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Sonnenaufgang am Mond

20.06.2026 • 14:00 Uhr
Sonnenaufgang am Mond
Die im Text beschriebenenen Formationen sind hier bezeichnet. Der rechte Teil des Mondes liegt ab 21. Juni im Dunkeln.NASA

Kommende Woche zeigt der Mond viele Details. Ein gutes Fernglas genügt zur Beobachtung.

Von Tag zu Tag ändert sich der Anblick des Mondes. Letzten Sonntag war Neumond, kein Lichtstrahl der Sonne fiel auf die Mondscheibe. Seither ist der beleuchtete Teil angewachsen, am heutigen Sonntag ist Halbmond und am 30. Juni Vollmond. Die Licht-Schatten-Grenze wandert innerhalb von zwei Wochen über die gesamte Mondscheibe. Diese Sonnenaufgangslinie wird von Astronomen auch Terminator genannt, das bedeutet Abgrenzung, denn sie trennt Tag und Nacht. Bei flachem Lichteinfall werfen kleinste Erhebungen lange Schatten. Landschaftsfotografen nutzen diesen Effekt und gehen bei Sonnenaufgang oder -untergang ihrer Arbeit nach. Auch am Mond sollte man diese Beleuchtungsverhältnisse nutzen. Bei zunehmendem Mond ist am Terminator Sonnenaufgang, bei abnehmendem Mond Sonnenuntergang.

Mond flach über dem Horizont

Heute ist Sommerbeginn, das heißt, dass wir die kürzeste Nacht vor uns haben und sich die Beobachtungsverhältnisse auch in der nächsten Woche kaum ändern. Der Mond ist ein Objekt, das auch am Tag sehr schön durch ein Fernrohr zu sehen ist. Dennoch ist der Kontrast der Mondstrukturen bei Dunkelheit viel besser. Wir schließen einen Kompromiss und beginnen die Beobachtungen ab 22 Uhr. Um diese Uhrzeit steht der Mond am 21.6. im Südwesten. Er bleibt jeden folgenden Tag etwas zurück, das heißt, er wandert Richtung Süden. Am 25. Juni steht er 20 Grad hoch im Süden. Die folgenden Nächte bis zum Vollmond sollten wir die Beobachtungen nach Mitternacht verlegen. Am 30. Juni benötigen wir freie Sicht zum Südhorizont, denn der Mond steigt nur 14 Grad über den Horizont.

Meere, Gebirge und Krater

Jeden Abend werden andere Regionen ins Licht der aufgehenden Sonne gerückt. Ab Montag fällt im unbeleuchteten Teil des Mondes das Regenmeer, eine dunkle Basaltfläche im oberen Mondbereich auf. Zudem sind die Strahlenkrater Kopernikus und Kepler und im Süden Tycho zu sehen. Weitere sichtbare Meere tragen die Namen Ozean der Stürme, Wolkenmeer und Meer der Feuchtigkeit. Auch kleinere Strukturen sind im Fernglas am Terminator erkennbar. Die Alpen am Mond sind 250 Kilometer lang und 80 breit. Ihre Gipfel erreichen eine Höhe von etwa 2400 Meter. Am siebten Tag nach Neumond, also am Montag, findet man den Gebirgszug im Norden. Weiter südlich ist der 95 Kilometer große Krater Archimedes zu sehen. Südlich davon verlaufen die Apenninen, der längste Gebirgszug am Mond. Am Dienstag rücken andere Formationen, darunter der sehr dunkle Krater Plato im Norden und der junge Strahlenkrater Tycho ins Gesichtsfeld.

Goldener Henkel

Eine Besonderheit ist am Donnerstag zu sehen. Im nördlichen Teil des Regenmeeres gibt es eine Bucht, die man Regenbogenbucht nennt. Genau neun Tage und 18 Stunden nach Neumond geht die Sonne über der Regenbogenbucht auf. Dabei werden zuerst die Gipfel des Juragebirges beleuchtet, während der Boden der Bucht noch im Schatten liegt. Den Effekt kennen wir von der Erde, auch hier erstrahlen die Berggipfel vor den Tälern im Sonnenlicht. Am Mond sieht es so aus, als würden die beleuchteten Berggipfel über dem Dunkel der Nacht schweben. Es entsteht der Eindruck, als hätte der Mond einen goldenen Henkel.

Mondkarte

Eine gute Mondkarte ist nötig, wenn man mit Teleskopen kleinere Strukturen erkennen möchte. Rillen, Wälle und Zentralberge in Kratern gilt es zu entdecken. Es ist reizvoll, die Gegenden der bisher sechs bemannten Mondlandungen zu suchen. Ein weiteres Ziel könnte der 44 Kilometer große Mondkrater sein, der nach dem Feldkircher Astronomen Rheticus benannt wurde.

Robert Seeberger