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Hilfe die ankommt: Was ein Vorarlberger in Kenia bewegt

08.06.2026 • 15:58 Uhr
Interview mit Heinz Rützler
Die NEUE im Gespräch mit Heinz Rützler von der Initiave “Direkthilfe Kenia”. neue

Seit 17 Jahren unterstützt Heinz Rützler Familien in Kenia. Mit Schulbildung, medizinischer Hilfe und nachhaltigen Projekten schenkt die „Direkthilfe Kenia“ Menschen neue Perspektiven und Hoffnung.

Seit seinem ersten Besuch im Jahr 2009 habe sich in Kenia nicht viel verändert, erzählt Heinz Rützler von der Initiative „Direkthilfe Kenia“ der NEUE. Ursprünglich besuchte der Nüziger wegen seines Hobbys, dem Fischen, erstmals Kenia. Aus der privaten Reise entwickelte sich jedoch eine Herzensangelegenheit und schließlich sein langjähriges Engagement für die Menschen dort. Von Jänner bis März war er erneut in Mtwapa, einem Vorort nahe Mombasa. Die Menschen benötigen laut ihm noch immer dieselbe Unterstützung wie damals.

Direkthilfe Kenia
Ein Schlafplatz in einem Haus. privat

Menschen hungern, Häuser zerfallen und manche schlafen unter freiem Himmel. Meist handelt es sich um Familien mit sieben oder acht Kindern ohne Vater, erzählt der Vorarlberger im Gespräch mit der NEUE. Oft würden die Männer verschwinden, sobald die Frau schwanger sei. Deshalb hätten viele Kinder derselben Mutter unterschiedliche Väter. Die Männer würden sich ihrer Verantwortung entziehen und sich weder um Kind noch Familie kümmern. Das sei ein großes Problem, erklärt Rützler. Er kenne nur wenige Familien in Kenia, bei denen er sagen könne, dass sich der Vater bemühe.

Für alleinerziehende Mütter sei das eine große Herausforderung. Die älteren Geschwister kümmern sich um die jüngeren Kinder, während die Mutter arbeitet. Viele Frauen sitzen an den Straßen und warten auf Gelegenheitsarbeiten. Für umgerechnet zwei Euro pro Tag übernehmen sie Reinigungsarbeiten wie Wäschewaschen, Putzen oder Kochen, sagt der Pensionist. Mit dem Geld könnten dann einige Bohnen oder Ugali, ein Brei aus Maismehl, gekauft werden. So versuchten die Familien, ihren Alltag zu bewältigen.

Operation finanziert

Besonders in Erinnerung geblieben ist Rützler die Geschichte der siebenjährigen Pretha. Das Mädchen kam ohne Darm zur Welt und lebt seit ihrer Geburt mit einem künstlichen Ausgang. Dank der Unterstützung der Initiative konnte eine Operation finanziert werden. Nun sei sie auf einem guten Weg, bald ein normales Leben führen zu können, erzählt der Vorarlberger.

Direkthilfe Kenia
Pretha nach der OP. privat

Heuer hat zudem ein Junge namens Remy die Schule abgeschlossen, seine Ausbildung wurde durch Spenden finanziert. Im Mai hat er eine Lehre als Installateur begonnen. Für den Ausbildungsstart konnten mit Rützlers Hilfe die notwendigen Arbeitsmaterialien gekauft werden.

Direkthilfe Kenia
Remy beim Einkaufen der Arbeitsmaterialien. privat

Um den Menschen zu helfen, hat Rützler sein Projekt heuer erweitert. Bereits vor zwei Jahren wurde ein Trinkwasserbrunnen gebaut, im vergangenen Jahr folgte aufgrund der häufigen Stromausfälle eine Photovoltaikanlage. Außerdem konnte dank Spenden ein 400 Quadratmeter großes Grundstück gekauft werden. Dort bauen die Menschen Gemüse an, das sie kostenlos ernten können. Heuer wurde das Feld zusätzlich mit einer Mauer versehen, die vor Überschwemmungen und Diebstahl schützen soll. Zudem entstand ein Hühnerstall. Dadurch können die Bewohner jetzt mit Masthühnern und Eiern handeln.

Direkthilfe Kenia
Die Masthühner für den Handel. privat

Darüber hinaus begleitete der Vorarlberger viele Kinder und Erwachsene ins Krankenhaus. Für 46 Kinder wurde heuer das Schulgeld übernommen, 63 Familien erhielten Lebensmittel, Waschmittel, Seife, Zahnbürsten und Zahnpasta. Zwei Vorarlberger hatten sich zu ihrem 70. Geburtstag gewünscht, dass anstelle von Geschenken die Initiative „Direkthilfe Kenia“ unterstützt wird. Mit diesen Spenden konnte Rützler heuer ein zerfallenes Haus wieder aufbauen. „Das möchte ich nächstes Jahr wieder machen“, sagt der Nüziger.

Direkthilfe Kenia
Das Haus vor dem erneuten Aufbau. privat
Direkthilfe Kenia
Das neue Haus. privat

Dass man nicht allen helfen könne, müsse man lernen, sagt der Vorarlberger. Rund 14 Österreicher haben ihn bereits nach Kenia begleitet, um seine Arbeit vor Ort zu sehen. Gemeinsam besuchten sie die Projekte und die Schule. „Die Österreicher haben geweint, als sie die Häuser gesehen haben“, erzählt Rützler. Fotos würden zwar einen Eindruck vermitteln, doch erst beim persönlichen Besuch werde das Ausmaß der Armut wirklich greifbar. Mit den Jahren habe er gelernt, damit umzugehen. „Du kannst die Welt nicht retten. Du kannst nicht allen helfen. Aber ich bin glücklich, wenn ich ein paar Leuten helfen kann“, so der Nüziger. Die Menschen seien dankbar und würden die Unterstützung wertschätzen. Das motiviere ihn, weiterzumachen.

Für die „Direkthilfe Kenia“ hofft Heinz Rützler auch künftig auf Unterstützung. Sein Ziel sei es, noch mehr Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Nur durch Bildung bestehe die Chance auf einen Arbeitsplatz und damit die Möglichkeit, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Wenn Menschen helfen wollen, sei es wichtig, genau darauf zu achten, wo das Geld tatsächlich ankommt. Rützler telefoniert, wenn er nicht in Kenia ist, dreimal pro Woche mit Ruth, seiner Vertrauensperson im Land. Es sei schwierig gewesen, jemanden zu finden, dem er vertrauen könne. Viele hätten es lediglich auf das Geld abgesehen. Ruth unterstützt ihn jedoch bereits seit acht Jahren. Damit habe er eine Person an seiner Seite, auf die er sich jederzeit verlassen könne.

Direkthilfe Kenia
Kinder, welche dank den Spenden die Schule besuchen können. privat
Direkthilfe Kenia
Kinder in der Schule. privat
Direkthilfe Kenia
Kugelschreiber sind ein sehr beliebtes Geschenk. privat
Direkthilfe Kenia
Fußbälle sind auch sehr beliebt. Sonst wird Abfall mit Nylon zusammengebunden, wenn echte Bälle zu teuer sind. privat
Direkthilfe Kenia
Ein Bett mit Schaumstoffresten als Matratze. privat
Direkthilfe Kenia
Für den Neubau dieses Hauses sammelt Rützler bereits Spenden. privat
Direkthilfe Kenia
Spinat und anderes Gemüse, welches auf dem Acker angebaut wird. privat
Direkthilfe Kenia
Die Farm, welche mit Hilfe der “Direkthilfe Kenia” gebaut wurde. Privat

Kontakt

Spendenkonto:

Heinz Rützler – “Direkthilfe Kenia”

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