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“Hier gehöre ich hin”

04.06.2026 • 10:00 Uhr
"Hier gehöre ich hin"
Der Rummelplatz ist für Susanne Fessler wie ein zweites Zuhause.Alexandra Serra

Für Susanne Fessler (59) ist das Schaustellerleben seit Kindheitstagen Heimat und bis heute pure Leidenschaft.

Was macht den Job als Schaustellerin für Sie so spannend?

Susanne Fessler: Ich bin seit meiner Kindheit in dieser Welt zu Hause und organisiere seit 16 Jahren gemeinsam mit meinem Partner Ewald das Frühlingsfest in Bregenz. Der Rummelplatz ist für mich ein zweites Zuhause. Es ist lebendig, bunt und voller Geschichten. Gleichzeitig verlangt der Beruf enorme Vielseitigkeit. Als Schaustellerin musst du organisieren, transportieren, ein Geschäft führen, Personal leiten und oft sogar selbst Lkw fahren. In einer männerdominierten Branche heißt das, ein echtes Multitalent zu sein. Genau diese Mischung aus Tradition, Verantwortung und täglicher Herausforderung macht den Job für mich so spannend.

Gibt es Attraktionen, die selbst für Sie eine Mutprobe sind?

Fessler: Für mich sind fast alle Attraktionen eine Mutprobe. Ich kann weder Höhe noch Geschwindigkeit gut ab. Ich freue mich über jede und jeden, der fünf- oder sechsmal fährt und sagt: “So cool!”, aber ich selbst bin da raus. Mein Platz ist das Autodrom. Dort sehe ich, wie der Rummelplatz lebt. Es ist das Herz jedes Vergnügungsparks. Wenn das Autodrom fehlt, fehlt der Herzschlag. Und ich sitze dort, beobachte die Menschen, höre das Lachen, sehe die Energie und denke mir: Hier gehöre ich hin.

Warum machen Sie den Job bis heute so gerne?

Fessler: Ich sage immer, man muss das machen, wo das Herz dranhängt. Wir verbringen viel mehr Zeit beim Arbeiten als in der Freizeit, da muss dir dein Arbeitsplatz gefallen. Ich bin fürs Leben gern Schaustellerin, auch wenn es Tage gibt, an denen es mich nervt wie jede und jeden anderen. Aber in dem Moment, in dem ich in der Kasse sitze, der Vorhang aufgeht und der erste Kunde vor mir steht, denke ich mir jedes Mal: Das ist der geilste Job der Welt.

Gibt es etwas hinter den Kulissen, das vielen gar nicht bewusst ist?

Fessler: Sehr viel: der enorme Arbeitsaufwand, das finanzielle Risiko, die Abhängigkeit vom Wetter und auch das Persönliche. Wir Schausteller verkaufen Freude, selbst wenn es uns privat schlecht geht. Ich habe schon an der Kasse gestanden und gelächelt, während ich innerlich getrauert habe. Trotzdem musst du funktionieren, denn viele Existenzen hängen an dir. Hinter den Lichtern und dem Spaß steckt oft viel mehr, als die Besucher ahnen.