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Wasserkraftwerke: Warum Fischer Grenzen fordern

04.07.2026 • 12:00 Uhr
Wasserkraftwerke: Warum Fischer Grenzen fordern
Peter Mayrhofer im Gespräch mit der NEUE am Sonntag. Stiplovsek (6)

Fischereiverband Vorarlberg kritisiert neue Gesetzesnovelle. Präsident Peter Mayrhofer erklärt im Gespräch mit der NEUE am Sonntag, was der Lebensraum Fluss bedeutet.

Angesichts geplanter Maßnahmen durch das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) äußert sich der Fischereiverband Vorarlberg kritisch. Dies betrifft vor allem die erleichterten Genehmigungsverfahren für Wasserkraftwerke in kleineren Fließgewässern.

Die NEUE am Sonntag traf Peter Mayrhofer, den Präsidenten des Fischereiverbandes Vorarlberg. Im Gespräch, welches entlang der Bregenzer Ach in Bezau stattfand, klärt die Hintergründe der Kritik. Dabei erzählt er, wie sich Lebensräume im Fluss entwickeln, spricht über Interessenskonflikte und welche Veränderungen er selbst erlebt hat.

Wasserkraftwerke: Warum Fischer Grenzen fordern
Die NEUE am Sonntag traf Peter Mayrhofer in Bezau.

Interessenskonflikte

Mayrhofer betont, dass er kein grundsätzlicher Gegner von Kraftwerken ist. Er befürwortet beispielsweise das Speicherkraftwerk “Lünerseewerk II”. Doch das “überragende öffentliche Interesse” als Begründung erleichterter Genehmigungsverfahren für Flusskraftwerke hinterfragt er kritisch. Seines Erachtens nach ist dies nur eine Betrachtungsweise. Es gebe nämlich auch Gründe vor allem kleine Flüsse in naturnahem Zustand zu erhalten.

“Wenn der Bach dort hinunterfließt, die Seiten speist, die Quellen in den Seitentälern speist, dann erhalten wir das im überragenden öffentlichen Interesse versus dem überragenden öffentlichen Interesse, was das Thema Energie anbelangt.”

Beispielhaft erwähnt Mayrhofer das geplante Kraftwerk am Mellenbach. Die Illwerke vkw verwarfen diese 2025, nachdem sich in der Bevölkerung Widerstand regte und keine Einigung mit der Gemeinde Mellau erzielt werden konnte. “Sonst wäre das bereits im Bewilligungsverfahren”, kommentiert der Verbandspräsident.

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Peter Mayrhofer im Gespräch mit der NEUE am Sonntag.

In Vorarlberg gebe es schöne Kleingewässer, die ökologisch intakt sind. Bei einem Teil davon dürfe auch nicht eingegriffen werden. Doch angesichts des erleichterten Genehmigungsverfahrens fürchtet Mayrhofer, dass mitunter Gewässer bebaut werden, die jenen Schutz nur “wegen eines fehlenden Parameters” nicht innehaben.

Lebensraum Wasser

Während des Gesprächs strömt die Bregenzer Ach nebenan kräftig dahin. Mayrhofer zeigt, wie das Wasser die darunterliegenden Steine benetzt. Dieser Bereich biete Lebensräume für verschiedene Arten. Auch Treibholz, welches durch die Strömung herangetragen wird, könne Lebensraum bieten.

An dieser Stelle kommen die Kraftwerke ins Spiel, genauer gesagt von Ausleitungskraftwerken, wie in der Nähe eines steht. Bei diesen wird ein Teil des Wassers als eigener Flussarm umgeleitet wird. Hierdurch beruhigt sich der Flusslauf, dessen Bett wird schmaler und weniger Untergrund mit Wasser benetzt. Im Umkehrschluss verringere sich der Lebensraum.

Messungen

Vom Land Vorarlberg gibt es allerdings Vorgaben, welche Restwassermengen an einem Flusslauf enthalten bleiben müssen. Dies wird in Kubikmetern pro Sekunde gemessen. Die Abflussmenge ist über die Homepage des Landes Vorarlberg einsehbar.

Anhand der Messstation Egg (Wehr) erklärt Mayrhofer das Prinzip. Angenommen, die Mindestmenge liege bei zwei, während der tatsächliche Abfluss fünf Kubikmeter pro Sekunde betrage. Dann dürften maximal drei Kubikmeter über einen Seitenarm durch das Kraftwerk ausgeleitet werden. Doch gerade hier zeige sich eine Schwäche des Systems.

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Entlang der Bregenzer Ach.

“Es ist gerade bei kleinen Kraftwerken ein großes Problem, das zu messen.” Laut eines Berichts werden diese Mindestmenge zu 40 Prozent nicht eingehalten. Er verweist allerdings auf Maßnahmen des Landes Vorarlberg, die bereits eine bessere Messung forcieren.

Hohe Temperaturen

Mayrhofer führt die NEUE am Sonntag ein Stück weit flussabwärts. Unterhalb einer Ausleitung hat die Bregenzer Ach einen niedrigen Pegelstand. Das Wasser wird einige Meter oberhalb in Richtung Stauweiher Andelsbuch abgezogen. Zwar hat sich die Ach inzwischen abgekühlt, doch bis vor wenigen Tagen lag die Wassertemperatur an der fraglichen Stelle bei weit über 20 Grad Celsius. Mehrere Faktoren trugen laut Mayrhofer dazu bei: die heißen Temperaturen, der niedrige Wassserstand und das rundum aufgeheizte Geröll.

Plötzlich entdeckt Mayrhofer etwas. Er beugt sich zum Wasser und zieht eine kleine, tote Bachforelle aus dem Fluss. “Jetzt kann man philosophieren. War das Wasser zu warm oder der Sauerstoff zu wenig?”

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Während des Gesprächs findet Peter Mayrhofer eine tote Bachforelle.

Veränderungen erlebt

Der Fischereiverband bewirtschaftet gewisse Abschnitte. Dazu zählt auch Fische in bestimmten Gebieten einzusetzen. Mayrhofer selbst bewirtschaftet seit 35 Jahren die Schwarzach. In dieser Zeit hat er erlebt, wie sich das Ökosystem dort verändert hat. Handelte es sich laut ihm früher um ein traumhaftes Forellengewässer, sei es heute durch verschiedene Einflussfaktoren ein mehr oder weniger strukturloses Gerinne.

Innerhalb des Vereins widmet sich der pensionierte Hauptschullehrer auch anderen Aufgaben. Dort ist er für das gesamte Ausbildungswesen verantwortlich. Die Ausbildung, damit einhergehend die Jugendarbeit, ist für ihn neben der engen Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen ein besonderes Element seiner Tätigkeit.

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Am Stauweiher Andelsbuch.

Eine Begegnung gegen Ende des Gesprächs regt noch zum Schmunzeln an. Vor dem Stauweiher Andelsbuch ist eine Schulklasse. Mayrhofer begrüßt die Begleitperson freundlich. Es handelt sich um einen Mitarbeiter eines Energieversorgers, zugleich einen ehemaligen Schüler Mayerhofers. Diesem sei Mayrhofers Haltung in der Diskussion durchaus bekannt.