlastung der ohnehin fragilen Stromnetze.

Gleichzeitig verstärken geopolitische Spannungen den wirtschaftlichen Druck. Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus führen für die stark von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängige Volkswirtschaft unmittelbar zu höheren Ölpreisen. Das treibt Produktions- und Transportkosten nach oben und erhöht den Inflationsdruck im Land.

Trotz dieser Belastungen bleibt Indiens Wirtschaft auf bemerkenswert stabilem Wachstumskurs. Mit rund 1,5 Milliarden Einwohnern dürfte das bevölkerungsreichste Land der Welt heuer stärker wachsen als der Rest Asiens. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert aktuell ein Wachstum von 6,5 Prozent für dieses und das kommende Jahr. Zum Vergleich: Für Asien insgesamt werden für 2026 lediglich 4,4 Prozent erwartet. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund vier Billionen US-Dollar zählt Indien je nach Berechnung bereits zu den fünf bis sechs größten Volkswirtschaften weltweit – mit realistischen Chancen, mittelfristig auf Rang drei vorzurücken.

Einer der zentralen Wachstumstreiber ist der boomende Technologiesektor. Besonders Bengaluru hat sich als internationales IT-Zentrum etabliert. Wie die Experten der Erste Asset Management berichten, sind in der 13 Millionen-Einwohner-Metropole mittlerweile etwa 25.000 IT-Unternehmen angesiedelt. Globale Player ebenso wie Start-ups treiben hier Innovationen voran – etwa der deutsche Bosch-Konzern, der in Bengaluru an Wasserstofftechnologien für den Schwerverkehr arbeitet. Getragen wird diese Entwicklung von einer jungen, gut ausgebildeten Bevölkerung und einer stetig wachsenden digitalen Infrastruktur.

Für die gute Wachstumsdynamik sind aber auch der wieder erstarkte Privatkonsum und das enorme Investitionsprogramm der Regierung zur Infrastrukturentwicklung verantwortlich. Positiv ist zudem, dass zunehmend die Integration in die Weltwirtschaft angestrebt wird. Noch schützt Indien seine Wirtschaft mit hohen Zöllen, was sich aber mit dem neuen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ändern soll.

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse