Was Markus Hellbock im Freibad anders sieht als Gäste

Wenn Menschen ertrinken, geschieht das oft leise. Markus Hellbock weiß das aus Erfahrung. Der Bademeister spricht mit der NEUE über kritische Situationen, gibt Tipps gegen die Hitze und beschreibt wie sich die Badegäste im Laufe der Jahre verändert haben.
Seit zwölf Jahren arbeitet Markus Hellbock als Bademeister. Im Sommer im Waldbad Enz und im Winter im Stadtbad Dornbirn. Wie sich das Verhalten der Gäste in den letzten Jahren verändert hat und wie sich Besucher vor der Hitze schützen können, erzählt er im Gespräch mit der NEUE.
Vom Fotolaboranten zum Bademeister
Ursprünglich war Markus Hellbock Wasserretter bei der Wasserrettung Dornbirn. In seinem alten Beruf als Fotolaborant hat er durch die Digitalisierung keine Zukunft mehr gesehen. Daraufhin hat sich Hellbock überlegt, welchen Job er bis zur Pension gerne ausüben würde. Der Beruf als Bademeister reizte ihn und der Zeitpunkt passte, erzählt er. Deshalb habe er sich dafür entschieden. Seit zwölf Jahren ist der ehemalige Fotolaborant nun als Bademeister tätig.
Vielseitiger Beruf
Dass ein Bademeister nur am Beckenrand steht, sei ein Irrglaube. „Wir sind Hausmeister, Seelsorger, schauen auf die Kundschaft und den Rasen und müssen technisch reagieren, wenn die Wasserwerte nicht stimmen oder eine Pumpe ausfällt“, erklärt Hellbock. Bademeister seien keine ausgebildeten Klempner oder Elektriker, aber einige haben einen Hintergrund in diesen Bereichen. Wichtig sei auf jeden Fall, Lösungen für Probleme zu finden.

Leises Ertrinken
Eine Situation im Hallenbad Dornbirn ist dem Bademeister besonders in Erinnerung geblieben. Ein Kind habe um Hilfe gerufen. Im zwei Meter Umkreis waren zwei Jungs, die sich unterhalten haben, die Schreie aber nicht bemerkten. Der Dornbirner beaufsichtigte den drei Meter Turm, als er ein Wimmern hörte. Daraufhin habe er sich umgeschaut, die Situation gesehen und sei sofort rüber, erinnert sich Hellbock. Erst als er die Jungs darauf aufmerksam machen konnte, registrierten sie, was gerade passierte. Zum Glück konnte das Kind rechtzeitig und sicher zum Rand gebracht werden. „Wenn jemand ertrinkt, ist es nicht immer so, dass die Person um sich schlägt und laut um Hilfe ruft. Meist ist es ein stilles Ertrinken“, klärt der Dornbirner auf.
Neue Herausforderungen
Durch Hellbocks Erfahrung bei der Wasserrettung, wo er auch bei Taucheinsätzen dabei war und Personen suchte, glaubt er, ein bisschen anders mit solchen Situationen umzugehen als Kollegen. Aber es sei trotzdem immer eine neue Herausforderung und jeder müsse einen Weg finden, mit solchen Einsätzen zurechtzukommen, beschreibt der Bademeister. Alle drei Jahre müssen die Mitarbeiter den 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs wiederholen. Dadurch ist das Personal in der Theorie gut auf Ausnahmefälle vorbereitet.
Durch Hitze Aggressivität und wenig Geduld
Momentan ist Anfang der Sommersaison, die Arbeit sei noch eher gemütlich. Im Sommer jedoch, bei dauerhafter Hitze, bemerkt Hellbock eine Verhaltensänderung bei der Kundschaft. Er spricht von weniger Geduld und schneller Aggressivität. Viele unterschätzen auch die Wirkung von Alkohol im Zusammenspiel mit den heißen Temperaturen und bekommen oft Kreislaufprobleme. Gerade ältere Leute unterschätzen, wie wichtig Auszeiten im Schatten sind. Die Bademeister geben öfters Hinweise, Wasser zu trinken und achten darauf, dass sich die Badegäste nicht dauerhaft in der prallen Sonne aufhalten, erklärt der Dornbirner im Gespräch mit der NEUE. Sich selbst schützt er mit einer schwarzen Waldbad Enz Schildkappe, regelmäßigen Pausen im Schatten und ausreichendem Wassertrinken. Mit der Zeit habe er sich aber an die Temperaturen gewöhnt.

Tipps gegen die Hitze
Generell empfiehlt der langjährige Bademeister den Gästen, ebenfalls ausreichend zu trinken, Sonnenschutz zu verwenden, Kopfbedeckungen zu tragen sowie Pausen im Schatten und nicht nur am Platz zu verbringen, sondern sich auch mal abzuduschen.
Fehlender Respekt
Im Gegensatz zum Beruf selbst, hat sich das Publikum in den letzten Jahren verändert, sagt Hellbock. „Der Respekt vor dem Bademeister ist nicht mehr so gegeben wie vor einigen Jahren. Wir müssen uns stärker durchsetzen und standhaft bleiben. Es ist nicht mehr so spaßig wie früher“, erzählt er. Der Vorarlberger merke das bei allen Altersgruppen, aber vor allem sei der fehlende Respekt bei jungen Gästen erschreckend. „Wir merken es im Freibad durch Gruppenbildungen und den dadurch sinkenden Hemmungen extrem.“ Er geht jedoch von einem allgemeinen Problem aus. Wie der Bademeister sagt, ist in allen Dienstleistungsbetrieben zu hören, dass es schwieriger geworden ist.
„Wir machen das nicht zum Spaß.“
Für die weitere Saison wünscht sich der Dornbirner, dass die Besucherinnen und Besucher auf die Baderegeln achten und aufs Personal hören. Er bittet die Gäste auch, die eigenen Grenzen zu respektieren. Wer nicht sicher schwimmen kann, sollte sich nur in den Bereichen im Wasser aufhalten, in denen er stehen kann. Wie der Bademeister berichtet, sei das Können der Leute am Schwimmstil schnell zu erkennen. „Wir machen das nicht zum Spaß, es hat einen Grund, wieso man uns hier herstellt und wir schauen, dass die Regeln eingehalten werden“, fügt er hinzu. Doch der Beruf hat auch viele positive Seiten. Vor allem die Gespräche mit Stammkunden schätzt Hellbock sehr. Es sei nett, einiges von ihnen mitzubekommen. Auch die Vielseitigkeit des Berufs macht die Arbeit für ihn spannend und der Umgang mit Gästen die „ganz normal zu uns sind“, machen die Arbeit für ihn besonders schön.